Pflegepersonal aus Osteuropa – Gesellschaftliche Akzeptanz nimmt zu

Osteuropäisches Pflegepersonal ist oft günstiger, aber auch mit besonderen Pflichten verbundenIm Rahmen der Globalisierung bieten Pflegedienste verstärkt eine Betreuung durch ausländisches Personal an. Besonders die geringeren Kosten werden hierbei in den Mittelpunkt gestellt. Doch ist diese Betreuung immer rechtens? Und sind faire Arbeitsbedingungen für das Gastpersonal stets gewährleistet? Unser Seniorenmagazin hat recherchiert.

Das Statistische Bundesamt hat zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung vorausberechnet, dass 2025 rund 152.000 Fachkräfte in Pflegeberufen fehlen. Grund dafür liegt zum einen in der sich verändernden Altersstruktur Deutschlands. Die Menschen werden älter, aber die Geburtenrate und somit die Zahl junger Leute geht stetig zurück. Zum anderen fühlen sich junge Menschen immer seltener dazu berufen im Bereich der Altenpflege tätig zu sein.

Denn auch unser Erfahrungsbericht Ambulante Pflege verdeutlicht: Niedrige Löhne, erhöhte Belastung und geringe Aufstiegschancen tragen nicht dazu bei den Beruf für junge Leute attraktiver zu machen. Eine Lösung, die scheinbar auf zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz trifft, ist das Einstellen von osteuropäischem Pflegepersonal, welches von entsprechend spezialisierten Agenturen an Betroffene vermittelt wird.

Geringere Kosten als einheimische Kräfte

Laut Stiftung Warentest arbeiten über 100.000 Pflegerinnen und Pfleger aus den EU-Beitrittsstaaten Polen, Tschechien und der Slowakei in Deutschland als Hilfskräfte für Senioren, die sich nicht mehr um sich selbst kümmern können.

Meist wohnen die ausländischen Fachkräffte mit im Haus, stehen also für den Großteil des Tages zur Verfügung und haben den Kranken ständig im Blick. Dies beruhigt sowohl Angehörige als auch Betroffene. Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand. Osteuropäische Arbeitskräfte haben in ihrer Heimat geringere Lebenshaltungskosten und erhalten demnach einen geringeren Lohn in ihrem Heimatland als beispielsweise deutsche Pflegekräfte.

Die Bedenken, aufgrund von möglichen Sprachbarrieren oder dem Wissen eine Fremde ständig im Haus zu haben, werden ob dieses Vorteils oftmals schnell über Bord geworfen. Die steigenden Beschäftigungszahlen zeigen, dass sich die Gesellschaft zunehmend diesem Modell öffnet. Hinzu kommt der im Vergleich zu Deutschland immernoch sehr hohe Stellenwert von Familie und Gemeinschaftsgefühl in europäischen Nachbarländern, der sich auch auf die Mentalität des Gastpersonals auswirkt.

Schwarzarbeit und schlechte Arbeitsverhältnisse überschatten das Modell

Probleme entstehen oftmals, weil private Auftraggeber sich nicht bewusst sind, dass sie sozusagen als Arbeitgeber agieren. Das bedeutet sie müssen dafür Sorge tragen, dass ihre angestellte Haushaltskraft ausreichend versichert ist, Sozialabgaben leistet, Urlaub und ein ordentliches Arbeitsverhältnis erhält, sowie sich nicht illegal im Land befindet.

Auch wer eine Vermittlungsagentur damit beauftragt, sollte stets alle Unterlagen dahingehend genau prüfen. Wirbt diese beispielsweise mit einer Rundum-Betreuung, sollte man sich im Klaren sein, dass man seine Hilfskraft dennoch keine 24 Stunden zur Verfügung hat. Denn auch sie hat das Recht auf Feierabend und Privatsphäre. Für eine solche Betreuung müssten mindestens drei Hilfskräfte angestellt sein.

Wer eine ausländische Hilfskraft anstellen möchte, sollte sich zuvor genauestens über rechtliche und bürokratische Schritte informieren, um Schwarzarbeit zu vermeiden. Hilfestellung bieten dabei Verbraucherzentralen, Diakonien oder die Caritas. Agenturverträge, aber auch eigens aufgesetzte Arbeitsverträge sollten noch einmal von Anwälten auf ihre Rechtssicherheit hin geprüft werden.

Nicht weisungsberechtigt

Wie 24-stunden-pflege.net schreibt, sind ausländische Pflegekräfte meist nicht direkt bei dem Bedürftigen angestellt, sondern ausschließlich bei ihrem Arbeitgeber, z. B. in Rumänien oder Polen. Für den Verbraucher bedeutet dies, dass man keine direkten Anweisungen erteilen darf, denn nur der Arbeitgeber darf vorschreiben, welche Tätigkeiten zu verrichten sind. Demnach muss der Weg immer über den Arbeitgeber gehen.

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Recherchequellen

Bildquelle: Alexander Raths – Fotolia


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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Mariola Endres kommentierte am 24. Juli 2015 at 19:02

    Vielen Dank für diesen informativen Artikel zur Hilfe durch Pflegekräfte aus Osteuropa!
    Sie beschreiben diese Versorgungsart als moderne Pflegemöglichkeit und wertvolles Modell, um den Pflegenotstand in unserem Land aufzufangen.
    Werden bei der Beanspruchung von gut ausgebildeten Pflege- und Hilfskräften aus Osteuropa die von Ihnen genannten Qualitätskriterien berücksichtigt, so bietet dieses Modell eine hochwertige Alternative zur klassischen stationären oder ambulanten Pflege.

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