Ambient Assisted Living: Möglichkeiten, Lösungen und Förderungen für das Zuhause 4.0

Ambient Assisted LivingAmbient Assisted Living – kurz AAL – steht für neue Technologien und Konzepte, die das Leben im Alter einfacher gestalten sollen. Barrierefreies Wohnen gehört genauso dazu wie technische Lösungen zur Überwachung der Haussicherheit. Oft das Mittel der Wahl dafür: Smart Home. So haben neue Studien ergeben, dass die Gruppe der „Best Ager“ davon ganz und gar nicht abgeneigt ist – entgegen der landläufigen Annahme, Senioren seien technischen Neuheiten gegenüber grundsätzlich skeptisch eingestellt. Und trotz Orwell’schen Dimensionen: Die Möglichkeiten im Zuhause 4.0 sind inzwischen tatsächlich sehr vielfältig.

Für die Mehrheit der Senioren steht fest, dass sie so lange wie möglich selbstständig zu Hause wohnen möchten. Leider geht das aber nicht bei jedem. Eingeschränkte Mobilität und der Verlust körperlicher Fähigkeiten führt bei vielen früher oder später dazu, dass der Alltag nicht mehr ohne Hilfe zu bewerkstelligen ist. Waren früher der mobile Pflegedienst und Betreuung durch die Angehörigen das Mittel der Wahl, kommt heute immer mehr das sogenannte „Smart Home“ ins Gespräch, um das selbstständige Wohnen im Alter sicherer und komfortabler zu machen. So ist dies auch ein fester Teil des Meta-Themas „Ambient Assisted Livings“.

Das Smart Home kann dabei Aufgaben übernehmen, die das Zuhause sowohl sicherer als auch Barriere-ärmer gestalten [1]. So sind elektrische Installationen, die das Licht automatisch steuern, die Temperatur im Haus regeln und über Gefahrenquellen wie den Herd wachen, schon heute leicht zu installieren. Dank spezifischer Assistenzsysteme und leicht verständlicher Steuerung ist es auch im Alter einfach, diese zu bedienen. Dazu kommt: Je früher diese Installationen eingebaut werden, desto besser gelingt die Orientierung und Eingewöhnung mit den neuen Systemen.

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten wird die Entwicklung jedoch noch nicht allzu breit angenommen. Ein Faktor sind vor allem die Kosten, die bei nachträglicher Umrüstung schnell in die Höhe klettern können. Doch es gibt Förderungen, die dafür in Anspruch genommen werden können. Welche Möglichkeiten, Lösungen und Förderungen es gibt, überblickt dieser Artikel.

Möglichkeiten im Zuhause 4.0

Ambient Assisted Living setzt sich vor allem mit der Gestaltung des Zuhauses 4.0 auseinander. Das Haus der Zukunft erlaubt es der im demografischen Wandel immer älter werdenden Gesellschaft, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Laut der Studie „Ambient Assisted Living: Heim 4.0 statt Altersheim“ [2] glauben 50 % der befragten Best Ager daran, dass Smart-Home-Lösungen das lange Leben im eigenen Heim möglich machen. 61 % sehen darin auch eine Steigerung der Lebensqualität. Besonders interessant ist dabei die Sicherheitstechnik. Der mobile Notruf ist das beliebteste Tool – das kommt vor allem durch die besondere Sicherheit die durch nur geringen Kostenaufwand erreicht werden kann. Bewegungsmelder, Anwesenheitssimulation, Sturzsensor, Alarmanlagen und Videoüberwachung rangieren knapp dahinter – hier wird deutlich, dass besonders hohes Interesse an der Absicherung des Hauses und des Hab und Guts besteht.

Weiter sind vor allem die Assistenzsysteme beliebt, die das Leben zu Hause komfortabler und unterhaltsamer machen. Der Smart-TV wird von 58 % der Befragten als sinnvoll erachtet, genauso sieht es bei der Heizungssteuerung aus. Rollladensteuerung und automatische Lichtsteuerung liegen knapp dahinter – diese haben darüber hinaus das Potenzial, auch den Energiebedarf zu schmälern, da Heizung und Fenstersteuerung zusammengeschaltet werden können. Das ermöglicht die automatische Abschaltung der Heizung, wenn das Fenster geöffnet wird und die automatische Schließung und Aufheizung des Raumes, wenn eine kritische Temperatur unterschritten wird.

Aber es gibt noch weitere Assistenzsysteme, die das Leben zu Hause vereinfachen. Staubsauger- und Rasenmähroboter nehmen Hausarbeit ab, Kochautomaten machen die kulinarische Versorgung einfacher. „Smart Wearables“ geben außerdem einen Einblick in die körperliche Aktivität, Herzschlag und können an wichtige Termine oder auch die Medikamenteneinnahme erinnern. Telemedizin und Vitalüberwachung können ebenfalls zu Hause eingesetzt werden. Das zeigt: Es gibt vielfältige Möglichkeiten für selbstständig lebende Senioren, trotzdem unter ärztlicher Überwachung zu stehen bzw. im Notfall jemanden benachrichtigen zu können. Die Systeme, die im Haus zusammenarbeiten sorgen außerdem dafür, dass viele alltägliche Aufgaben automatisch ablaufen und so keinen Mehraufwand für den Bewohner bedeuten.

Achtung: Datenkranke

Obgleich die moderne Technik viel Erleichterung liefern kann, möchten wir als Redaktion darauf hinweisen, dass in den meisten Fälle viele Daten über den Anwender gesammelt werden. Technikoptimisten sehen dies unkritisch, während Skeptiker befürchten, der Industrie und ggfs. auch dem Staat zu viele sensible Daten zu liefern und „gläsern“ zu werden. Insbesondere bei den Geräten zur Gesundheitsmessung befürchten die Kritiker die Willkür der Krankenversicherungen in Bezug auf den tarifpolitischen Umgang mit den erhobenen Daten.

Lösungen für Sicherheitsfragen und Unfallprävention

Ambient Assisted Living Unfallprävention

Automatische Beleuchtung über Bewegungssteuerung und verschiedene Lichtszenarien verhindern Unfälle und erhöhen auch nach außen hin die Sicherheit der Bewohner.

Das Heim 4.0 kann sowohl sich selbst als auch den Bewohner absichern. Mit vernetzter Fenster- und Heizungssteuerung ist das Einsparpotential bereits dargelegt, die Fenstersteuerung lässt sich jedoch auch zur Erhöhung der Sicherheit nutzen. So werden diese zentral über den Computer des Hauses gesteuert, der wiederum mit dem Smartphone des Besitzers vernetzt ist. So kann jederzeit eingesehen werden, welches Fenster geöffnet ist und per Fernsteuerung geschlossen werden. Auch Rollläden und Haustür lassen sich so vernetzen. Aus der Ferne ist dann zu beobachten, wer an der Tür klingelt, die Rollläden können auch in der Abwesenheit über Präsenzszenarien hoch und herunter gelassen werden, so dass das Haus jederzeit bewohnt aussieht.

Die Lichtsteuerung ermöglicht das ebenso. Eine Programmierung über einzelne Zeitschaltuhren ist dann nicht mehr nötig, stattdessen kann das Haus auch auf die Nähe des Bewohners reagieren und automatisch die Lichter anschalten, wenn er nach Hause kommt. Eine andere die Sicherheit erhöhende Maßnahme sind Bewegungsmelder, die auf Bewegungen um das Haus herum reagieren. Bei strategisch kluger Beleuchtung können so auch dunkelste Ecken erleuchtet werden, was potenzielle Eindringlinge abschreckt.

Ein weiteres Sicherheitsfeature sind andere Türöffnungssysteme, die es zum einen ermöglichen, von drinnen schon zu sehen, wer an der Türe steht und zum anderen auch den Schlüssel überflüssig machen. Der Fingerabdruck kann so ebenfalls zum Zugang berechtigen – so kann der Haustürschlüssel quasi nicht verloren gehen. Ebenso braucht es keinen Ersatzschlüssel, da der Bewohner sich immer mit dem identifizieren kann, was er ohnehin dabei hat. Die Überlegenheit eines Tür Codes gegenüber ist dadurch gegeben, dass dieser nicht ausspioniert werden kann.

Auch bei den medizinischen Assistenzsystemen geht der Fortschritt weit über den Treppenlift hinaus. Die Forschung an einem neuen Rollator Modell [3] soll beispielsweise die Haltung des Nutzers verbessern. Aktuelle Modelle tun das nicht, was Haltungsfehler provoziert und somit die Gefahr für Stürze steigen lässt. Aber auch für Schwerkranke gibt es neue Technologien, die die Selbstbestimmtheit erhöhen. So soll das BIRDY System [4] Koma-Patienten in der Aufwachphase die Möglichkeit der Kommunikation zurückgeben. In Zukunft wird es noch verstärkt Helfer im Haus geben, die die tägliche Arbeit erleichtern und auch eine soziokommunikative Komponente miteinbringen.

Förderungen für Smart Home und barrierefreies Wohnen

Das Zuhause 4.0 klingt lebenserleichternd und nach Zukunft – und teuer – denn das befürchten viele bei den neuen Entwicklungen. Der Umbau des Hauses in ein barrierefreies Umfeld ist oftmals mit hohem finanziellem Aufwand verbunden. Kommen dann noch technische Neuerungen hinzu, erhöht das die Ausgaben noch einmal.

Ambient Assisted Living Förderung

Die intuitive Steuerung gehört genauso zum Konzept des Ambient Assisted Livings. Es soll den Bewohner in jeglicher Hinsicht unterstützen – Mehraufwand ist hingegen nicht vorgesehen.

Mit Pflegestufe bzw. Pflegegradeinstufung allein sind die Kosten meist nicht zu bewerkstelligen, allerdings bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine spezielle Förderung, bei der bis zu 6.250 € pro Wohneinheit bezuschusst werden können. Das verringert die finanzielle Belastung, mit einem Pflegegrad sind zusätzlich bis zu 4000 € pro Maßnahme von der Versicherung drin, diese greift jedoch im Gegensatz zur KfW-Förderung erst, wenn der Umbau nötig wird. Zusätzliche Förderungen können dann bewilligt werden, wenn mit dem Umbau auch energetische Neuerungen einhergehen. Das lässt sich ebenfalls mit den Konzepten des Ambient Assisted Livings verbinden, so dass am Ende ein Zuhause entsteht, das sowohl intelligente Systeme der Unfallverhütung – wie automatische Lichtsteuerung – mit einbringt, als auch die Absicherung nach außen hin erhöht.

Mit energiesparender Programmierung kann das Smart Home dann trotz hohem Komfort einen geringeren Energieverbrauch aufweisen, da die Systeme optimal zusammen arbeiten und so verhindern, dass „zum Fenster hinaus geheizt wird“. Sensoren am Herd verhindern zudem, dass eine vergessene Herdplatte zum Brandherd wird. Das bedeutet zusammengenommen die Möglichkeit, selbstbestimmt bis ins hohe Alter zu Hause zu leben, da das Haus auf den Bewohner und sich selbst aufpasst. Die Zukunft scheint zum Greifen nah.

Recherchequellen

[1] https://www.das-intelligente-zuhause.de/ratgeber/barrierefreiheit
[2] http://www.presseportal.de/pm/71659/3586631
[3] https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/risikofaktor-rollator-7629285.html
[4] http://www.technik-zum-menschen-bringen.de/projekte/activate

Bildmaterial: Zinkevych, WoGi und Olivier Le Moal – Fotolia


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