Zukunft der Rente: Ist unser Rentensystem noch das richtige?

Zukunft der RenteÜber Wochen hat unser Seniorenmagazin täglich Zuschriften erhalten, in denen die Sinnhaftigkeit des deutschen Rentensystems offen hinterfragt wurde. In einer Umfrage unter unseren Lesern haben von 458 Teilnehmern 71 Prozent das deutsche Rentensystem mit den Schulnoten „5“ oder „6“ abgestraft. Lediglich 7 Prozent halten das System für „gut“ oder „sehr gut“. Wir haben daraufhin in mehreren Interviews Parteispitzen und gesellschaftliche Vertreter mit dieser Unzufriedenheit konfrontiert. Lesen Sie hier die Zusammenfassung.

Keine Alternative zur gesetzlichen Rente

„Zur gesetzlichen Rentenversicherung gibt es keine Alternative“, beteuert Dr. Volker Hansen von der Arbeitgebervertretung DBA. Sie sei weiterhin das mit Abstand wichtigste Alterssicherungssystem in Deutschland. Auch ver.di-Bundesvorstandsmitglied Eva-Maria Welskop-Deffaa sagt: „Die gesetzlihe Rente trägt das Dach, das uns im Alter vor Regen schützt“.

Input-Output-Verhältnis so ungerecht wird nirgendwo sonst

Dr. Manfred Link von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) gibt jedoch zu bedenken, dass die deutsche Rentenversicherung im europäischen Vergleich nur einen Mittelplatz einnimmt. Die skandinavischen Länder, Niederlande, Schweiz, Frankreich u.a. würden besser abschneiden. Georg Schulte von den Grauen Panthern geht noch weiter: Die Menschen seien zu Recht unzufrieden mit unserem Rentensystem. Im internationalen Vergleich zahle kein Arbeitnehmer so viel in seinem Leben in die soziale Rentenversicherung ein und bekommt dafür im Verhältnis im Alter so wenig Rente. Durch die Reformen sei die Kaufkraft der Rente von 2002 bis 2015 um 33 % gesunken.

Reformen laut Volksparteien unausweichlich

Aus den Volksparteien ist das Signal einstimmig: Das Rentensystem an sich ist gut. Nur bedürfe es weiterer Reformen. So sagt Claus Bernhold, Pressereferent der Senioren-Union, Reformen unseres Alterssicherungssystems schienen unausweichlich. Das Blüm’sche Rentenmantra „Die Rente ist sicher“ sei längst nicht mehr selbstverständlich. Klar ist auch für Katarina Barley, SPD-Generalsekräterin, dass die soziale Sicherung immer wieder neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse.

Vertrauen der Bevölkerung darf nicht verspielt werden

Nur wem trotz langjähriger Beitragszahlung im Rentenalter keine Sozialhilfe drohe, der würde der gesetzlichen Sozialversicherung langfristig Vertrauen schenken, gibt der rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth, zu bedenken. FDP-Generalsekräterin Nicola Beer verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Digitalisierung: Die Beschäftigungsarten würden vielfältiger; Jobwechsel, Selbständigkeit, Arbeit von Zuhause, mal Teilzeit, mal Vollzeit, all das mache die Realität bunter. Hieran müsse die Altersvorsorge angepasst werden.

Auch Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland erklärt das umlagenfinanzierte Rentensystem, wie wir es seit Jahrzehnten kennen würden, für grundsätzlich immer noch das beste System. Besonders im Vergleich mit Ländern, die verstärkt oder ausschließlich auf ein kapitalmarktorientiertes System setzen würden und dadurch den Schwankungen an den Finanzmärkten (mit Verweis auf die Bankenkrise in 2007) ausgesetzt seien.

Rente ein Thema im Wahlkampf 2017?

Nicht nur der DGB lanciert in Werbekampagnen die hohe Relevanz des Rententhemas und will damit Agenda Setting für den kommenden Wahlkampf in 2017 betreiben. Dass Lösungen hermüssen, wird nicht nur angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels deutlich. Die Große Koalition aus CDU und SPD geht bisher eher verhalten mit der Thematik um: Denn die jüngsten Rentenreformen wie die Rente mit 63, die Mütterrente oder die Flexi-Rente wurden bereits von mehreren Seiten kritisiert.

Wenn Sie Einfluss nehmen wollen, sprechen Sie mit Ihren Lokalpolitikern, schreiben Sie den Parteien oder teilen Sie gerne auch hier Ihre Meinung.

Bildquelle: blende40 – Fotolia


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