Krisen-Gewinner: Diese Branchen verzeichnen Rekorde

Corona-Gewinner

Gewinner und Verlierer der Corona-Krise: Während Millionen Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen, mit Kurzarbeit kämpfen oder in anderer Hinsicht unter den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung leiden, spült manchen die Krise Geld in die Kassen. Erfahren Sie hier, wer zu den Gewinnern der Krise gehört. Es sind auch Kandidaten dabei, von denen man es zunächst nicht erwarten würde.

„Big Pharma“

An erster Stelle steht hier natürlich die pharmazeutische Industrie. Zahlreiche Pharmaunternehmen haben zwar erklärt, dass sie während der Pandemie Impfstoffe lediglich zum Selbstkostenpreis abgeben; nicht so aber der US-amerikanische Pharmariese Pfizer. Die Meldungen diesbezüglich sind einheitlich: Pfizer rechnet 2021 mit einem Umsatz von 33,5 Milliarden Dollar alleine mit dem in Kooperation mit dem deutschen Unternehmen BioNTtech entwickelten Impfstoff. Im zweiten Quartal 2021 erwirtschaftete Pfizer einen Gewinn von 5,6 Milliarden Dollar, was einem Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal bedeutet. Damit hat der Covid-Impfstoff vom Ertrag her sämtliche auf dem Markt erhältliche Medikamente und Impfstoffe überholt.

Die deutsche Partnerfirma BioNTech vermeldet ebenfalls Milliardengewinne, nachdem das Unternehmen von 2019 bis zum 3. Quartal 2021 ausschließlich Verluste eingefahren hatte. Im ersten Halbjahr 2021 erwirtschaftete BioNTech 7,4 Milliarden Euro Umsatz, was einem Gewinn von 3,9 Milliarden Euro entspricht.

Doch auch wenn zahlreiche pharmazeutische Unternehmen betonen, während der Pandemie Impfstoffe zum Selbstkostenpreis abzugeben, bedeutet dies nicht, dass dies so bleiben wird, wenn die Krise für beendet erklärt wird. Manche Pharmaunternehmen werden jetzt schon kritisiert, den Selbstkostenpreis zu hoch angesetzt zu haben (so etwa AstraZeneca). Mit Impfungen ist außerdem generell noch ein großes Geschäft zu erwarten. Wenn die impfbereite europäische Bevölkerung „versorgt“ sein sollte, so bestehen dauerhaft noch gute Gewinnaussichten, beispielsweise im bislang eher impfmüden afrikanischen Kontinent.

Atemschutzmasken

Atemschutzmasken waren im Westen vor der Corona-Krise lediglich ein Nischenprodukt, das vor allem im medizinischen Bereich relevant war. Das änderte sich mit der Corona-Pandemie schlagartig. Nach Angaben der Deutschen Bank erreichte der Umsatz mit Atemschutzmasken im ersten Quartal 2020 weltweit 75 Milliarden Dollar, wobei es noch 2019 nur 1 Milliarde Dollar waren. Die Preise stiegen drastisch: Waren vor der Pandemie einfache Atemschutzmasken noch für wenige Cent zu haben, kletterte der Preis auf mehrere Euro pro Maske.

In Asien gehören Atemschutzmasken dabei schon immer zum Alltag. Der Grund ist die hohe Belastung mit Feinstaub in den asiatischen Metropolen. Als der Bedarf an Atemschutzmasken weltweit exponentiell zu steigen begann, waren chinesische Konzerne wie BYD die ersten, die ihre Produktion drastisch ausweiteten. Doch auch Unternehmen in Deutschland sprangen auf den Zug des Geschäfts mit Atemschutzmasken auf und stellten ihre Produktion um.
Auch manch ein Politiker profitierte offenbar vom Run auf Masken. Mehrere CDU-Politiker müssen sich derzeit juristisch rechtfertigen, ob sie diesbezüglich nicht illegale Einkünfte erzielt haben.

Desinfektionsmittel, Seife, Toilettenpapier und haltbare Lebensmittel

Schon im Mai 2020 vermeldete das Statistische Bundesamt bei bestimmten Artikeln in Deutschland eine Verkaufssteigerung von bis zu 800 Prozent. In einer repräsentativen Umfrage gaben ein Drittel der Bundesbürger an, Hamsterkäufe zu tätigen. Hintergrund war die Angst, dass durch den Lockdown bedingt nicht mehr genügend Artikel vorrätig sein würden. Reißenden Absatz fanden dabei vor allem Desinfektionsmittel, Seife, Toilettenpapier und haltbare Lebensmittel wie Mehl, Hefe, Nudeln und Fertiggerichte. Obwohl Toilettenpapier auf den ersten Blick mit Corona nicht viel zu tun hat, erklären Psychologen den Drang, Toilettenpapier zu horten, mit unserem Bedürfnis nach Sauberkeit und Sicherheit, während Krisenstimmung herrscht.

Auch der Run auf Apotheken und Drogerien war groß. Viele deckten sich dabei zur Vorsorge mit Bedarfsgütern für die eigene Hausapotheke ein. Als Konsequenz wurden zahlreiche Produkte deutlich teurer oder waren gar nicht mehr erhältlich. Auch dies zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Software für Homeoffice

Bei der Liste an Corona-Gewinnern denkt kaum einer zunächst an Software-Hersteller. Doch durch die Maßgabe, nach Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, verzeichnen seit vergangenem Jahr auch viele Software-Firmen enorme Umsatzsteigerungen.

Viele Arbeitgeber waren gezwungen, ihre Mitarbeiter im Homeoffice mit allem Notwendigem auszurüsten. Daher war/ist nicht nur Computer-Software gefragt, sondern auch effektive Antiviren-Programme oder Tools für Video- und Webkonferenzen und andere Kommunikationsmittel. Zu den Marktführern unter den Softwareherstellern gehören dabei Microsoft, Adobe Systems, Oracle, Salesforce und SAP.

Fast 19 Millionen Menschen arbeiteten während der Pandemie entweder ganz oder teilweise im Homeoffice. Wie sich der Arbeitsmarkt diesbezüglich nach der Krise entwickeln wird, weiß niemand genau. Viele Unternehmen erwägen jedoch, dauerhaft völlig auf Homeoffice umzustellen. Dies steht beispielsweise bei SAP zur Diskussion.
Für viele Menschen ist der Arbeitsplatz allerdings ein wichtiger sozialer Bezugspunkt und wenn es auch nur der tägliche Plausch mit den Kollegen in der Teeküche ist. Homeoffice bedeutet daher weniger soziale Interaktion und mehr Vereinsamung, auch wenn vordergründig der Wegfall von An- und Heimfahrten als Vorteil erscheint.

Online-Händler

Allen voran Marktführer Amazon konnte seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal im ersten Quartal 2021 verdreifachen. Während im ersten Quartal 2020 der Gewinn noch 2,5 Milliarden Dollar betrug, übertraf das erste Quartal 2021 mit 8,1 Milliarden Dollar alle Erwartungen. Das entspricht einem Umsatzanstieg von 44 Prozent. Amazon ist damit 2021 erstmals unter die Top 10 der umsatzstärksten Unternehmen weltweit aufgestiegen. Dies berichtet das US-amerikanische Magazin „Forbes“, das regelmäßig Rankings der größten Unternehmen und reichsten Einzelpersonen veröffentlicht. Da vor allem in Zeiten von Lockdowns zahlreiche Menschen Online-Bestellungen tätigen, statt ein Geschäft aufzusuchen, war diese Entwicklung zu erwarten.

Amazon konnte in den letzten Jahren generell aber dermaßen groß werden, weil das Geschäftsprinzip die Bedürfnisse der Kunden trifft. Hinter der Marketing-Strategie von Amazon steht die Überlegung: Was wollen Kunden wirklich? Antwort: Sie wollen möglichst bequem auf alle möglichen Artikel zugreifen können, um ihre Bedürfnisse möglichst sofort ohne großen Aufwand zu befriedigen. Ein paar Klicks und am nächsten Tag klingelt schon der Postbote, wenn es sein muss. Dieses Konzept hat sich als Erfolgskonzept herausgestellt.

Allerdings hat diese Dynamik Schattenseiten. Zum einen wird zunehmend der Einzelhandel in den Innenstädten verdrängt. Als Folge veröden die Innenstädte oder werden durch die großen Ketten dominiert. Zum anderen steht Amazon schon lange in der Kritik, Mitarbeiter schlecht zu bezahlen, wobei diese unter hohem Druck und bei mangelndem Gesundheitsschutz arbeiten müssen. Das Magazin „Der Spiegel“ hat hierzu einen lesenswerten Beitrag veröffentlicht, in dem ein Amazon-Mitarbeiter klagt: „Amazon verdient sich dumm und dämlich und wir haben nicht einmal einen Tarifvertrag.“

Es gibt allerdings noch mehr heimliche Gewinner der Corona-Krise: Hierzu zählen beispielsweise bestimmte Automobilhersteller, Elektroautomobilhersteller (Tesla konnte beispielsweise auch während der Lockdowns weiterwachsen) und prinzipiell alle, die unter den veränderten Bedingungen gezielt Produkte anbieten können, die jetzt gefragt sind. Auch die Finanzmärkte boomen und die Aktienkurse jagen von einem Höchststand zum nächsten. Allerdings ist diese Euphorie an den Finanzmärkten nicht realwirtschaftlich gedeckt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt deswegen schon jetzt, dass diese Entwicklung nicht gutgehen kann. In einer Erklärung des DGB heißt es: „Immer noch sind die Eigenkapitalanforderungen für Banken zu gering, Schattenbanken unreguliert und Finanztransaktionen kaum besteuert.“ Im Klartext bedeutet dies, dass sich die nächste Finanzkrise schon anbahnt.

Unter dem Blickwinkel des Profits betrachtet, scheint es, dass vor allem große Konzerne und Unternehmen offensichtlich aus der Krise Gewinn ziehen konnten. Dies kommt auch durch die Geschehnisse an der Börse zum Ausdruck. Insofern liegt es auf der Hand, dass es weltweit sowohl wirtschaftlich als auch in anderen Bereichen durch die Pandemie bedingt zu gewaltigen Umstrukturierungen kommt. Dies ist ein Prozess, der schon lange eingesetzt hat, nun aber durch die Krise einen zusätzlichen Schub bekommt. Ob diese Veränderungen im Sinne der Menschen sind, ist allerdings fraglich.

Über die Autorin

BabicMarijana Babic ist Literaturwissenschaftlerin und Historikerin. Nach einigen Jahren im Verkauf hat sie sich nach Abschluss ihres Magister-Studiums 2006 als Journalistin, Texterin und Lektorin selbstständig gemacht. Schwerpunkte dabei sind Soziales, Psychologie und Psychopharmakologie. Eine neue Website befindet sich derzeit noch im Aufbau.

Marijana Babic
Heinrich-Fuchs-Straße 120
69126 Heidelberg
E-Mail: marijana.babic@outlook.de


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