„Kapitalanlagen sollen nicht nur Rendite bringen, sondern auch umweltverträglich und nachhaltig sinnvoll sein“ – Interview mit Klaus Reimann von der Sterbegeldversicherung „Solidar“

Interview Reimann

Irgendwann endet das Leben auf Erden. Für wen aber ist eine Sterbegeldversicherung sinnvoll? Und wie arbeiten die Anbieter im Bereich dieses Altersvorsorgeprodukts gegenwärtig? Im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der „Solidar“ gehen wir diesen und anderen Fragen auf den Grund.

Klaus ReimannZur Person: Klaus Reimann ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender der SOLIDAR Sterbegeldversicherung. Vorher war er langjährig als Abteilungsdirektor einer Großbank im Firmenkundengeschäft tätig. Zu seinen Hauptaufgaben in der Sterbekasse zählen die Bereiche Asset-Management und Vertrieb.

Nebenberuflich ist er als Dozent für betriebswirtschaftliche Themen für die Bankakademie tätig. Als Verwaltungsratsmitglied des Deutschen Sterbekassenverbandes setzt er sich besonders für die Weiterentwicklung des Sterbekassenwesens in Deutschland ein.

1.) Redaktion: Sehr geehrter Herr Reimann, Sie sind Vorstandsvorsitzender der SOLIDAR Sterbegeldversicherung. Warum ist ihr Produkt sinnvoll?

Reimann: Eine Sterbegeldversicherung ist der Schlussakkord jeder guten Altersvorsorge. Weil jedes Leben mit dem Tod endet, kommt es bei unseren Produkten auf jeden Fall zur Auszahlung der Versicherungsleistung. Das unterscheidet eine Sterbegeldversicherung von den meisten anderen Versicherungsarten. Allein der Auszahlungszeitpunkt ist ungewiss. Je später desto besser, da die Überschussbeteiligungen im Laufe der Zeit steigen.

2.) Redaktion: Können Sie für Ihr Produkt gegenwärtig auch neue Mitglieder jüngerer Altersgruppen gewonnen werden, um eine Ausgeglichenheit zu gewährleisten?

Reimann: Das Durchschnittsalter der Neumitglieder liegt bei ca. 50 Jahren. Die Zeiten, in denen bereits Azubis mit dem Eintritt in das Berufsleben wie selbstverständlich in den Betrieben eine Sterbegeldversicherung abschließen sind vorbei. Mit unserem Internetangebot versuchen wir jedoch zielgerichtet jüngere Menschen anzusprechen, was uns in vielen Fällen bereits gelingt. Häufig gewinnen wir auch bisher noch nicht versicherte Familienmitglieder, wenn die Kinder aufgrund eines Sterbefalls überrascht sind, wie hoch die ausgezahlten Beträge sind.

3.) Redaktion: Wie stark ist Ihre Versicherung vom Corona-Lockdown betroffen?

Reimann: Die Solidar befindet sich in einer Zangenbewegung. Einerseits müssen wir damit rechnen, dass die Aufwendungen für Sterbegeldauszahlungen bedingt durch die Pandemie in 2020 höher sind. Andererseits ist mit einem leicht niedrigeren Kapitalanlageergebnis zu rechnen. Der Gewinn in 2020 wird voraussichtlich leicht unter dem guten Vorjahr liegen. Selbst in der Krise haben wir einen ordentlichen Zulauf an Mitgliedern. Das zeigt, dass gerade in schwierigen Zeiten ein Grundbedürfnis bei den Mitbürgern für die finanzielle Absicherung des eigenen Ablebens besteht.

4.) Redaktion: Ist es nicht gerade die Krise, in der die menschliche (Todes-)Angst eine erhebliche Rolle spielt? Sind Sie „Profiteure der Angst“?

Reimann: Angst ist nie ein gutes Argument für den Abschluss einer Versicherung. Eine Sterbegeldvorsorge sollte man vor allem treffen, um die Angehörigen später finanziell zu entlasten. Angst sorgt eher für Unsicherheit, das spüren wir seit dem Ausbruch der Pandemie in den Beratungsgesprächen.

5.) Redaktion: Nicht erst Corona hat uns die hohe Labilität des gegenwärtigen Wirtschaftssystems aufgezeigt. An renommierten deutschen Universitäten wird bereits an einer „Postwachstumsgesellschaft“ gearbeitet. Was sagen Sie als erfahrener Ökonom und Praktiker zu dieser Entwicklung?

Reimann: Erst jetzt merken wir, wie Abhängig wir von internationalen Lieferketten sind. Die vorübergehenden Wachstumseinbußen werden erheblich sein. Bisher ist die Weltwirtschaft nach jeder Krise auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Aber es ist richtig darüber nachzudenken, ob Wachstum ausschließlich an den zahlenmäßigen Steigerungsraten des Sozialproduktes festgemacht wird, oder ob nicht auch qualitative Kriterien ein Maßstab sein können. Zum Beispiel werden bei der Solidar in der Kapitalanlage zunehmend Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Unsere Kapitalanlagen sollen nicht nur Rendite bringen, sondern die hiermit finanzierten Investitionen sollen auch umweltverträglich und nachhaltig sinnvoll sein.

6.) Redaktion: Ist in der heutigen Zeit von Negativzinsen eine gewinnbringende Kapitalanlage für die Solidar überhaupt noch möglich?

Reimann: Das ist eine sehr berechtigte Frage, die wir uns jeden Tag ebenfalls stellen, zumal wir versuchen, Risiken so weit wie möglich zu vermeiden. Jeden Monat müssen wir Millionenbeträge neu anlegen. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele, was wir in den letzten drei Monaten neu angelegt haben. Im April sind Anleihen von Emittenten mit gutem Rating stark gefallen. Wir haben z.B. drei Anleihen mit Kursen von ca. 80% an der Börse erworben, in der Erwartung, dass wir jeweils 100% bei Fälligkeit zurückerhalten. Der Zinskupon dieser Anlagen liegt bei 2-3% p.a. Aktuell zeichnen wir ein größeres Investment in ein Infrastrukturportfolio. Das ist eine Investition in die Zukunft, anfänglich werden wir voraussichtlich eher niedrigere Erträge erwirtschaften, mittel- bis langfristig sollte dies jedoch eine rentable Anlage werden.

7.) Redaktion: Wieviel Puffer hat die Solidar, um schwierige Zeiten zu
überstehen?

Reimann: Da sind wir sehr zuversichtlich. Zum Bilanzstichtag hatten wir erhebliche stille Reserven in den Kapitalanlagen. Aus diesem Puffer konnten wir die Kursschwankungen im Krisenverlauf bisher abfedern. Im April war dieser Puffer weitgehend zusammengeschmolzen, der Großteil konnte jedoch im Mai/Juni wieder aufgeholt werden. Darüber hinaus verfügen wir über einen
komfortablen Eigenkapitalpuffer. Unsere aufsichtsrechtliche Solvabilitätsspanne beträgt 221%. Das heißt, wir haben mehr als doppelt sie viel Eigenkapital wie aufsichtsrechtlich mindestens erforderlich ist. Das ist sicherlich eine solide Ausgangsbasis für die Zukunft.

8.) Redaktion: Sehr geehrter Herr Reimann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. Die letzten Worte gehören Ihnen.

Reimann: In diesem Interview haben wir viel über Probleme, Zahlen und Rendite gesprochen. Das ist wichtig und zeigt die Notwendigkeit, dass sich jeder damit auseinandersetzt und Entscheidungen für seine Absicherung trifft. Hier können wir als Versicherungsgemeinschaft helfen. Die Solidar ist ein Verein und keine Aktiengesellschaft. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das wir von der Sinnhaftigkeit unserer Angebote überzeugen können. Allerdings schränken wir uns im Werbebudget bewusst ein, auf großangelegte Marketingkampagnen verzichten wir. Dafür sind unsere Überschüsse auf sehr ordentlichem Niveau, hiervon profitieren unsere Mitglieder. Unsere Ablaufleistungen betragen häufig das Doppelte der eingezahlten Beiträge.

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Interview. Vielleicht können wir damit Menschen bewegen, sich mit ihrer persönlichen Absicherung auseinanderzusetzen. Dafür ist es nie zu spät!

Bildquelle: VTT Studio – Fotolia


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