Renteninformation: So interpretieren Sie Ihren Rentenbescheid

RenteninformationDie Durchschnittsrenten in Deutschland sinken immer mehr. Infolgedessen wird die jährliche Renteninformation zu einem wichtigen Dokument, dessen Inhalt Sie genau verstehen müssen, um die richtigen Vorsorgemaßnahmen fürs Alter treffen zu können.

Aktuell Erwerbstätige müssen auf lange Sicht mit deutlich niedrigeren Renten rechnen als die aktuelle Generation von Senioren und Seniorinnen. Die Ursachen hierfür liegen sowohl in der Erwerbshistorie des Individuums als auch bei der Wirtschaft und Politik:

  • Heutige Versicherte beginnen vergleichsweise später, erwerbstätig zu sein und zahlen somit bis zu ihrem Renteneintrittsalter kürzer in die Rentenkasse ein.
  • Gleichzeitig neigen sie dazu, häufiger aus dem Arbeitsleben auszusetzen und damit ihre Beitragszahlungen vorübergehend einzustellen.
  • Problematisch ist auch die allmähliche Reduzierung des Durchschnittseinkommens in Deutschland, das die Rentenbeiträge weiter drückt.
  • Angesichts der schrittweisen Absenkung des Rentenniveaus durch die Regierung – auf 43 Prozent bis zum Jahr 2029 – wächst die Angst vor Altersarmut.

Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen werfen viele Versicherte einen umso schärferen Blick auf ihre Renteninformation. Aber welche Einsichten liefert das Dokument wirklich?

Wie erhalte ich das Dokument?

Das umgangssprachlich auch als „Rentenbescheid“ bezeichnete Dokument wird von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) jährlich an alle Versicherten geschickt, die mindestens 27 Jahre alt sind und wenigstens fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt haben. Bei Bedarf können Sie Ihre Informationen, die in Ihrem „Rentenkonto“ hinterlegt sind, auch jederzeit online auf der Webseite der DRV einsehen. Voraussetzung ist lediglich, dass Sie sich per Signaturchipkarte oder einem der neuen Personalausweise einmalig kostenlos registrieren.

Renteninformation: Was nützt mir das Schreiben?

RenteninformationDie Renteninformation basiert stets auf der aktuellen Rechtslage und bietet einen Überblick über die erworbenen Rentenansprüche und die Höhe der zu erwartenden Altersrente. Damit dient sie als gute Grundlage beziehungsweise Anhaltspunkt für die Planung einer zusätzlichen betrieblichen oder privaten Altersvorsorge (zum Beispiel mittels Riester-Rente oder Berufsunfähigkeitsversicherung), wie sie die DRV angesichts der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage ausdrücklich empfiehlt. Wichtige Fragen sind in diesem Zusammenhang: Was wirkt sich auf welche Weise auf die Höhe meiner Rente aus? Und welche Handlungsempfehlungen ergeben sich daraus?

Augenmerk auf die Beträge

Die wichtigsten Passagen und Angaben in der Renteninformation sind in der Regel fett hervorgehoben und dadurch leicht im Fließtext aufzufinden. Neben allgemeinen Informationen und personenbezogenen Daten enthält das Dokument vor allem drei Beträge, zu sehen am rechten Rand der ersten Seite, auf die Sie Ihr Augenmerk richten sollten:

  • Der erste Betrag stellt die Erwerbsminderungsrente dar, die Sie monatlich erhalten würden, wenn Sie jetzt durch Krankheit erwerbsunfähig werden würden. Zur Erinnerung: Eine volle Erwerbsminderungsrente erhält derjenige, der weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten kann. Bei weniger als 6 Stunden täglicher Arbeitsfähigkeit liegt eine teilweise Erwerbsminderung vor.
  • Betrag Nummer zwei ist Ihr aus der Rentenberechnung hervorgehende aktueller Rentenanspruch, den Sie durch Ihre bisherigen Beiträge zur Rentenversicherung erworben haben. Diese monatliche Summe würden Sie bei Erreichen der für Sie gültigen Regelaltersgrenze von 63 beziehungsweise 67 Lebensjahren erhalten, wenn Sie von jetzt an keine weiteren Beiträge mehr entrichten würden (Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 5 Jahre lang in die Rentenkassen eingezahlt haben). Ihr individuelles Renteneintrittsdatum finden Sie weiter oben im Schreiben. Welche Regelaltersgrenze für Sie gilt, lesen Sie in diesem Artikel nach.
  • An letzter Stelle steht die Rente, die Sie erhalten würden, wenn Sie bis zum genannten Datum gleichbleibend weiterarbeiten und einzahlen würden wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Diese Summe ist am aussagekräftigsten, um sich eine Strategie für die private und betriebliche Altersvorsorge zurechtzulegen.

Renteninformation: Nur voraussichtliche Angaben

Wohlgemerkt handelt es sich bei all diesen Beträgen um Brutto-Angaben für die Rente, von denen noch Rentenabzüge für Krankenversicherung und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern gezahlt werden müssen! Daher sollten Sie sie nicht als endgültige Beträge, sondern als individuelle Richtwerte ansehen, denn ihre Kalkulation basiert auf der Annahme, dass Faktoren wie der Steuersatz (bedenken Sie, dass die Rente ab dem Jahr 2040 voll versteuert werden muss), das Rentenniveau, die persönlichen Verhältnisse, das individuelle Einkommen und das allgemeine Durchschnittseinkommen ungefähr gleich bleiben.

Endgültige Rentenhöhe schwer absehbar

Aus diesem Grund errechnet die DRV im unteren Teil des Dokuments zusätzlich zwei Szenarien für eine jährliche Rentenanpassung von 1 oder 2 Prozent. Eine Senkung der Renten wiederum ist durch eine gesetzliche Sicherungsklausel ausgeschlossen und wird daher nicht als Prognose aufgeführt. Auch die wahrscheinlichen zukünftigen Preissteigerungen durch den Kaufkraftverlust beziehungsweise die Inflation müssen Sie für Ihren Vorsorgeplan selbst durchkalkulieren. Auf Seite 2 der Renteninformation bietet die DRV nur eine Beispielrechnung an. Bedenken Sie außerdem, dass Sie im Falle einer Frührente mit merkbaren Abzügen zu rechnen haben: Jeden Monat, den Sie früher in Rente gehen, reduziert sich der Rentenanspruch um 0,3 Prozent, pro Jahr sind das 3,6 Prozent, der Maximalwert beträgt 10,8 Prozent.

Genau prüfen: Der Versicherungsverlauf

Außer der Planung einer privaten und betrieblichen Zusatzvorsorge gibt es noch ein weiteres Argument dafür, Ihr Rentenkonto genauer unter die Lupe zu nehmen: Denn nur, wenn die DRV Ihre sämtlichen Versicherungszeiten lückenlos registriert hat, geht der Übergang in die Rente problemlos vonstatten und Sie erhalten die korrekte Rentensumme, die Ihnen gesetzlich zusteht. Um dies zu gewährleisten, ist das genaue Studium Ihres Versicherungsverlaufes sinnvoll. Dabei handelt es sich um eine chronologische Auflistung der bislang bei der DRV eingegangenen Rentenbeiträge. Den ersten Versicherungsverlauf erhalten Sie zusammen mit Ihrer ersten Renteninformation. Mit 43 Jahren wird Ihnen die aktualisierte Übersicht erneut zugesandt. Ab Ihrem 55. Lebensjahr erhalten Sie das Dokument dann zusammen mit Ihrer ausführlichen Rentenauskunft, welche die bisherige Renteninformation ersetzt, im Drei-Jahres-Takt. Sie können Ihren Versicherungsverlauf aber auch jederzeit gesondert anfordern.

Lücken sollten restlos gefüllt werden

RenteninformationIhren Versicherungsverlauf sollten Sie aufmerksam auf Lücken prüfen. Dabei kann es sich um sogenannte Anrechnungszeiten handeln, die der DRV entweder gar nicht oder nur fehlerhaft übermittelt wurden. Dazu zählen etwa Zeiten von Schulausbildung, Berufsausbildung, Studium, Schwangerschaft, Kindererziehung, Krankheit und Arbeitslosigkeit (lesen die dazu auch unseren Artikel zu den Rentenpunkten).

Solche Fehler im Rentenbescheid unterlaufen der DRV nachweislich aber nur sehr selten, im Jahr 2013 mussten von 1,5 Millionen erlassenen Rentenbescheiden lediglich 37.500 korrigiert werden, das entspricht einem Anteil von 2,5 Prozent. Wenn Sie dennoch meinen, Lücken entdeckt zu haben, können Sie diese jederzeit, im Einzelfall sogar noch nach Bekanntgabe des Rentenbescheid, beheben lassen, indem Sie einen Antrag auf Kontenklärung stellen. Diesen können Sie von der Website des DRV herunterladen. Im Antrag müssen Sie dann die fehlenden Anrechnungszeiten ergänzen und entsprechende Nachweise (zum Beispiel Ausbildungszeugnisse) beifügen. Bei Rückfragen können Sie auch die kostenlose Hotline der DRV unter der Nummer 0800-10004800 nutzen. Halten Sie für das Beratungsgespräch unbedingt Ihre Sozialversicherungsnummer bereit!

Haben Sie weiterführende Hinweise oder wertvolle Erfahrungen für andere Leser? Teilen Sie diese gerne in unseren Kommentaren (weiter unten)!

Bildquelle: dessauer, Bjoern Wylezich & beeboys – Fotolia


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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Anonymous kommentierte am 21. März 2018 at 21:50

    Arschkarte

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