
Zum Weltseniorentag 2025 rückt ein Thema in den Fokus, das Millionen betrifft: gesellschaftliche Teilhabe im Alter. Während der 9. Altersbericht der Bundesregierung feststellt, dass kulturelle Angebote für viele ältere Menschen schwer zugänglich sind, liefert das Projekt „Bei Anruf Kultur“ eine niedrigschwellige und inklusive Lösung – per Telefon, kostenlos und deutschlandweit.
Armut im Alter ist kein Randphänomen. Rund 18 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland gelten laut Bundesregierung als armutsgefährdet. Hinzu kommen gesundheitliche Einschränkungen, die den Besuch von Museen, Theatern oder Konzerten erschweren oder unmöglich machen. Der Altersbericht spricht eine klare Empfehlung aus: Kulturangebote müssen für ältere Menschen gezielt und barrierefrei gestaltet werden.
„Bei Anruf Kultur“ tut genau das. Das Projekt ermöglicht es, dass Interessierte aus ganz Deutschland via Telefon an geführten Kulturveranstaltungen teilnehmen können. Das Besondere: Es braucht weder Internet, Smartphone noch Computer. Stattdessen reicht ein einfaches Telefon.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier bringt es auf den Punkt: „Ein Projekt wie Bei Anruf Kultur ist ein wichtiger Beitrag gegen soziale Ausgrenzung. Gerade ältere Menschen mit kleinen Renten oder gesundheitlichen Einschränkungen profitieren von diesem niedrigschwelligen Angebot.“
Eine im Frühjahr 2025 durchgeführte Evaluation belegt: 70 % der Teilnehmenden sind über 50 Jahre alt, über ein Drittel hat eine Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkung und 10 % geben an, dass ihnen das Geld für Kultur vor Ort fehlt. 96 % der Teilnehmenden nutzen die Führungen bewusst zur Weiterbildung.
In Zusammenarbeit mit über 125 Museen, Galerien und weiteren Kulturinstitutionen werden Führungen entwickelt, die rein über das Gehör erlebbar sind. Professionelle Guides beschreiben Kunstwerke, Ausstellungen und Räume detailreich, während eine moderierende Person die Technik steuert und den Austausch ermöglicht. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, Fragen direkt an die Guides zu richten.
Melanie Wölwer, Projektleitung von „Bei Anruf Kultur“, betont: „Wir sorgen mit unserem Angebot dafür, dass genau die Menschen, die der Altersbericht als besonders gefährdet beschreibt, nicht außen vorbleiben. Kultur wird für alle zugänglich.“
„Bei Anruf Kultur“ wurde 2021 vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e. V. (BSVH) und dem Büro grauwert initiiert. Heute ist es das einzige niedrigschwellige Kulturangebot dieser Art im deutschsprachigen Raum und wird gefördert durch Aktion Mensch, die Behörde für Kultur und Medien Hamburg sowie die DFB-Kulturstiftung.
Bis 2026 soll das Projekt weiter ausgebaut werden – auch mit Blick auf neue Zielgruppen wie hörbehinderte Menschen und stationär untergebrachte Personen. Die Vision: ein nierigschwelliges, bundesweites Kulturerlebnis für alle, ohne Hürden.


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