Arbeitslosengeld 1: Das sollten Arbeitnehmer über 50 wissen

ArbeitslosengeldDas Arbeitslosengeld (auch Arbeitslosengeld 1 genannt) dient dem Zweck, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung verlieren, sozial abzusichern. Das Arbeitslosengeld ist dabei eine Versicherungsleistung der Bundesagentur für Arbeit und ersetzt einen Teil des bisherigen Arbeitsentgelts für eine festgelegte Zeit. Für Personen über 50 Jahren ergeben sich jedoch Besonderheiten bei der Dauer des Anspruchs. Auch hatte die Agenda 2010 Auswirkungen auf die Summe des ausgezahlten Geldes. Hier erfahren Sie, was es zum Arbeitslosengeld 1 und dessen Beantragung zu wissen gibt und wie lange Ihnen wie viel Geld zusteht.

AL 1: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Um seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen zu können, müssen drei wesentliche Kriterien erfüllt sein.

Kriterium 1: Man muss arbeitslos sein

Um AL1 beantragen zu können, muss weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten.

Kriterium 2: Anwartschaftszeit muss erfüllt sein

Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld haben möchte, muss mindestens 12 Monate in den vergangenen 2 Jahren in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Dabei ist es wichtig, während dieser Zeit versicherungspflichtig beschäftigt gewesen zu sein. Jedoch werden auch Ersatzzeiten z.B. mit Krankengeldbezug eingerechnet.

Kriterium 3: Persönlich arbeitslos melden

Es ist wichtig, sich so schnell wie möglich arbeitslos zu melden. Auch dann, wenn die bevorstehende Arbeitslosigkeit noch Wochen oder Monate entfernt liegen mag. Nur so können Sie sicher gehen, Ihr Geld rechtzeitig und in vollem Umfang zu erhalten.

Ein viertes Kriterium besagt zudem, dass man die Bereitschaft besitzen muss, sich der Arbeitsagentur zur Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen.

Was gibt es bei der persönlichen Arbeitslosenmeldung zu beachten?

Gründe gibt es viele, die einen Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin arbeitslos werden lassen. Spielen wirtschaftliche, unternehmerische oder strategische Ursachen eine Rolle, wissen die Betroffenen mitunter schon Monate im Voraus, dass ihre Entlassung bevorsteht. Doch selbst dann wenn es nicht gewiss, aber sehr wahrscheinlich ist, dass man seinen Arbeitsplatz verliert, sollten sich Betroffene besser heute als morgen arbeitssuchend melden. Im Idealfall geschieht dies bis spätestens drei Monate vor Ende der Beschäftigung.

Wurde bis zum Zeitpunkt der Entlassung kein neuer Arbeitsplatz gefunden, müssen sich Betroffene innerhalb der ersten drei Tage der Arbeitslosigkeit persönlich arbeitslos melden. Schafft man es nicht die Frist einzuhalten und sich zumindest telefonisch mit der Agentur für Arbeit in Verbindung zu setzen, droht eine Sperrfrist. Darüber hinaus wird Arbeitslosengeld frühestens ab dem Tag ausgezahlt, an dem sich der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin persönlich arbeitslos gemeldet hat.

Die Meldung der Arbeitslosigkeit gilt zugleich als Antrag auf Arbeitslosengeld 1. Wie die Bundesagentur für Arbeit letztlich entscheidet, wird kurz Zeit später durch einen schriftlichen Bescheid mitgeteilt.

Gibt es Arbeitslosengeld 1, wenn man selbst gekündigt hat?

Hat man seinen Arbeitsplatz selbst gekündigt, wird in diesem Fall bis zu zwölf Wochen lang das Arbeitslosengeld nicht gezahlt. Die Begründung: Die Agentur für Arbeit wertet die Situation so, dass die Arbeitslosigkeit vom Betroffenen selbst verschuldet wurde – sofern es keinen wichtigen Grund gab zu kündigen. Sollten Sie also Ihre Kündigung plausibel rechtfertigen können, muss dies bei der Arbeitslosmeldung dringend mitgeteilt werden.

Wie viel Arbeitslosengeld gibt es?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes ist in Deutschland gesetzlich einheitlich geregelt. Es richtet sich nach dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 12 Monate sowie der Lohnsteuerklasse und zu guter Letzt danach, ob man kindergeldberechtigt ist. Prinzipiell beträgt das Arbeitslosengeld 60 % (ohne Kinder), bzw. 67 % (mit Kindern) vom letzten Nettogehalt. Hinzu kommt, dass AL1-Empfänger über die Agentur für Arbeit gesetzlich kranken-, pflege- und unfallversichert und sogar meist auch rentenversichert sind.

Mit einem Arbeitslosengeld-Rechner können Sie herausfinden, mit wie viel Arbeitslosengeld Sie in etwa rechnen können. Es handelt sich dabei jedoch nur um einen Orientierungswert, der rechtlich nicht bindend ist.

Und wie sieht es mit der Anrechnung von Nebeneinkommen aus?

Gehen Sie einer Beschäftigung nach, die weniger als 15 Wochenstunden umfasst, wird dieses Einkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, Werbungskosten und Steuern auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Jedoch steht Ihnen ein monatlicher Freibetrag von 165 Euro zur Verfügung.

Wie lange gibt es Arbeitslosengeld 1?

Normalerweise wird Arbeitslosengeld nur bis zu einer Höchstdauer von 12 Monaten ausgezahlt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die zu Beginn der Arbeitslosigkeit hingegen mindestens 50 Jahre alt sind, haben einen längeren Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Je nach Alter kann dieser sogar auf 24 Monate mit Arbeitslosengeld 1 verlängert werden.

Im folgenden sehen Sie die maximale Anspruchsdauer in Monaten, in Abhängigkeit zum Alter und bisheriger versicherungspflichtiger Erwerbstätigkeit:

Versicherungspflicht in vergangenen 5 Jahren vor Arbeitslosmeldung (Monate) Vollendetes Lebensjahr Maximale Anspruchsdauer (in Monaten)
12 6
16 8
20 10
24 12
30 50. 15
36 55. 18
48 58. 24

Welche Pflichten habe ich als Empfänger von Arbeitslosengeld 1?

Um AL1 für den vorhergesehenen Zeitraum beanspruchen zu können, hat der Bezieher des Arbeitslosengeldes drei Pflichten zu erfüllen:

  • die Meldepflicht
  • die Mitwirkungs- und Mitteilungspflicht
  • sowie die Erstattungspflicht

In der Zeit, in der man als arbeitssuchend gemeldet ist, haben Empfänger von Arbeitslosengeld 1 die Pflicht, sich bei Ihrer Agentur für Arbeit regelmäßig persönlich zu melden. Das kann z.B. der Fall sein, wenn es um die Berufsberatung, die Vermittlung in eine Arbeitsstelle oder um die Prüfung der Leistungsvoraussetzungen geht. Auch, wenn Sie ein zeitlich begrenztes Attest zur Arbeitsunfähigkeit besitzen, Sie jedoch auch danach nicht arbeitsfähig sind, müssen Sie sich am ersten Tag der theoretischen Arbeitsfähigkeit erneut persönlich in der Agentur für Arbeit melden.

Arbeitslosengeld 1

Die Mitwirkungs- und Mitteilungspflicht besagt, dass Arbeitssuchende dazu verpflichtet sind, sich eigenverantwortlich eine neue Beschäftigung zu suchen, eine der Person und Ihren Fähigkeiten zumutbare Beschäftigung anzunehmen oder auch an einer beruflichen Eingliederungsmaßnahme teilzunehmen. Die Eigenbemühungen müssen auf Verlangen der Agentur auf Arbeit nachgewiesen werden. Außerdem sind Bezieher des Arbeitslosengeldes dazu verpflichtet, sämtliche Änderungen der Angaben, die den Leistungsanspruch beeinflussen können, unaufgefordert und sofort mitzuteilen. Auch wenn Sie eine Ortsabwesenheit wie Urlaub oder einen Umzug planen, muss die Agentur für Arbeit darüber informiert werden.

Die Erstattungspflicht sagt letztlich aus, dass zu Unrecht erhaltene Leistungen zurückzuzahlen sind, sofern die Bewilligung dafür aufgehoben wurde. Falsche oder unvollständige Angaben führen ebenso zur Aufhebung wie ein zusätzliches Einkommen, das zum Wegfall oder der Minderung des Anspruchs auf AL1 führt.

Kommt man diesen Pflichten als Arbeitslosengeld-Bezieher nicht oder ungenügend nach, drohen Sperrzeiten, die zu einem Wegfall der Leistungen für einen gewissen Zeitraum führen.

Welche Veränderungen gab es durch die Agenda 2010?

Die Agenda 2010 brachte im Wesentlichen zwei große Veränderungen mit sich, die beide als Verschlechterung gewertet werden können. Zum einen wurde das Arbeitslosengeld für Ältere deutlich gekürzt. Zum anderen wurde der Zeitraum eingeschränkt, in dem Arbeitslosengeld 1 empfangen werden kann.

Hierzu eine kleine Übersicht, die aufzeigt, dass bis Februar 2006 ältere Bezieher von Arbeitslosengeld ihre Leistungen bis zu 32 Monaten erhalten konnten:

Alter Anspruch (nach Monaten) bis 02/2006
45 12
47 18
52 22
57 26
Über 57 Bis zu 32

Nach aktuellem Stand wurde die Bezugsdauer nun auf grundsätzlich 12 Monate reduziert. Über 50 Jährige haben nur noch einen Anspruch auf 15 Monate, über 55 Jährige einen Anspruch auf 18 Monate und über 58 Jährige einen Anspruch auf maximal 24 Monate Arbeitslosengeld 1.

Bildquelle: Thomas Reimer – Fotolia


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