Pflegeversicherungsreform 2016/2017: was das Pflegestärkungsgesetz II bewirkt

PflegestärkungsgesetzAb dem 01. Januar 2016 tritt im Bereich der Pflegeversicherung ein neues Gesetz in Kraft: das Pflegestärkungsgesetz II oder auch „ Zweites Gesetz zur Stärkung der pflegerischen Versorgung und zur Änderung weiterer Vorschriften“. Der Sinn und Zweck dieser Reform ist die bessere Versorgung der Pflegebedürftigen und eine Entlastung der pflegenden Familienangehörigen. Die Reform sieht eine gerechtere und vereinfachte Umsetzung der Pflege vor, indem die verschiedenen Pflegestufen ausgeweitet werden, ohne die Kosten zu erhöhen.

Pflegereform: Änderungen ab Januar 2016

Bisher gab es drei bzw. vier Pflegestufen. Ab dem 01. Januar 2016 wird es fünf Pflegestufen geben, für eine bessere Einschätzung des Pflegebedarfs. Für die Einstufung eines Pflegegrades wurden bisher weniger Bereiche berücksichtigt und gemessen. Ab Januar 2016 werden diese Bereiche auf sechs Bereiche ausgeweitet. Zukünftig wird die Mobilität, die Selbstversorgung, die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte, die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, die Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, sowie die Verhaltensweisen und eventuellen psychischen Problemlagen gemessen und für die Einstufung der Pflegestufe beurteilt.

Für den Pflegebedürftigen ergibt sich daraus ein ganz klarer Vorteil: die Unterstützung kann wesentlich früher beginnen, wie beispielsweise die altersgerechte Umgestaltung der Wohnung durch einen Treppenlift zur Erhaltung der Selbständigkeit.

Kostenlose Pflegekurse ab 2016

Zusätzlich werden kostenlose Pflegekurse für Angehörige zur Verfügung gestellt und für Angehörige, die aus dem Beruf aussteigen um sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern, bekommen künftig die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung weiterhin von den Pflegekassen bezahlt. Dadurch ergibt sich für den Pflegebedürftigen eine höhere Chance, dass die Pflege durch ein Familienmitglied direkt zu Hause ausgeführt werden kann.

Polnische PflegekräfteIst in seltenen Fällen kein Familienmitglied zur Verfügung kann man auch auf die Betreuung durch Fachkräfte aus dem europäischen Ausland setzen. Hier findet eine 24-h-Pflege der pflegebedürftigen Senioren statt, genauso als würde man von einem Familienmitglied gepflegt und ein Altern im eigenen zu Hause wird ermöglicht. Meist polnischen Pflegekräfte kümmern sich um die Hygiene, die Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme und die Fortbewegung innerhalb und außerhalb der Wohnung. Die Kosten hierfür werden nicht automatisch von der Pflegekasse übernommen, jedoch hat man für die Pflege zu Hause Anspruch auf Pflegegeld. Dadurch kann zumindest ein Teil der Kosten ausgeglichen werden.

Neues System für jetzige Pflegebedürftige

Pflegereform 2016Jetzige Pflegebedürftige werden automatisch in das neue System übergeleitet, sodass kein neuer Antrag gestellt werden muss. Eine Leistungskürzung ergibt sich daraus nicht. Im Gegenteil: Stieg bei vollstationärer Pflege bis jetzt der zu zahlende Eigenanteil mit der Höhe der Pflegestufe, wird der Eigenanteil in den Stufen 2-5 zukünftig der gleiche sein. Es wird zusätzlich garantiert, dass mindestens die gleichen Leistungen erhalten bleiben wie bisher.

Die meisten Pflegebedürftigen werden sich auf eine Erweiterung des Leistungsangebotes einstellen können. Die Versicherungskosten steigen in diesem Fall also nicht. Nur für Kinderlose wird ab dem 01. Januar 2017 der Beitragssatz der Pflegeversicherung um 0,2 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent ansteigen.

Recherchequellen

Bildquellen/Fotografen: Alexander Raths, auremar & Katarzyna Bialasiewicz (alle Fotolia)


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
4,60 von 5 Punkten, basierend auf 5 abgegebenen Stimmen.


Bewerten Sie diesen Artikel - Hinterlassen Sie gerne auch ein Kommentar!
Loading...

Kommentar schreiben

(auch anonym möglich)

Hier haben Sie die Möglichkeit den Beitrag (wenn Sie mögen anonym) zu kommentieren und Ihre Erfahrungen und Meinungen zu schildern. Wir freuen uns über jeden Kommentar! Bitte beachten Sie jedoch, dass wir politische Hetze gegenüber Minderheiten und Aufrufe zu Gewalt nicht veröffentlichen werden.

Rentner, Senioren, ältere Menschen, goldene Jahre, Herbst des Lebens, Silver Surfer - Bezeichnungen für die Leser dieses Magazins gibt es viele. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir in unseren Publikationen so weit wie möglich mit neutralen und wertfreien Bezeichnungen arbeiten bzw. allgemein an "den Leser" adressieren.
Seniorenbedarf.info