Erwerbsminderungsrente berechnen & beantragen: Formulare & Tipps für 2017

ErwerbsminderungsrenteDie Erwerbsminderungsrente kommt ausschließlich für Personen in Frage, die noch nicht das reguläre Renteneintrittsalter erreicht haben. Wenn Sie aufgrund einer Erwerbsminderung gar nicht mehr oder nur noch stundenweise arbeiten können, haben Sie die Möglichkeit diese besondere Rentenart zu beantragen. Konkret ist es erforderlich, dass sie wegen einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit weniger als sechs Stunden am Tag arbeiten können. Sind Sie noch in der Lage, einer Beschäftigung nachzugehen, deren Dauer sich auf einen Zeitraum zwischen mindestens drei und maximal sechs Stunden am Tag erstreckt, sind Sie von einer teilweisen Erwerbsminderung betroffen. Dabei bezieht sich diese Voraussetzung auf jedwede Tätigkeit, unabhängig von Ihrer Ausbildung und Ihrem bislang ausgeübten Beruf. Wir haben aktuelle Tipps rund um Anspruch, Hinzuverdienst & Co zusammengetragen.

Unser Tipp für akut Betroffene (aufgrund vieler Nachfragen):

Um die Erwerbsunfähigkeit anerkennen zu lassen, müssen Sie die Anlage zum Rentenantrag zur Feststellung der Erwerbsminderung einreichen. Da diese auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung nur schwer zu finden ist, können Sie diesen Direktlink nutzen.

Die Berechnung der Höhe der Erwerbsminderungsrente: “Wie hoch?”

Die deutsche Rentenversicherung verschickt Jahr für Jahr Informationen an ihre Versicherten, die auch den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente umfassen. Die erste Zahl, die in der linken Spalte dieses Informationsschreibens ausgewiesen wird, gibt an, wie hoch der aktuelle Anspruch auf die Rente wegen voller Erwerbsminderung ausfällt.

Wenn Sie jedoch nur Anspruch auf eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderungsrente haben, ist dieser Betrag zu halbieren. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Angaben stets um Brutto-Renten handelt. Von diesem sind die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung noch abzuziehen, sodass sich tatsächlich ein um etwa acht Prozent geringerer Betrag ergibt. Zu den Abzügen finden Sie ausführlichere Informationen im Ratgeber zur allgemeinen Rentenberechnung.

Hinweis:

Die Deutsche Rentenversicherung ermittelt den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente unter Berücksichtigung der bereits geleisteten rentenrelevanten Arbeitsmonaten, die Sie bis zum Eintritt Ihrer vollständigen oder teilweisen Erwerbsminderung geleistet haben. Darüber hinaus wird die sogenannte „Zurechnungszeit“ bei der Berechnung der Rentenansprüche wegen Erwerbsminderung mit einbezogen. Dabei handelt es sich um fiktive Rentenbeiträge, die ohne Eintritt der Erwerbsminderung bis zur Vollendung des 62. Lebensjahres geleistet worden wären. Dies führt insbesondere bei jüngeren Betroffenen zu einer deutlichen Erhöhung Ihrer Ansprüche auf Erwerbsminderungsrente.

Die Beantragung der Erwerbsminderungsrente

Anders als die gesetzliche Altersrente, auf die jeder Versicherte nach dem Erreichen der Altersgrenze einen Anspruch hat, handelt es sich bei der Erwerbsminderungsrente um eine Leistung, über deren Bewilligung einzelfallbezogen entschieden wird. Aus diesem Grund ist es sehr empfehlenswert, eine individuelle Beratung durch Mitarbeiter in einer der zahlreichen Beratungsstellen der deutschen Rentenversicherung wahrzunehmen.

Selbstverständlich sind diese Beratungen kostenlos. Dabei erweist es sich als hilfreich, im Vorwege das Antragsformular für die Erwerbsminderungsrente soweit wie möglich auszufüllen. Für diesen Zweck laden Sie sich von der Homepage der Deutschen Rentenversicherung das entsprechende Formular herunter. Außerdem sollten Sie ärztliche Unterlagen zum vereinbarten Beratungstermin mitbringen, die Ihre vollständige oder teilweise Erwerbsminderung dokumentieren.

Eine weitere Absicherung ist in der Regel unverzichtbar

Wenn Sie den Betrag Ihrer Erwerbsminderungsrente aus der jährlichen Renteninformation abzüglich der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung analysieren, stellen Sie in aller Regel fest, dass er kaum zum Leben reicht. Dabei ist außerdem zu berücksichtigen, dass die Wahrscheinlichkeit, im angestammten Beruf nicht mehr arbeiten zu können sehr hoch ist: Immerhin ein Viertel aller deutschen Arbeitnehmer scheidet wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig aus dem Berufsleben aus.

Teilweise ErwerbsminderungDie gesetzliche Erwerbsminderungsrente deckt dabei nicht das Risiko ab, dass Sie zwar nicht mehr in Ihrem ursprünglich ausgeübten Beruf arbeiten können, Ihnen eine andere Tätigkeit zumindest theoretisch jedoch noch möglich wäre. So erhält zum Beispiel ein Arzt, der aufgrund von Sehproblemen seinen Beruf aufgeben muss, keine Erwerbsminderungsrente, weil er eine andere Beschäftigung, zum Beispiel als Call-Center-Mitarbeiter ausüben könnte.

Union und SPD haben sich Ende November darauf verständigt, dass die Renten für Menschen mit geminderter Erwerbsfähigkeit künftig so berechnet werden sollen, als ob sie bis 65 Jahre gearbeitet hätten – nicht wie heute bis 62. Die bestehenden Abschläge sollen allerdings unverändert bleiben. Die Verbesserungen sollen im Zeitraum zwischen 2018 und 2024 erfolgen.

Aus diesen Gründen ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch in diesen Fällen eine Rentenleistung vorsieht, alternativlos für alle Menschen, die nicht aufgrund einer schweren Erkrankung oder den Folgen eines Unfalls in eventuelle Schwierigkeiten geraten wollen. Allerdings müssen Berufstätige vor dem Abschluss einer entsprechenden Versicherungspolice eine anspruchsvolle Gesundheitsprüfung bestehen und mit mitunter hohen Beiträgen für diese wichtige Absicherung rechnen.

Bildmaterial: Jan Becke & Janina Dierks – Fotolia


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