Gütesiegel für Lebensmittel – was bedeuten die gängigsten Testsiegel im Detail?

Viele Siegel geben Auskunft über diverse LebensmittelIn der Vergangenheit haben zahlreiche Lebensmittelskandale das Vertrauen der Verbraucher stark erschüttert. Dixon-Eier, Gammel- und Pferdefleisch und zuletzt sogar Benzol im Mineralwasser – die Unsicherheit beim Einkaufen wächst. Immer öfter stimmen zudem Werbeversprechen nicht mit der Realität überein. Gütesiegel sind hier eine wichtige Hilfe.

Gütesiegel garantieren festgelegte Standards

Lebensmittel müssen in Deutschland gekennzeichnet sein. Verschiedene Angaben sind auf deutschen Lebensmittelprodukten Pflicht, beispielsweise Hersteller, Zutatenliste und Mindesthaltbarkeitsdatum. Typisch sind auch Aussagen wie „aus biologischem Anbau“ oder „Naturprodukt“, jedoch haben diese keinerlei Aussagekraft.

Anders sieht es mit Gütesiegeln aus, die vom Staat, privaten Anbauverbänden und Supermarktketten vergeben werden. Sie erlauben Rückschlüsse über einen bestimmten Standard, Hersteller, die das Logo auf der Verpackung nutzen möchten, müssen sich zuvor einem Zertifizierungsprozess unterziehen. Hier wird überprüft ob und in welchem Ausmaß die festgelegten Standards eingehalten werden. Jedoch sind die zugrundeliegenden Bewertungskriterien nicht immer gleich, ein genauer Blick in die jeweiligen Richtlinien des Gütesiegels lohnt sich daher oft.

Staatliche Gütesiegel für Bio-Lebensmittel

Kaum ein anderes Lebensmittel ist so gut geschützt wie eines aus ökologischer Landwirtschaft und Tierhaltung. Der Begriff „Bio“ ist gesetzlich geschützt, Grundlage bildet die EG-Öko-Basisverordnung 834/2007. Nur Hersteller, die alle hier festgelegten Richtlinien erfüllen, dürfen mit der Bezeichnung „Bio“ werben.

EU-Bio-Siegel

Erstmals im Jahr 2010 eingeführt, ist das hellgrüne Logo in Form eines Blattes mit EURO-Sternen seit Juli 2012 verpflichtend. Es gilt für alle Bio-Produkte, die im EU-Raum hergestellt werden. Wichtig ist hier vor allem die EU-Öko-Kontrollstellennummer, die ebenfalls auf dem Siegel vermerkt sein muss.

Diese stellt sicher, dass die zertifizierten Betriebe die Kriterien erfüllen. Ob dies der Fall ist, wird jährlich neu von staatlich zugelassenen Privatkontrollinstanzen überprüft. Inhaltsstoffe für die so ausgezeichneten Produkte müssen zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.

Deutsches (staatliches) Bio-Siegel

Bereits im Jahr 2001 wurde das deutsche Bio-Siegel eingeführt, das nur für deutsche Produkte gilt. Richtlinien umfassen hier die artgerechte Tierhaltung, das Verbot von Gentechnik und der Einsatz von künstlichen Pflanzenschutzmitteln sowie mineralischen Düngern. Bei Erkrankungen der Tiere muss pflanzlichen Heilmittel der Vorzug vor Antibiotika gegeben werden, leistungs- oder wachstumsfördernde Substanzen sind ebenfalls untersagt.

Gütesiegel der privaten Öko-Anbauverbände

Daneben gibt es die Gütesiegel, die von den acht großen Öko-Anbauverbänden in Deutschland vergeben werden. Basis der Zertifizierung bildet erneut die Bio-Verordnung, sie gilt hier jedoch nur als Mimimalstandard. Die Hersteller garantieren mit strengeren Richtlinien eine „Extra-Bio-Qualität“.

Die Gütesiegel umfassen Biopark, Biokreis, Gäa, Ecoland, ECO VIN, Naturland, Demeter und Bioland. Gemeinsam ist den Richtlinien, dass keine konventionellen Futtermittel zum Einsatz kommen dürfen, weitere Regelungen umfassen den reduzierten oder verbotenen Einsatz von Hilfs- und Aromastoffen, etwa Farbstoffen und Jodsalz.

Demeter

Die Philosophie des Verbands Demeter sieht den landwirtschaftlichen Betrieb als in sich geschlossenen Organismus, daher werden bei Anbau und Tierhaltung auch kosmische Rhythmen wie der Einfluss des Mondes berücksichtigt. Grundlage bildet hier die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die älteste Form der ökologischen Landwirtschaft, die stark vom Anthroposophen Rudolf Steiner beeinflusst wurde.

Zum Einsatz kommen hier außerdem feinstoffliche Präparate, die aus Mist, Mineralien und Heilpflanzen selbst hergestellt werden. Jegliche künstliche Zusatzstoffe, Aromen, Farbstoffe aber auch Nitritpökelsalz sind verboten.

Gütesiegel für tierische Lebensmittel

MSC = Marine Stewardship Council

Die unabhängige Organisation wurde von der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet und ist heute ein Synonym für nachhaltigen Fischfang. Nur solche Produkte werden ausgezeichnet, die dem Problem Überfischung keinen weiteren Vorschub leisten. Schutz der Bestände und Fischfang, der nur minimale Auswirkungen auf das Ökosystem hat, sind die beiden Pfeiler des Siegels.

NEULAND

Verbraucher, die Fleisch und Wurst aus umweltschonendem und artgerechtem Anbau wollen, sollten auf das Neuland-Siegel achten. Heimische Futtermittel sind erlaubt, tierische Futtermittel hingegen verboten. Daneben dürfen keine gentechnischen Komponenten, Antibiotika und Leistungsförderer zum Einsatz kommen.

Neue Betriebe werden von den Tierärzten des Deutschen Tierschutzbundes besucht, Tiere in den ausgezeichneten Betrieben haben Auslauf im Freien und Tageslicht im Stall.

Weitere Gütesiegel

Daneben existieren zahlreiche weitere Gütesiegel, so besitzt mittlerweile jede große Supermarktkette ein eigenes Siegel, etwa Rewe, Plus und EDEKA. Auch der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik vergibt ein eigenes Siegel. Auch Gütesiegel, die den Schwerpunkt auf den fairen Handel mit Ländern der Dritten Welt zum Ziel haben, sind weit verbreitet.

Achten Sie als Verbraucher stets auf die Siegel, um sich einen Orientierungspunkt in der sehr undurchsichtigen Güterwelt der Lebensmittel zu verschaffen. Guten Appetit!


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