Brexit & Rente: EU-Aus Großbritanniens = Aus für Rentenerhöhungen?

Brexit RenteAm 23. Juni 2016 haben die Bürger Großbritanniens entschieden, dass sie nicht länger Teil der EU sein möchten. Der sogenannte Brexit muss nun von der Regierung mittels eines formal gestellten Austrittsantrags umgesetzt werden. Während vor der Entscheidung die Stimmen der Befürworter sehr laut gewesen sind, sprechen sich inzwischen vermehrt Briten, allen voran die Schotten, dafür aus, doch in der Europäischen Union bleiben zu wollen. Die Gründe dafür sind nicht ganz eindeutig. Allerdings könnten die Auswirkungen des EU-Austritts schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, die vor allem die Finanzwelt in negativer Weise beeinflussen könnten. Treffen könnte es auch die Rentner – sowohl auf der Insel als auch bei uns in Deutschland.

Austritt aus EU bedeutet Rentenkürzung für Briten

Die bittere Realität sieht so aus, dass durch den EU-Austritt laut Schätzungen ein Defizit von 40 Milliarden Pfund (ca. 51 Mrd. Euro) in der britischen Staatskasse entsteht. Dadurch müsste Großbritannien den Gürtel deutliche enger schnallen und Rentenerhöhungen sowie Zuschüsse im Gesundheitswesen würden wegfallen. Der englische Premier David Cameron warnte außerdem bereits einige Wochen vor dem Brexit davor, dass durch eine Lösung von der EU selbst alltägliche Annehmlichkeiten wie die kostenlosen Bustickets für Rentner sowie die Befreiung von TV-Gebühren wegfallen könnten.

Der Entscheid habe ein großes historisches Gewicht, so der britische Premier, weil die Abstimmung weitreichende und langanhaltende Konsequenzen haben werde, die nicht nur die aktuelle Generation, sondern auch die folgenden betreffe. Vor allem die ältere Bevölkerung Großbritanniens gilt als euroskeptisch und gerade diese könnte durch den EU-Austritt in finanzieller Hinsicht stark getroffen werden. So könnte die Existenz zahlreicher britischer Rentner stark gefährdet werden, zumal sie eine deutlich niedrigere Staatsrente erhalten als Pensionäre anderer europäischer Staaten. Im Vergleich zu Deutschland ist sie zum Beispiel dreimal geringer. Früher wurden Rentner über Betriebsrenten finanziell unterstützt, die es aber inzwischen immer seltener gibt.

Umfragen haben ergeben, dass die Gründe der Befürworter oft in der Ausländerproblematik liegen. Zwar seien die Briten laut eigenen Aussagen nicht rassistisch, sie führten allerdings viele Probleme auf die steigende Anzahl an Ausländern in Großbritannien zurück. Ein Austritt aus der EU wird dabei mit einem Rückgang der Immigranten gleichgesetzt. Gerade ältere Menschen hatten wohl gehofft, dass so die Staatskasse entlastet werden und dadurch wieder mehr Geld für höhere Renten und Leistungen des Gesundheitswesens zur Verfügung stehen würde. Aber die Hoffnung könnte sich nungenau ins Gegenteil wenden.

Hat der Brexit auch Auswirkungen auf das deutsche Rentensystem?

Laut Prognosen von Wirtschaftsinstituten würde der EU-Austritt Großbritanniens die deutsche Volkswirtschaft schwächen, die Arbeitslosigkeit erhöhen und das Wachstum der deutschen Exporte um ungefähr 15 Milliarden Euro reduzieren. Dieser Rückgang könnte sich wiederum negativ auf die Beitragszahlungen von Arbeitgebern und Beschäftigen in die Rentenkassen auswirken. Bislang ging die Deutsche Rentenversicherung von einer günstigen Konjunkturentwicklung aus, die steigende Löhne und eine wachsende Zahl an Beitragszahlern mit sich bringt. Diese Prognosen sind durch den Brexit ins Wanken geraten und die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Deutsche Rentenversicherung ihre positive Einschätzung revidieren muss.

Experten sind sich in jedem Fall einig, dass sich die Finanzmärkte in ganz Europa gravierend verändern würden, sollte Großbritannien tatsächlich aus der EU austreten. Neben einer großen Instabilität stehe es grundsätzlich in Frage, ob Finanzgeschäfte auf einem gemeinsamen Binnenmarkt überhaupt noch möglich seien, wird jüngst der französische Zentralbank-Präsident François Villeroy de Galhau zitiert.

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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. stefanos kommentierte am 22. September 2018 at 12:33

    Hallo Leute.
    Schoen, dass ich nicht allein bin mit meinen Problemen. Ich habe die deutsche Staatsbuergerschaft, habe aber lange in der UK gearbeitet. Jetzt bin ich im Ruhestand und pendele hin und her zwischen Deutschland und Griechenland. Ich erhalte einen Teil der britische Staatsrente, ausserdem Zahlungen aus einer Annuitaet in der UK, die ich mit dem Gesparten aus der Firmenversicherung abschliessen musste (UK Gesetz). Zusammen macht das drei viertel meiner Einkuenfte aus, es gibt noch eine kleine (600 Euro) Rente aus Deutschland. Die Einkuenfte aus der UK sind in den letzten drei Jahren um 25 Prozent geschrumpft, wegen des Verfalls des Pfundes. Das ist schon bitter genug. Aber nun kommt dazu, dass die UK sich fuer meine Krankenversicherung zustaendig erklaert hat. Sie bezahlen dafuer, dass ich (im Moment in Griechenland) in der hiesigen Krankenversicherung bin. Die europaeische Karte (EHIC CARD) fuer Reisen in die EU habe ich aus England. Auch meine Frau, die von mir finanziell abhaengig ist, ist darin mitversichert. Wenn es nun einen harten Brexit gibt, stehe ich auf dem Schlauch, an die Rente komme ich nicht ran, auch nicht ueber ein UK Bankkonto, und vermutlich ist die Krankenversicherung dahin, es sei denn, ich gehe zurueck in die UK. Ansprueche auf die Deutsche Pflichtversicherung habe ich nicht.
    Hat jemand eine Idee, wo man sich beraten lassen kann? Kann man klagen? Gibt es irgendwelche Foren von Leuten in aehnlicher Situation? Ich habe ausser dieser Seite nichts gefunden. Alle Kommentare und Hinweise werden dankbar entgegengenommen! Gruss Stefanos

    • Anonymous kommentierte am 31. Oktober 2018 at 9:44

      Hallo Stefanos, kalimera:

      Als britischer Rentner wohnhaft in Deutschland, erhalte ich auch eine staatliche Teilrente aus GB, jedoch keine Firmenrente.
      Aber warum schreiben Sie „…an die Rente komme ich nicht ran, auch nicht ueber ein UK Bankkonto…“ im Falle eines harten Brexits?
      Was hindert Sie daran, die Rentenzahlungen auf ein britisches Konto einzahlen zu lassen?
      Ich rechne selbst damit wenn alle Stricke reissen.
      Gruß
      James

  2. Tschackert kommentierte am 5. März 2017 at 15:09

    Meine Frau ist Britin lebt seit unsere Heirat seit 40 Jahren in Deutschland und hat einen Anspruch auf die britische State Pension aus der Zeit vor der Ehe.

    Seit Zahlung der Rente wird der Betrag alle 4 Wochen (also 13x im Jahr) nach Deutschland überwiesen. Auf diese Rente hat meine Frau die vollen Beiträge für Kranken-, Pflegeversicherung und den Zuschlag der Krankenkasse zu zahlen – d. h. auch die Anteile, welche die Rentenversicherung bzw. der Arbeitgeber einzahlt.

    Der überwiesene Betrag schwankt, da es keine feste Parität zwischen dem britischen Pfund und dem Euro gibt. Seit der Ankündigung des Brexit im Mai 2016 ist der Überweisungsbeitrag um 8,32% gesunken.

    Die zuständige Krankenkasse hat nach unserer pflichtgemäßen Mitteilung zur Änderung des Einkommens, einen Antrag auf Beitragssenkung, trotz unseres Widerspruches abgelehnt. Sie verweist auf festgesetzte Abstimmungstermine zur Festlegung zwichen Großbritannien und Deutschland bzw. der EU.

    In Deutschland lebende britische Rentenbezieher müßten die gleiche Erfahrung gemacht haben. Wer hat sich dagegen gewehrt, bzw. ist noch in der Auseinandersetzung?

    Bitte Rückmeldungen an meine Mail-Adresse.

    Correspondence can be done in English as well.

    • Al aus Runcorn kommentierte am 29. März 2017 at 21:26

      Ich beziehe ca. ein Viertel meiner Rente aus GB und habe wegen der Abwertung des Pfundes bei meiner Krankenkasse (TK) Beitragssenkung beantragt und auch erhalten.

    • Afred Bonner( Anonym) kommentierte am 8. September 2018 at 20:45

      Ich bin Deutsche Staatsangehörige (ehemalige Britische Staatsangehörigkeit) seit 1977 und bin Ebenfalls in der Lage Ihre Frau. Ich bin Jahrgang 1946, verheiratet mit vier Kinder wohnhaft in Deutschland seit 1970 und habe mit Rücksicht auf meine Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Ich müsste seinerzeit die britische Staatsa abgeben und habe deshalb keine doppelte Staatsangehörigkeit. Ich beziehe Rente auch aus England für die Zeit in der ich Sozialpflichtig war ( acht Jahre) Ich habe sogar auch freiwillige Leistungen bezahlt um etwas mehr zu erhalten. Irgendwie müßte ich Einspruch auf weiterbezahlung der Rente mit allen Konsequenzen. Wie sieht die juristische Lage aus? Was kommt auf mich (uns) zu?
      Ich wurde mich freuen auf entsprechende Information, denn die Deutsche Rentenversicherung können darauf nicht anworten.

      • Almuth Luessenhop(MS) kommentierte am 14. September 2018 at 20:50

        Die Deutsche Rentenversicherung will mir das kleine Bißchen Rente was mir aus UK ´angerechnetist,wegen dem BREXIT sagen das die mir das ABERKENNEN wollen!! Das hat doch damit gar nichts zutun! AUSTRALIEN/NEW ZEALAND USA,CANADA sind doch auch keine
        EU-LÄNDER!! Was ist wenn einer da gearbeitet hat!! Bekommt denn gar nichts!!

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