Aufstehhilfen für Senioren: Wiener Unternehmen bringt Aufstehstuhl

Aufstehhilfe für Senioren im Universal Design veröffentlichtDas Aufstehen wird für viele Senioren im Alter zu einer schmerzhaften Problematik. Nichtsdestotrotz wirken medizinische Hilfsgeräte meist sperrig, klinisch, unpraktikabel. In folgendem Gastartikel geht der Gestalter Martin Bliem auf diesen Umstand ein und verweist auf seine neue Erfindung: eine Aufstehhilfe, die Nutzen mit Formvollendung verbindet.

Würde und Mobilität untrennbar verbunden


Eines der größten Probleme, mit denen Menschen im Alterungsprozess zu kämpfen haben, ist der Umstand, dass sie aufgrund nachlassender Körperfunktionen wie Muskel-, Koordinations-, Gleichgewichts-, Wahrnehmungs-, Gedächtnis- und Lernschwächen im alltäglichen Leben zusehends auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Sie verlieren ihre Selbständigkeit, was für viele Menschen nur schwer zu akzeptieren bzw. zu verkraften ist.

Das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beschreibt die Situation folgendermaßen:

Wohlbefinden und Lebensfreude werden maßgeblich durch die Wohnung und das Wohnumfeld bestimmt. Daher müssen die Bedürfnisse und Wünsche älterer Menschen nach Selbstständigkeit und einer individuellen Lebensführung auch in diesem Bereich aufgegriffen werden.

Großteil des Tages in der eigenen Wohnung

Weiterhin stellte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fest, dass Seniorinnen und Senioren durchschnittlich vier Fünftel des Tages in der Wohnung verbringen. Mehr als 80 Prozent der Älteren wollen so lange wie möglich – auch im Fall von Hilfe- oder Betreuungsbedürftigkeit – in ihrer angestammten Wohnung bleiben.

Der in bestimmten Fällen unabwendbare Weg ins Pflegeheim gehört nach wie vor zu den größten Sorgen älter werdender Menschen. So würden viele betagte Senioren lieber auf Hilfe verzichten, als die eigene Wohnung dauerhaft zu verlassen.

Hilfsmittel machen die Erhaltung der Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden möglich. Sie erleichtern nicht nur den Alltag, sondern fördern die autarke Lebenssituation, was dem Wohlbefinden deutlich zugutekommt. Oft sind diese sogenannten Hilfsmittel jedoch von medizintechnischem Charakter, welche man sich ungern in das eigene Zuhause stellt. Typische Seniorenprodukte vermitteln das Gefühl von Hilfsbedürftigkeit und Schwäche, weil die sozialen Bedürfnisse oft unberücksichtigt bleiben.

Universal Design: zeitlose Produktästhetik


Ein in Japan bereits weit verbreitetes Designkonzept nennt sich Universal Design. Produkte werden so gestaltet, dass sie für so viele Menschen wie möglich ohne weitere Anpassung oder Spezialisierung nutzbar sind. Sie sollen von Jungen und Alten gleichermaßen benutzt werden können und dementsprechend auch aussehen. Der typische Charakter von Seniorenprodukten entfällt dadurch.

Weitere typische Merkmale von Produkten, die dem Universal Design Konzept folgen, sind neben der breiten Nutzbarkeit und der Vermeidung von Ausgrenzungen oder Stigmatisierung von Nutzern Flexibilität in der Benutzung bzw. einfache und intuitive Bedienung. Das Produkt soll von möglichst vielen Menschen bedient werden können (z.B.: Links- als auch Rechtshänder) und die Anwendung für alle leicht erlernbar sein. Das Design soll Risiken bei fehlerhafter Bedienung minimieren und der für die Verwendung körperliche Aufwand niedrig bleiben.

Universelles Design in der Praxis: der Chelino

Es gibt eine Menge alltäglicher Produkte bzw. Produktverpackungen, die diesem Konzept nicht folgen und so für viele Menschen eine Hürde darstellen. Als Beispiel können hier schwer zu öffnende Marmeladegläser oder Fernseher mit selbst für Spezialisten komplizierten Bedienungsanleitungen angeführt werden.

Dass es aber auch anders geht, das versuchen wir mit unserem Unternehmen Camarg in die Tat umzusetzen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht Produkte zu entwickeln, die Personen mit Handicaps das Leben erleichtern. Basierend auf dem Universal Design Konzept entstand jetzt Chelino – ein so noch nicht dagewesener Sessel mit Aufstehhilfe.

Zum Produkt: müheloses Hinsetzen und Aufstehen

Bild der AufstehhilfeDie Sitzfläche des Sessels empfängt den Benutzer in einer erhöhten Position. Richtig eingestellt, muss man sich nur zurücklehnen und sich auf einen Knopf auf der Armlehne stützen, und man sinkt in die Sitzposition, ohne dass der Sessel wegrollen kann. Wenn man darauf sitzt, kann man die Bremse lösen und zum Tisch rollen.
Beim Aufstehen braucht sich der Benutzer nur nach vorn zu lehnen. Die Sitzfläche faltet sich nach oben, und der Sitzende wird mühelos Richtung Stehposition geschoben. Wenn man den Knopf während der Bewegung loslässt, bleibt die Sitzfläche in der aktuellen Höhe stabil.

Gewinner im Bereich Innovation


Um für zusätzlich Sicherheit zu sorgen, wurde der Stuhl neben internen Tests noch von einem unabhängigen Institut geprüft. Dass Chelino für eine große Zahl von Nutzergruppen geeignet ist, bestätigen Ärzte wie Physiotherapeuten, die die Aufstehhilfe für Personen mit Multiple Sklerose, Parkinson, Rheuma, Morbus Bechterew, Bandscheibenvorfälle, Hertzkreislauferkrankungen und Lähmungserscheinungen nach einem Schlaganfall empfehlen. Aufgrund der Kombination aus Funktionalität, Design und intuitiver Bedienung hat Chelino bereits viele international renommierte Design- und Innovationswettbewerbe gewonnen, wie z.B. den reddot Award.

„Design für Alle“, wie es im Deutschen genannt wird, zahlt sich aus und sollte gerade im Hinblick auf die demographischen Veränderungen bei jeder Produktentwicklung Beachtung finden.

Über den Autor:

Autor Martin BliemBis 2009 studierte der heute 36-jährige Martin Bliem Design und Produktmanagement an der FH Kuchl, davor Maschinenbau. Ein Businessplan für den Sessel, der beim Aufstehen hilft, war schon Thema seiner Bachelorarbeit. Auf die Idee für seine jüngste Erfindung kam er ganz zufällig nach einem Gespräch mit seiner Mutter, die selbst eine ältere Dame betreut. Seither arbeitet er gemeinsam mit Christian Miletzky in dem Unternehmen camarg OG und entwickelt Produkte, die Personen mit Handicaps den Alltag erleichtern.

camarg OG
Rögergasse 14b/15 A-1090 Wien
Tel. +43 (0)1 997 28 26 (Österreich)
E-Mail: office@camarg.at
Internet: www.camarg.de


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