Wohnen im Alter – unser aktueller Ratgeber für 2017

Wohnen im AlterDas „Wohnen im Alter“ wird zu einem immer wichtigeren Sachverhalt. Viele Bundesbürger kommen ins gehobene Alter und Lösungen für die spezieller werdenden Ansprüche sind gefragt. Unsere Redaktion hat nun die aktuellsten Informationen aus diversen Veröffentlichungen zusammengetragen. Lesen Sie unseren Ratgeber 2016 zum „Wohnen im Alter“…

Die Veränderungen in der Altersstruktur führen in der Gesellschaft zu einer permanent ansteigenden Anzahl an älteren Menschen und Hochbetagten. Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung. Dies ist auf der einen Seite eine positive Entwicklung. Andererseits müssen die zunehmend älter werdenden Menschen angemessen versorgt werden. Der demografische Wandel und die damit verbundene Pflege im Alter stellen eine große Herausforderung für Deutschland dar.

Lebensqualität im Alter ist eng mit den Wohnverhältnissen verbunden. Senioren steht eine Vielzahl an Unterbringungs- und Pflegemöglichkeiten im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich zur Verfügung. Heutzutage gibt es nicht nur die Möglichkeit, in ein Pflegeheim zu ziehen, wenn das Leben im eigenen Heim nicht mehr bewältigt werden kann. Oftmals stellt die Finanzierung einer geeigneten Wohnform ein unüberwindbares Hindernis dar. Aus diesem Grund sollten Sie sich rechtzeitig mit der Thematik „Wohnen und Leben im Alter“ auseinandersetzen und entsprechende Vorsorge treffen, um Ihren Lebensabend angemessen verbringen zu können.

Damit Sie sich auf ein altersgerechtes Wohnen vorbereiten können, sollten Sie die folgenden Aspekte zwingend beachten:

Wie sieht die Pflege und Betreuung im Alter aus?

Heutzutage gibt es in Deutschland zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie die Pflege, Betreuung und Unterbringung im Alter gestalten können. Was tun Sie, wenn Sie oder ein Familienangehöriger plötzlich pflegebedürftig ist? Es ist wichtig zu wissen, was die unterschiedlichen Pflegeformen bedeuten und was Sie und Ihre Familie im Pflegefall genau erwartet.

Grundsätzlich können drei Pflegeformen unterschieden werden:

  1. Die Laienpflege, bei der die betroffene Person von Angehörige Zuhause gepflegt wird

    Bei dieser Form der Betreuung wird die Pflege im häuslichen Umfeld von Angehörigen, Freunden oder auch Bekannten geregelt. Sie können hierfür Pflegegeld bei der Pflegeversicherung beantragen.

  2. Ambulante Pflege durch professionelle Pflegedienste

    Bei der ambulanten Pflege erfolgt die Betreuung durch ein professionelles Pflegeteam. Sie können auf Pflegedienste zurückgreifen und erhalten Pflegesachleistungen von der Pflegekasse, um für die anfallenden Kosten aufkommen zu können. Wir verweisen in diesem Zusammenhang allerdings noch einmal auf unseren Erfahrungsbericht ambulante Pflege.

  3. Altenpflege

    Die Altenpflege erfolgt in einem qualifizierten Altersheim. Damit Sie einen geeigneten Platz finden, sollten Sie sich im Vorfeld genauestens über das Heim informieren und Faktoren berücksichtigen wie u. a.:

    • Lage des Heims – befindet es sich in der Nähe Ihrer Angehörigen und Freunde?
    • Atmosphäre – was für einen Eindruck machen die Räumlichkeiten auf Sie?
    • Unterhaltung – findet im Heim ein ansprechendes Unterhaltungs- und Freizeitprogramm statt?

Welche möglichen Wohnkonzepte stehen im Alter zur Verfügung?

Es stehen Ihnen im Alter verschiedene Wohnkonzepte zur Verfügung. Kein Mensch möchte einsam in einer nicht altersgerechten Wohnung leben. Längst existieren wesentlich mehr Wohnalternativen, als nur der Aufenthalt in einem Pflegeheim. Für ältere Menschen besteht die Möglichkeit, entsprechend ihrer Gesundheit, familiären Situation sowie Vermögensverhältnisse eine angemessene Wohnform zu finden. Zu den modernen Wohnformen zählen:

  1. Das betreute Wohnen

    Das betreute Wohnen gibt Ihnen die Möglichkeit, in einer altersgerechten Wohnung eigenständig zu leben, wobei sich die Räumlichkeiten in einem betreuten Gebäudekomplex befinden. Durch die Sozialstationen vor Ort steht Ihnen professionelles Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Sie können weitestgehend selbstständig leben und bei Bedarf jederzeit Hilfe in Anspruch nehmen.

  2. Barrierefreies und altersgerechtes Wohnen

    Damit Sie im hohen Alter in Ihrem Zuhause wohnen bleiben können, muss Ihre Wohnung altersgerecht ausgestattet und barrierefreigemacht werden. Sie bleiben trotz möglicher Beeinträchtigungen in Ihrem vertrauten Wohnumfeld. Zu den erforderlichen Baumaßnahmen sollte hierbei stets die Einrichtung eines Hausnotrufs zählen. Durch dieses Sicherheitssystem können Sie sicherstellen, dass Sie per Knopfdruck bei Bedarf fachmännische Hilfe bekommen.

  3. Alternative Wohnkonzepte

    Alternative Wohnkonzepte wie Haus- und Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser sehen vor, dass Sie mit Gleichaltrigen zusammenleben und in einem Sozialgefüge Ihre Zeit aktiv und sinnvoll gestalten können.

    • Haus- und Wohngemeinschaften

      Diese Wohnform ähnelt dem Prinzip einer studentischen Wohngemeinschaft – nur leben hier ältere Menschen. Im Vordergrund steht vornehmlich das Zusammenleben, welches Sie mit Gleichgesinnten in gemeinschaftlich genutzten Räumen verbringen. Sie besitzen in der Senioren-WG ein eigenes Zimmer, in das Sie sich zurückziehen können.

    • Mehrgenerationenhäuser

      Bei diesem Wohnprinzip bewohnen Menschen unterschiedlichen Alters gemeinsam ein Haus. Es findet ein Zusammenleben mehrerer Generationen statt. In Mehrgenerationenhäusern helfen und unterstützen sich die Parteien gegenseitig. Sie besitzen jedoch Ihre eigene Wohnung, in der Sie jederzeit Ihre Ruhe finden.

Wie kann ein angemessenes Leben im Alter finanziert werden?

Für welche Wohnform Sie sich auch entscheiden – Sie müssen hierbei mit teilweise hohen Kosten rechnen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über die finanziellen Möglichkeiten für ein angemessenes Leben im Alter zu informieren.

Die Gewährung von Pflegeleistungen wird durch die gesetzliche Pflegeversicherung geregelt. Entsprechend Ihrer Pflegebedürftigkeit stehen Ihnen nach einer entsprechenden Eingruppierung unterschiedliche Leistungen zur Verfügung.

Damit Sie diese überhaupt erhalten, müssen Sie einen schriftlichen Antrag stellen. Die medizinische Notwendigkeit wird durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) überprüft. Anhand unterschiedlichster Kriterien ermittelt dieser Ihre persönliche Pflegestufe.

Übersicht über die Pflegestufen

Diese Einstufung legt fest, wie hoch die späteren Pflegeleistungen ausfallen.

Neben dem Pflegegeld und den Pflegesachleistungen gibt es ebenfalls Unterstützung in Form von Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege sowie Verhinderungspflege. Bei einer Verbesserung Ihres Wohnumfeldes erhalten Sie Unterstützung für Umbaumaßnahmen. Weiterhin erhalten Sie Geldleistungen für Pflegeverbrauchsmaterial, Hilfsmittel oder auch Pflegekurse.

In der Realität reichen die Pflegeleistungen oftmals jedoch nicht aus, um die anfallenden Kosten zu decken. Eine private Vorsorge ist daher aus Sicht einiger Menschen unumgänglich – die private Pflegeversicherung bzw. die private Pflegezusatzversicherung sind mögliche Optionen.

Welche gesetzlichen Vorschriften und Regelungen müssen beachtet werden?

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Pflegeleistungen bildet die Pflegereform. Das 2015 in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz I sieht die aktuellsten Neuerungen im Pflegesektor vor. Nach diesen Neuregelungen wird im weiteren Verlauf das anschließende Pflegestärkungsgesetz II in Kraft treten.

Das Pflegestärkungsgesetz sieht im Wesentlichen die folgenden Änderungen vor:

  • Es werden grundsätzlich sämtliche Pflegeleistungen um bis zu vier Prozent erhöht.
  • Menschen mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz können leichter auf Betreuungsangeboten zurückgreifen.
  • Die Anzahl an Betreuungskräften, die für die stationäre Pflege benötigt werden, wird deutlich erhöht.
  • Familien, die Angehörige zu Hause betreuen möchten, erhalten mehr Hilfe durch verbesserte Pflegeangebote und erhöhte Geldleistungen.
  • Die Leistungen für die Kurzzeitpflege werden deutlich erhöht: Sie erhalten bis zu 1.612 Euro pro Jahr für maximal vier Wochen. Anders als zuvor werden ab 2015 Personen mit der Pflegestufe 0 berücksichtigt.
  • Die Zuschüsse für Wohnraumverbesserungen werden von ursprünglich 2.557 Euro auf maximal 4.000 Euro pro Baumaßnahme erhöht. Für Vorhaben, die für alternative Wohnprojekte wie eine Pflege-WG vorgesehen sind, kann ein Betrag von bis zu 16.000 Euro gezahlt werden.

Das Pflegestärkungsgesetz II befindet sich derzeit in Planung. Neben einer erneuten Erhöhung des Beitragssatzes um 0,2 % stehen zwei Regelungen bereits fest:

  • Der Begriff von „Pflegebedürftigkeit“ wird neu definiert.
  • Die aktuellen Pflegestufen werden auf Pflegegrade umgestellt.

Worauf müssen sich Angehörige im Pflegefall einstellen?

Pflegefall Wohnen im AlterPflegebedürftigkeit stellt für die Betroffenen ebenso einen schwerwiegenden Lebenseinschnitt dar wie für die Angehörigen. Es ist ratsam, bereits vor dem Eintreten eines Pflegefalls innerhalb der Familie über das gewünschte Lebensabendmodell zu sprechen und entsprechend vorzusorgen. Treffen Sie eine Entscheidung rechtzeitig. Im Zweifelsfall können Sie später bei Entscheidungsunfähigkeit nicht mehr über Ihre pflegerischen Behandlungen bestimmen. Aus diesem Grund sollten Sie frühestmöglich über eine Patientenverfügung nachdenken. Hiermit können Sie Ihr Selbstbestimmungsrecht wahren und gesetzlich festlegen, wie Sie im Fall von Entscheidungsunfähigkeit medizinisch behandelt werden sollen.

Informieren Sie sich weiterhin bei Ihrer Krankenkasse über die Finanzierungsmöglichkeiten bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit. An dieser Stelle kann auch ein Krankenkassenvergleich sinnvoll sein. Bitten Sie weiterhin bei Ihrem Hausarzt oder anderen fachkundigen Stellen um Hilfe, damit Sie eigenverantwortlich in der Gegenwart bestimmen, wie Sie im Alter leben und wohnen möchten.

Wir wünschen Ihnen ein gutes Gelingen!

Recherchequellen:

Bildquellen: Yuri Arcurs & Alexander Raths – Fotolia


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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Björn kommentierte am 30. Juni 2017 at 19:21

    Ein schöner Beitrag. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es sich wirklich lohnt (auch finanziell) sich frühzeitig zumindest mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es kann einen auch als Angehörige(r) schneller einholen, als man denkt und dann ist man froh eventuelle Vorkehrungen getroffen zu haben. Grundsätzlich finde ich es für Betroffene schöner, wenn sie in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Das ist mithilfe der häuslichen Krankenpflege sowie 24h-Pflege immer besser machbar. Zumahl es mittlerweile bezahlbare herzliche Alternativen aus unserem Nachbarland gibt 😉 mehr dazu bspw. hier: https://www.help4seniors.de/polnische-pflegekraef…. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern, sodass jeder sich jeder helfen (lassen) kann.. Das Wesentliche hierbei ist: Das Zuhause bleibt Zuhause 🙂

    Gruß Björn!

  2. Ich vermisse nähere Hinweise zur Pflegestuge 0.

    Ebenso sollte es Tipps geben, inwiefern Senioren welche Zuschüsse Senioren erhalten, wenn Sie in einer Pflegeeinreichtung ein Zimmer mieten………….

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