Fortbewegung mit dem Automobil – droht älteren Menschen der Führerscheinentzug?

Senioren am Steuer droht laut der EU der FührerscheinentzugDas Autofahren gehört für viele Menschen zu einem festen Bestandteil im Leben. Nicht zuletzt wegen der großen Entfernungen auf dem Land und ob der immer noch schwachen Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist dort fast jeder auf ein Automobil angewiesen. Doch mit steigendem Alter häufen sich statistisch auch die Verkehrsunfälle. Ein gewichtiger Grund dafür, dass inzwischen öffentlich darüber debattiert wird, ob und ab wann ein Führerscheinentzug wegen Alter wirksam werden sollte.

Trügerische Zahlen sorgen für populistische Thesen

Das Allianz-Zentrum für Technik (AZT) hat zuletzt belegt, dass Menschen älteren Jahrgangs zwar prozentual öfters in Verkehrsunfälle verwickelt sind, als andere Gesellschaftsgruppen, sie dabei aber eher Opfer und nicht Verursacher der Unfälle sind. Die nimmt den radikalen Stimmen den Wind aus den Segeln, die behaupten Senioren würden eine Gefahr für das Verkehrsgeschehen darstellen. Nichtsdestotrotz weist die Polizei darauf hin, dass der körperliche oder geistige Zustand des Fahrers durchaus einen Einfluss auf die Fahrzeugführung habe. Dies führe vor allem zu Vorfahrt-Missachtung, Lenkfehlern, Abbiegefehlern und Abstandsfehlern, die im Zweifelsfall erheblichen Unfälle mit Todesfällen bezwecken.
Der ADAC sieht die Umstände gelassener und spricht sich grundsätzlich gegen einen generellen Führerscheinentzug aus, wohl auch um die Gunst seiner älteren Mitglieder nicht zu verspielen. Jeder, der sich dem Verkehrsgeschehen gewachsen fühle, solle auch das Recht haben, ein KFZ zu führen. Viele Menschen in den goldenen Jahren verzichten von sich aus auf das Führen eines Fahrzeugs, jenen rät man die Teilnahme an einem freiwilligen Mobilitätstest und eine Gesundheitsüberprüfung. So können körperliche Defizite schnell ausgemacht werden, beispielweise wenn der Kopf nicht mehr weit genug gedreht werden kann oder Krankheiten wie Alzheimer das Führen eines KFZ unmöglich machen.

Recht auf fortwährende Souveränität

Mobilität über ein Automobil ist für Senioren sehr wichtig für die SouveränitätAutofahren ist für die meisten älter werdenden Menschen aber essentiell, schließlich gilt es den Einkauf im benachbarten Ort zu erledigen oder Freunde und Familie zu besuchen. Mit der Fähigkeit ein Fahrzeug zu führen geht Souveränität und Selbstbestimmung einher, was keinem Menschen versagt bleiben sollte. Auch die Automobilindustrie ist gegen Altersgrenzen, was allerdings wirtschaftliche Motive haben dürfe: etwa 30 Prozent aller Neuwagenkäufer in Deutschland sind älter als 60 Jahre, insgesamt liegt das Durchschnittsalter eines Neuwagenerwerber bei etwa 50 Jahren. Dies liegt in erster Linie daran, dass erst dann genügend Kapital oder Rücklagen für den Erwerb eines Neuwagens erwirtschaften wurden und auch langjährige Träume erfüllt werden wollen.
Besonders Menschen, die ihr Leben lang beruflich viel mit dem Auto unterwegs waren, stellt das Autofahren und die damit verbundene Pflege des Automobils ein passioniertes Hobby dar. Sie sind in der Lage ihr Fahrzeug routinierter und sicherer zu führen als junge Menschen. Ein Führerscheinentzug würde sie ihrer Leidenschaft berauben.

Die Europäische Union sieht das offenbar anders. In einer neuen EU-Richtlinie fordert man die Mitgliedstaaten auf, die Fahrtauglichkeit von Autofahrern über 50 Jahren zu überprüfen. Dies stößt in der Öffentlichkeit jedoch auf breite Kritik. Was in Australien bereits zur Praxis gehört, lässt sich eben nicht in die Automobilnation Deutschland integrieren. Dennoch ist jeder dazu aufgerufen, sich die Frage zu stellen: bin ich den Herausforderungen im Verkehrsgeschehen noch gewachsen und was sagt mein Umfeld zu meiner Fahrtauglichkeit?


Das genutzte Bildmaterial entstammt den Kameras von Franz Haindl und berggeist007 (pixelio.de)


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