Gesunde Darmflora dank Probiotika? Verzicht im Zweifelsfall bessere Alternative

ProbiotikaIn einer Gesellschaft, in der die gesundheitsbewusste Ernährung eine immer bedeutendere Rolle spielt bzw. erhebliche Kommerzialisierung erfährt, sind Probiotika „in aller Munde“. Zumeist zugesetzt in Joghurt, Kefir, Shakes und anderen Milchprodukten sollen im Besonderen die Verdauung und das Immunsystem von den Beigaben profitieren. Doch sind Probiotika tatsächlich so wirksam, wie es uns die Werbung verspricht? Was gilt es bezüglich der Einnahme zu beachten und gibt es Unterschiede zwischen Probiotika in Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln in Drageeform?

Mensch und Bakterien – die perfekte Symbiose

Der Begriff Bakterien ist durch Kulturindustrie und Sozialisationseffekte tendenziell negativ besetzt. Ganz anders sieht es aus, wenn wir einen Blick auf bzw. in unseren Darm werfen. Wissenschaftler sind seit Jahren bemüht, dem sogenannten Mikrobiom auf die Spur zu kommen. Dabei handelt es sich primär um die Darmflora – ein dynamisch bakterielles Ökosystem, das sich innerhalb der ersten Lebensjahre etabliert und mit zunehmendem Lebensalter stetig vergrößert.

Probiotika

Der Begriff „Ökosystem“ [1] weist bereits auf einen für die Gesundheit entscheidenden Umstand hin. Wie auch das äußere Ökosystem, in dem sich der Mensch aufhält, sollte sich auch das innere „im Gleichgewicht“ befinden. Und genau hier kommen die Probiotika als das Ying zum Yang, als die „guten Bakterien“ ins Spiel. Zahlreiche Studien belegen, dass die Faktoren Alter und Ernährung die wichtigsten Einflüsse bei der Zusammensetzung der Bakterien in der Darmflora haben. Ballaststoffe gelten als „Nahrung“ für Probiotika und sollten stets auf dem Speiseplan einer ausgewogenen Ernährung stehen. Wird der Körper stetig mit einer unzureichenden Menge an Ballaststoffen versorgt, können probiotische Bakterien im Laufe der Zeit nahezu verschwinden [2]. Im Gegensatz dazu erhöht sich die Zahl der krankheitserregenden Bakterien wie Enterokokken.

Probiotika – in stetigem Kampf für „das Gute“

Seit etwa 10 Jahren boomt die Erforschung der Magen-Darm-Region, wie populäre Sachbücher wie „Darm mit Charme“ [3] unter Beweis stellen, und bringt Erstaunliches zutage. Glaubt man den bisherigen Erkenntnissen, soll so gut wie jede Zivilisationskrankheit wie beispielsweise Übergewicht, Diabetes, Allergien, Nierensteine, Darmkrebs, Reizdarm und sogar Depressionen auf ein Ungleichgewicht in der Darmflora zurückzuführen sein.

ProbiotikaBei einem gesunden Menschen halten sich „gute“ Bakterien wie Probiotika die Waage mit pathogenen Bakterien wie Enterokokken, Enterobakterien und Clostridium-Bakterien.

Probiotika helfen dem Organismus auf die unterschiedlichste Weise: Sie fördern die Aufnahme von Nährstoffen ins Blut und optimieren den Gallen- und Fettstoffwechsel. Zudem bauen probiotische Bakterien einen Teil der lebenswichtigen Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren ab – der Mensch könnte diese ansonsten nicht verwerten. Durch Probiotika ist der Körper in der Lage, wichtige Stoffe wie Vitamine, Kalzium und Laktose (Stichwort: Laktoseunverträglichkeit) zu nutzen. Ganz entscheidend sind Probiotika für die Bildung des Immunsystems – denn etwa 70 % des Immunsystems befindet sich im Darm [4]!

Wenn der Darm aus dem Gleichgewicht gerät

Darm ProbiotikaNur ein starkes Immunsystem schützt uns vor aggressiven Stoffen und Einflüssen. Probiotika tragen nicht nur zur Stärkung des Immunsystems bei, sondern helfen auch bei dessen „Regulierung“. Ein Kontakt mit schädlichen Mikroorganismen kann starke Entzündungen hervorrufen – die Immunansammlungen im entzündeten Bereich gilt es sorgfältig zu kontrollieren. Denn durch ein Überschießen der Immunreaktion kann es zu Allergien und Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Morbus Bechterew kommen.

Zahlreiche äußere Einflüsse können nun dazu führen, dass die pathogenen Bakterien die Oberhand bekommen. So nehmen gerade ältere Menschen häufig weniger Ballaststoffe zu sich. Ein Umstand, der sich negativ auf die Darmflora auswirken kann. Oft müssen Senioren auch einen regelrechten „Medikamentencocktail“ bis hin zu den alles vernichtenden Antibiotika zu sich nehmen, der sich zwar gegen einzelne Krankheitssymptome richtet, aber in seiner Gesamtheit die Darmflora nachhaltig belastet. Ist dann das Gleichgewicht einzelner Bakterienarten im Dickdarm gestört, ändert sich das Darmfloramilieu, was zu Krämpfen, Blähungen, Übersäuerung, Durchfall, Darmentzündung, Colitis ulcerosa bis hin zum Darmkrebs führen kann. Wenn das Gleichgewicht der Darmflora gestört ist, erscheint es deshalb sinnvoll Probiotika von außen zuzuführen. Aber geht das so einfach über Joghurt und Co.?

Die Probiotika-Aufnahme – Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel?

Die oft vollmundigen Versprechen der Werbebranche [5] scheitern oft am ganz natürlichen Lauf der Dinge. Denn, um im Dickdarm wirken zu können, müssen über die Nahrung zugeführte Probiotika erst einmal bis dorthin gelangen. Dazu müssen sie aber den Übergang zwischen dem Magen und der Galle überleben. Für Joghurt, Kefir und Co. ein nahezu unmögliches Unterfangen. Hinzu kommt, dass sich probiotische Bakterien aus Lebensmitteln im Gegensatz zu im Darm befindlichen Milchsäurebakterien wie Lakto- und Bifidobakterien nicht dauerhaft ansiedeln. Sie müssen demnach ständig neu zugeführt werden.

Gesunde Ernährung

Grundsätzlich gilt: Wer seinen Darm nicht vergiftet und ernährungsbewusst lebt, braucht keine Hilfe „von außen“. Hinterfragen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten deswegen genau, bevor sie mit Medikamenten bekämpfen, was Sie durch eigenes Verhalten erzeugen.

In Probiotika Kapseln, wie sie in diversen Internetapotheken [6] zu finden sind, sind die „guten“ Bakterien auf dem Weg bis zum Dickdarm geschützt und werden dort langsam freigegeben. Es kommt zu einer Regeneration der Darmflora, die sich durch diese „Hilfe zur Selbsthilfe“ wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Die Eingangsfrage aus der Überschrift lässt sich somit deutlich mit „Ja“ beantworten.

Allerdings ist bei einem gesunden Menschen, der sich ausgewogen ernährt (wenig industriell hergestellte Produkte), eine zusätzliche Einnahme von Probiotika nicht nötig. Sollte sich jedoch zeigen, dass durch äußere Einflüsse wie durch die Einnahme von Antibiotika oder Erkrankungen wie Reizdarm, Colitis ulcerosa, etc. das Gleichgewicht der Darmflora gestört ist, kann eine Probiotika-Einnahme als adäquates Mittel zur Besserung durchaus hilfsversprechend sein. In diesen Fällen aber nicht als Zusatz in Nahrungsmitteln, sondern gezielt als Nahrungsmittelergänzung in Drageeform – damit die Probiotika auch am gewünschten Ort ankommen und dort wirken können. Die Einnahme sollte von einem Arzt oder Fachexperten Ihres Vertrauens überwacht werden.

Recherche- und Informationsquellen

[1] https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/oekologie_1744.htm
[2] https://www.n-tv.de/wissen/Westliche-Ernaehrung-schlecht-fuer-Darm-article1190426.html
[3] http://www.darm-mit-charme.de/
[4] https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2014/04/Darm_und_Immunsystem.pdf
[5] https://www.rtv.de/gesundheit/probiotika-hilfe-oder-humbug
[6] https://www.esando.de/darmflora/


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