Die Einstufung in Pflegestufen – von Härtefallregelung bis MDK

PflegestufenWird man selbst oder ein Angehöriger zu einem Pflegebedürftigen, so gilt es sich auch in die Systematik der Pflege einzulesen. Basierend auf den Pflegestufen werden Bedürftigen nämlich unterschiedliche Zuwendungen und Leistungen zuteil. Doch wie läuft die Einstufung ab? Welche Zeitkontingente stehen pro Stufe zu Verfügung?

Unlängst schockierte eine Studie, nach der in wenigen Jahren eine halbe Million Pflegekräfte fehlen wird. Der demografische Wandel schreitet immer weiter voran, immer mehr Menschen werden im Alter professionelle Pflege bedürfen. Wenn das Alter oder Erkrankungen wie Demenz bzw. Alzheimer und Parkinson zu Einschränkungen der Mobilität oder zu Problemen im Alltag führen, kann eine Pflegestufe für Erleichterung und mehr Lebensqualität sorgen.

Einstufung durch den MDK

Wenn ein Unfall, ein Sturz, ein Schlaganfall oder Herzinfarkt zur Pflegebedürftigkeit führen, muss schnell gehandelt werden. Zunächst gilt es Kontakt mit der Krankenkasse aufzunehmen, hier muss ein Antrag gestellt werden, damit Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden können. Voraussetzung ist ein unabhängiges Gutachten, das vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) erstellt wird. Diese überprüft im Auftrag der Pflegekasse, meist besuchen Ärzte oder Pflegefachkräfte den Pflegebedürftigen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Besonders wichtig ist hier die Zeitspanne, die für Tätigkeiten der Grundpflege sowie Arbeiten im Haushalt benötigt wird, wird diese nicht erreicht, können pflegeerschwerende Faktoren in das Gutachten miteinbezogen werden. So können erhebliches Übergewicht, unkontrollierte Bewegungen, stark eingeschränkte Sinne oder Abwehrverhalten die Pflege negativ beeinträchtigen, sodass ein höherer Zeitwert angesetzt werden muss.

Nach einer maximalen Bearbeitungszeit von fünf Wochen, diese ist gesetzlich festgelegt und soll für schnelle Hilfe sorgen, liegt die Entscheidung der Pflegekasse vor. Nun können verschiedene Leistungen, deren Umfang sich nach der Pflegestufe richtet, in Anspruch genommen werden. Dazu gehören Geld- und Sachleistungen, Unterstützung durch teilstationäre Pflege oder Mittel, die zu einer Verbesserung der Wohnsituation genutzt werden können.

Die verschiedenen Pflegestufen

Pflegestufe I, eine erhebliche Pflegebedürftigkeit, besteht, wenn die Grundpflege mindestens 46 Minuten, der Zeitaufwand für die Pflege insgesamt mindestens 90 Minuten beträgt. Wenn mindestens dreimal am Tag Hilfe für die nötigsten Dinge wie etwa die Ernährung oder die Körperpflege benötigt wird, besteht die Pflegestufe II. Sie umfasst einen Pflegebedarf von mindestens drei Stunden am Tag, davon müssen mindestens 120 Minuten auf die Grundpflege entfallen. Von Schwerstpflegebedürftigkeit spricht man, wenn 24 Stunden am Tag Hilfe benötigt wird. In der Pflegestufe III muss der Zeitaufwand für die Pflege mindestens fünf Stunden betragen, davon müssen mindestens 240 Minuten die Grundpflege umfassen.

Im Rahmen der Härtefallregelung besteht die Möglichkeit, höhere Leistungen zu erhalten, diese Regelung kommt dann zum Tragen, wenn auch nachts mehrere Pflegekräfte anwesend sein müssen oder andere erschwerende Faktoren die Pflege behindern. Um den durchschnittlichen Zeitaufwand für Pflegemaßnahmen zu ermitteln, sollten Angehörige ein detailliertes Pflegetagebuch anlegen.

Bildquelle: Sandor Kacso – Fotolia


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