Generationsübergreifendes Wohnen – Mehrgenerationenhaus belebt die Idee von Familie

Generationsübergreifendes Wohnen im MehrgenerationenhausDie Gesellschaft ist im Umbruch, der Stellenwert von Familie schwindet und immer weniger Kinder werden geboren. Doch da der Mensch ein soziales Wesen bleibt, sehnen sich viele nach alten Werten zurück, wollen in Gesellschaft älter werden. Das Konzept Mehrgenerationenhaus wird daher immer beliebter, denn es kombiniert Eigenverantwortlichkeit mit Zusammenhalt.

Immer weniger Paare entscheiden sich für ein Kind, die klassische Großfamilie wird zunehmend zum Auslaufmodell. Die zusätzliche Zeit, die in den Berufsjahren noch mit Reisen oder gesellschaftlichen Kontakten gefüllt werden kann, entwickelt sich im Alter zum Problem. Wenn keine Kinder und Enkel da sind und auch der Partner verstorben ist, droht die Einsamkeit und die Altersdepression. Auch das Alternativmodell Pflegeheim scheint wenig attraktiv. Dabei muss die Familienidylle á la „Waltons“ und Co., wo Großeltern, Eltern und Kinder harmonisch unter einem Dach leben, kein Wunschtraum bleiben. Dank der Mehrgenerationenhäuser, die in Deutschland immer mehr an Beliebtheit gewinnen, können Senioren eigenverantwortlich leben und doch das Zusammenleben mit Jüngeren genießen.

Mehrgenerationenhäuser: Alle unter einem Dach


Mehrgenerationenhäuser beruhen auf einer Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Jugend, die 2006 ins Leben gerufen wurde. Hier leben mehrere Generationen zusammen, ob verwandt oder nicht spielt keine Rolle. Alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, Patchworkfamilien, Senioren mit oder ohne lebende Angehörige und Singles leben miteinander, Alter und Herkunft sind nebensächlich. Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander ist jedoch, dass jede Partei eine eigene Wohnung besitzt, in Gemeinschaftsräumen besteht die Möglichkeit des Zusammenfindens und Austauschens.

Verschiedene Dienstleistungsangebote sollen sicherstellen, dass sich alle Bewohner gleichermaßen wohlfühlen, so können Lernangebote für Kinder, Kurse zur Weiterbildung oder Betreuungsangebote für pflegebedürftige Menschen in Anspruch genommen werden. Mittlerweile gibt es 450 solcher Häuser in Deutschland, Tendenz steigend. In vielen Städten und Kommunen suchen neue Gruppen nach geeigneten Häusern, um zusätzliche Angebote zu organisieren. Eine aktuelle Umfrage eines großen Wohnungsportals verrät, dass das Konzept gut ankommt, 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich gut vorstellen können, in einem Mehrgenerationenhaus zu wohnen. Dass alle Bewohner sich hier wohlfühlen, kann man sich leicht vorstellen. Die Senioren kümmern sich um den Garten und die Kinderbetreuung, die älteren Menschen wiederum profitieren von der Lebensfreude der jüngeren Generation.

Mehrgenerationenhaus birgt Konfliktpotenzial?


Nicht nur für Senioren bieten solche Wohnmodelle viele Vorteile. Anstatt in ein Alten- oder Pflegeheim zu ziehen, können ältere Menschen im Mehrgenerationenhaus selbstbestimmt leben, dank externer Angebote ist das Wohnen bis zur Pflegestufe II hier möglich. Zudem wird der Einsamkeit vorgebeugt, eigene Potenziale können wiederentdeckt und aktiviert werden, durch den regelmäßigen Austausch mit den Mitbewohnern entstehen neue soziale Netzwerke. Selbst die Angehörigen profitieren, da sie durch externe Pflegeangebote entlastet werden können, vorausgesetzt der Fachkräftemangel dehnt sich nicht weiter aus.

Doch nicht alles sollte durch die rosarote Brille gesehen werden, ohne Kommunikation und Absprachen birgt diese Wohnform auch Nachteile. Leben Menschen auf engem Raum miteinander, ist Konfliktstoff vorprogrammiert. Unterschiedliche Auffassungen zur Kindererziehung oder verschiedene Ruhebedürfnisse schaffen die Grundlage für Streit, alte Konflikte zwischen Eltern und Kindern können wieder aufleben.


Wenn jedoch die richtige Balance aus Nähe und Distanz gefunden werden kann, unter anderem auch durch die eigene Wohnung möglich, können die Generationen viel voneinander lernen. Respekt vor unterschiedlichen Lebensentwürfen, die Reduzierung von übertriebenen Erwartungshaltungen und das Miteinander sprechen bilden die Basis für ein erfolgreiches Zusammenleben. Bevor ein neues Haus eröffnet wird, findet daher zunächst eine Kennenlernphase statt, in der sich alle zukünftigen Bewohner austauschen und etwa mitteilen, was sie selbst zu dem Projekt beitragen können. Auch die externe Unterstützung bildet einen wichtigen Pfeiler zum Gelingen des Mehrgenerationenhauses.

Bildnachweise: Das verwendete Tierbild ‘Da gibts Freibier! Wo Wo Wo? ’ wurde vom unter dem Pseudonym ‘photino’ tätigen Fotografen erstellt. Das Bild unterliegt der CC-Lizenz (BY 2.0) | http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
2,60 von 5 Punkten, basierend auf 15 abgegebenen Stimmen.


Bewerten Sie diesen Artikel - Hinterlassen Sie gerne auch ein Kommentar!
Loading...

Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Ric kommentierte am 4. September 2019 at 8:32

    Guten tag eine frage, von wo haben sie die Umfrage
    „Eine aktuelle Umfrage eines großen Wohnungsportals verrät, dass das Konzept gut ankommt, 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich gut vorstellen können, in einem Mehrgenerationenhaus zu wohnen.“
    wäre sehr hilfreich wen sie das noch dazu schreiben würden
    Mit freundlichen Grüßen.
    Ric

Kommentar schreiben

(auch anonym möglich)

Hier haben Sie die Möglichkeit den Beitrag (wenn Sie mögen anonym) zu kommentieren und Ihre Erfahrungen und Meinungen zu schildern. Wir freuen uns über jeden Kommentar! Bitte beachten Sie jedoch, dass wir politische Hetze gegenüber Minderheiten und Aufrufe zu Gewalt nicht veröffentlichen werden.

Rentner, Senioren, ältere Menschen, goldene Jahre, Herbst des Lebens, Silver Surfer - Bezeichnungen für die Leser dieses Magazins gibt es viele. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir in unseren Publikationen so weit wie möglich mit neutralen und wertfreien Bezeichnungen arbeiten bzw. allgemein an "den Leser" adressieren.
Seniorenbedarf.info