Frührente beantragen – mit 63 in Rente gehen?

Die Frührente lässt sich durch die Rentenreform schon mit 63 abschlagsfrei beantragenDas Thema Rente nimmt im neuen Koalitionsvertrag eine zentrale Rolle ein. Neben der Mütterrente sowie der Besserstellung von Erwerbsgeminderten sorgte vor allem die abschlagsfreie Rente mit 63 für Diskussionen. Arbeitnehmer, die das neue Rentenrecht in Anspruch nehmen möchten, müssen jedoch noch bis zum Juli 2014 warten. Geduldige, die den Stichtag abwarten, können aber mit einem satten Plus im Portemonnaie rechnen.

Rentenpläne der Großen Koalition: Abschlagsfreie Rente mit 63

Arbeitnehmer, die 63 Jahre oder älter sind, haben bereits jetzt das Recht, in den Vorruhestand zu gehen. Der Nachteil: Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter von derzeit 65 Jahren und drei Monaten die Rente beantragt, muss mit empfindlichen Einbußen rechnen.



Nicht nur fällt das Bruttoeinkommen weg, auch die Rentenhöhe wird angepasst – um 0,3 Prozent für jeden Monat. Und das lebenslang. Im Koalitionsvertrag ist geregelt, dass Arbeitnehmer ab Juli dieses Jahres ohne finanzielle Einbußen in die Frührente gehen dürfen. Jedoch müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss das Gesetzgebungsverfahren planmäßig ablaufen. Zudem müssen Arbeitnehmer mindestens 45 Beitragsjahre nachweisen können.

Renteneintritt planen: am besten bis Sommer warten

Für diese kommen nicht nur versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse infrage, auch Arbeitslosigkeit kann anteilig in die Rentenberechnung eingeschlossen werden. Finanzexperten raten daher, dass Arbeitnehmer noch bis Sommer 2014 warten, ehe die Frührente beantragt wird. Denn eine nachträgliche Inanspruchnahme der neuen Regelung wird es voraussichtlich nicht geben.



Nun sollten ältere Arbeitnehmer ihre Beschäftigung einfach bis zum Juli verlängern lassen, dieses Modell wirkt sich außerdem positiv auf die Rentenhöhe aus. Eine weitere Möglichkeit ist die Wahl der Altersteilzeit (ATZ), chronisch Kranke können mit Krankengeld die Wartezeit überbrücken, auch Arbeitslosengeld I kann bis zum Renteneintritt ausbezahlt werden – vorausgesetzt die Anwartschaftszeiten stimmen.

Nur wenige Arbeitnehmer warten bis 65, um die gesetzliche Rente zu beantragen. Nach Analysen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) treten Männer mit durchschnittlich 61,8 Jahren, Frauen mit 60,5 Jahren in den Ruhestand ein.

Vorzeitiges Ausscheiden aus Erwerbsleben: jeder zweite Arbeitnehmer betroffen

Frührente beantragenGlaubt man den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, scheidet mittlerweile jeder zweite Deutsche frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus, Tendenz steigend. Dabei sind die Gründe für diese Entscheidung sehr unterschiedlich. Manche bekommen im hohen Alter nur noch schwer eine neue Beschäftigung, andere wollen früher ihren Lebensabend genießen. Andere sind gesundheitlich angeschlagen und sehnen sich nach Ruhe und Erholung.

Nach der bisherigen Regelung können alle Arbeitnehmer, die das 63. Lebensjahr vollendet haben und mindestens 35 Beitragsjahre nachweisen können, in den frühzeitigen Ruhestand eintreten. Nach einem Bericht der Westdeutschen Zeitung mussten im Jahr 2012 etwa 40 Prozent der Frührentner Abschläge hinnehmen. Die monatlichen Einbußen betragen derzeit 87 Euro im Monat, dies entspricht einem Minus von 25.000 Euro bei 20 Rentenjahren.



Es kann sich also lohnen, bis zum Juli zu warten. Ältere Arbeitnehmer, die den Ruhestand gar nicht mehr erwarten können, sollten auch die Altersteilzeit in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Diese kann ab dem 55. Lebensjahr beantragt werden. Einen Anspruch auf ATZ haben alle Arbeitnehmer, die in den letzten fünf Jahren mindestens 1.080 Tage in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung angestellt waren. Die Altersteilzeit ist besonders für Menschen geeignet, die ihre Erfüllung in einer ausgedehnten Freizeit sehen und sich finanziell schon mehr oder weniger solide aufgestellt haben. Den die zusätzlichen Rentenpunkte können für Geringverdiener später einen gewissen Einschnitt in der Realrente bedeuten.

Sinkendes Renteniveau mit privater Altersvorsorge ausgleichen

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Wie hoch die gesetzliche Rente letztlich ausfällt, ist von den gesammelten Rentenpunkten abhängig. Für jedes gearbeitete Jahr und einem durchschnittlichen Einkommen (ca. 30.000 EUR im Jahr) fällt ein Rentenpunkt an, Extrapunkte werden für Kinderziehung, Ausbildung und die Pflege von Angehörigen vergeben.



Jedoch wird die Lücke zwischen letztem Bruttoeinkommen und gesetzlicher Rente immer größer, da das Rentenniveau angepasst wird. Bis zum Jahr 2020 wird das Mindestsicherungsniveau bei 46, bis 2030 bei nur noch bei 43 Prozent liegen. Seit vielen Jahren warnen Experten daher immer wieder, dass die private Altersvorsorge möglichst früh im Leben geplant und umgesetzt werden muss.

Mit einem breiten Portfolio unterschiedlichster Anlageprodukte kann die Rentenlücke gut gefüllt werden. Auch im hohen Alter lohnt noch die Investition, etwa in Form der Privatrente. Vor allem Menschen mit durchschnittlichem und geringem Einkommen sowie alleinerziehende Mütter sind im Alter auf zusätzliche Einkünfte angewiesen.

Bildquelle: Janina Dierks & JiSign – Fotolia


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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Anonymous kommentierte am May 21, 2017 at 1:11 pm

    Diesen Unterschied finde ich nicht gerecht: Halbtagsarbeitende mit 45 Jahren Berufstätigkeit dürfen abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente gehen.

    Arbeitnehmer, die 35 Jahre vollzeit gearbeitet haben, dürfen zwar auch schon mit 63 Jahren, jedoch mit 0,3 % Abschlägen pro Monat in Rente gehen; um dann frühestens mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen zu dürfen.

  2. Anonymous kommentierte am February 23, 2017 at 12:30 pm

    Hinsichtlich der neuen Hinzuverdienstgrenze für Frührentner ist eine Mogelpackung.
    Diese neue Reglung ist nur ein neues Geschenk an die Arbeitgeber die nun mit der neuen Regelung der Bezahlung die Frührentner wie Leiharbeiter ausbeuten können.

  3. Brock kommentierte am January 17, 2017 at 10:31 pm

    Ich kann dies nicht verstehen, warum ich als alte Mutter nicht 3 Jahre pro Kind angerechnet wird.

    Ich war über sechs Jahre mit beiden Kindern zu hause und jezt fehlen mir diese Jahre und bekomme nur 4 Jahre angerechnet. Ich konnte meine Kinder nicht vor 3 Jahren in den Kindergarten geben,das war damals nicht möglich.

    Jetzt bei meiner Rentenbetrechnung fehlen mir 11 Monate um mit 63 + und 45 Berufsjahren in Rente zu gehen.

    Wo bleibt die Gerechtigkeit, jetzt haben die junge Mütter die Gelegenheit ihre Kinder schon mit 2 Jahren und jünger in den Kindergarten zu geben und erhalten 3 Jahre angerechnet.

    Gruß Walburga eine alte Mutter,

    Kinder sind geboren 1983 und 1985

  4. Liebig Wolfgang kommentierte am January 6, 2017 at 10:04 am

    Warum kommt die Frau für die nach 1990 geborenen Kinder 3 Jahre Erziehungszeiten angerechnet und für die vor 1990 geborenen nur 2 Jahre .sind denn diese Kinder weniger wert???? Denn diese Frauen und Männer arbeiten bereits und bezahlen ihre Steuern und sozialabgaben. Dieses spricht doch gegen das gleichheitsprinziep!!!

  5. Monika Thiele kommentierte am February 5, 2014 at 7:44 am

    wenn die Versicherungszeiten auf 45 Jahre Beitragszeiten geändert werden sollen, dann trifft es ja gerade wieder die Mütter, die für ihre Kinder über längere Zeit zu Hause bleiben mussten, weil sie nicht wie heute die Möglichkeit hatten in KITAS ihre Kinder unterzubringen. Gerade diese sogenannte Mütterrente sollte doch für

    mehr Gerechtigkeit sorgen. Arbeitslosenzeiten sollen angerechnet werden, aber keine Erziehungszeiten über 3 Jahre.

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