„Der Tourismus ist einer der größten Arbeitgeber im südlichen Afrika“ – Interview mit Daniel Löffler, Geschäftsführer von Madiba

InterviewNicht erst im gehobenen Alter hat der afrikanische Kontinent auf viele Touristen eine magische Anziehungskraft. Doch stellen sich auch einige Fragen an das Vorhaben einer Afrika-Reise: Wie steht es beispielsweise mit den klimatischen und gesellschaftlichen Verhältnissen? Als Reiseveranstalter hat uns Daniel Löffler Rede und Antwort gestanden – und ist dabei auch auf kritische Nachfragen eingegangen.

Zur Person:Daniel Löffler Daniel Löffler verlor sein Herz an das südliche Afrika und gründete bereits während seines Studiums Madiba.de. In seiner Diplomarbeit analysierte er den südafrikanischen Reisemarkt und unternimmt seitdem jährliche Reise auf den fünften Kontinent. Als erfahrener Reiseveranstalter verfügt er über ein breites Erfahrungwissen über Südafrika.

Herbsterwachen: Sehr geehrter Herr Löffler, warum begeistert Sie das südliche Afrika?

Daniel Löffler: Faszinierend am südlichen Afrika ist die extreme Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften, die freundlichen Menschen und vor allem die Möglichkeit Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Die Naturhighlights reichen von Sandwüsten in Namibia über Savannenvegetation in Botswana bis hin zu Traumstränden am Indischen Ozean und nicht zu vergessen den diversen Nationalparks in denen man Safaris unternehmen kann. In keiner anderen Region lassen sich in zwei bis drei Wochen so viele verschiedenarte Highlights erleben wie im südlichen Afrika. Zudem ist es immer wieder beeindruckend, verschiedene afrikanische Stammesgebiete zu besuchen und eine völlig andere Lebensweise kennenzulernen. Ein Löwenrudel aus wenigen Metern Entfernung zu beobachten oder Elefanten aus nächster Nähe erleben, hat mich zudem schon immer mehr begeistert als das neueste iPhone und daher zieht es mich auch immer wieder in den Süden Afrikas.

Herbsterwachen: Fragt sich, wie lange diese völlig andere Lebensweise bei zunehmendem Tourismus auch anders bleibt…

Daniel Löffler: Der Tourismus hat in den ländlichen Regionen eher wenig Einfluss auf eine Veränderung der Lebensweise. Verstärkt sind es die lokalen Veränderungen, die mangelnden Jobmöglichkeiten, die die Bewohner in die Städte treiben und so das traditionelle Leben aufgegeben müssen. In jedem Zuludorf wird zwar zum Teil noch nach traditionellen Bräuchen gelebt aber auch hier hat mittlerweile jede Familie ein Handy und strebt nach einem besseren Leben. Die Massen an Touristen die im großen Reisebus durchs Land gefahren werden kommen jedoch mit der lokalen Bevölkerung kaum in Kontakt oder besuchen diese Stammesgebiete nicht, daher ist der Einfluss vermutlich eher überschaubar.

Herbsterwachen: Mit Madiba organisieren Sie als Reiseveranstalter Exkursionen ins südliche Afrika. Wie läuft so eine Reise genau ab und was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Daniel Löffler: Jede Reise „läuft so ab“ wie vom Kunden gewünscht. Klingt wie ein Floskel aber wir passen grundsätzlich jede Reise an die Kundenwünsche an und nicht umgedreht und an dieser Vision arbeiten wir bei jeder Tourenzusammenstellung. Wir möchten jedem Reisesenden die Regionen und Erlebnisse näherbringen, die er sich vorstellt und keine Pauschalreisen verkaufen, die vielleicht nur einen Bruchteil der Reiseinteressen abdecken. Dazu ist es wichtig zu erfahren, was sich die Urlauber wünschen und großes Augenmerk legen wir auf die persönliche Beratung vorab, um jeden seine individuelle Reise erstellen zu können. Der eine möchte mehr Zeit am Strand, der andere mehr Zeit auf Safari verbringen und diese unterschiedlichen Interessen bringen wir dann in Einklang.

Im Vergleich zu einigen (nicht allen) anderen Anbietern bieten wir nur Reisen an, die wir persönlich kennen und vorher getestet haben. Jede Unterkunft die von uns empfohlen wird, habe ich mind. einmal besucht. Nicht in allen habe ich persönlich übernachtet aber ich kenne die Häuser persönlich und habe mich von Lage, Stil und den Besonderheiten überzeugt. Aus dem Grund werden unsere Gäste nur dort schlafen, wo ich auch schlafen würde. Somit ist das Risiko für unsere Kunden enorm gering, eine unpassende Unterkunft zu erhalten. Ähnlich verhält es sich bei den Ausflügen. Ich lege Wert auf die persönliche Erfahrung und setzte meine eigenen ethischen Maßstäbe an. Daher bieten wir beispielsweise Safaris nur in ursprüngliche Wildgebiete an und nicht in kleine eingezäunte „Zoo-Reservate“, die Tiere einkaufen, um Sie dort als Touristenattraktion vorführen zu können. Auch jegliche Tierinteraktionen wie z.B. „Elefantenreiten“ sind bei unseren Reisen tabu und wir haben uns den Richtlinien von „Fair Trade Tourism“ verpflichtet.

Herbsterwachen: Das klingt sehr umsichtig. Doch wie passt der in Verbindung mit Flugreisen erzeugte CO2-Ausstoß in diese ethische Herangehensweise? Flugreisen nach Afrika verringern den ökologischen Fußabdruck ja nicht gerade.

Daniel Löffler: Das ist richtig – für eine 100% ethische Herangehensweise dürfte es keine Flugreisen, Kreuzfahrten, Busreisen oder Mietwagenreisen mehr geben. Da die Steinzeit jedoch auch nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen ist, hoffen wir auf schnellere technische Weiterentwicklungen und das in nicht allzu ferner Zukunft ein CO2 freies Reisen möglich ist.

Herbsterwachen: Inwiefern würden Sie unseren Lesern eine solche Reise denn ans Herz legen? Immerhin sprechen wir allein temperaturtechnisch von einem ganz anderen Klima. Und wer zu viel Nachrichten schaut, dürfet ebenfalls seine Bedenken haben.

Daniel Löffler: Wer authentische Afrikaerlebnisse in kleinen, persönlichen und überwiegend eigentümergeführten Lodges, Farmen und Gästehäusern erleben möchte, für den könnten unsere Reisen das richtig sein. Da sich das südliche Afrika über mehrere Klimazonen erstreckt, muss man somit auch nur die „richtige“ Reisezeit aussuchen, um zu heiße aber auch zu kalte Monate zu umgehen. In unserem Sommer wird es z.B. in vielen Regionen wie dem Krüger Park oder der Namib Wüste nachts bis zu 0° Grad kalt, es ist somit nicht immer zu heiß in Afrika und bei guter Reiseplanung lassen sich extreme Temperaturen leicht umgehen. Genauso verhält es sich mit der Sicherheit im Reiseland. Es gibt diverse Brennpunkte, wie die Armenviertel der großen Städte, die man nachts und alleine meiden sollte aber es gibt überwiegend Reiseziele und Nationalparks, die sich absolut sicher bereisen lassen. Vor allem die touristischen Regionen leben überwiegend vom Tourismus, daher haben die Einwohner ein ganz großes Eigeninteresse, dass Ihre Gäste sicher unterwegs sind.

Herbsterwachen: Welche sozialen Umstände beobachten Sie denn in diesen „Brennpunkten“?

Daniel Löffler: Eine Arbeitslosigkeit von über 50%, keine staatlichen Sozialleistungen, geringes Kindergeld, kaum Renten für ältere Menschen, schlechte Schulbildung und versprochene Wohnungsbauprogramme, die seit Ende der Apartheid überfällig sind – alle dies treibt viele Bewohner der Townships in die Kriminalität. Zudem leben in Südafrika geschätzt um die 5 Mio. illegale Einwanderer meist in den armen Randbezirken der großen Städte, die keiner offiziellen Tätigkeit nachgehen dürfen.

Herbsterwachen: Um mal globalpolitisch zu werden: Inwiefern sollten westliche Unternehmen Ihres Erachtens in Afrika aktiv werden? Hilft dies der lokalen Bevölkerung durch Tourismuseinnahmen und kulturellen Austausch? Oder gibt es da auch eine Kehrseite der Medaille?

Daniel Löffler: Der Tourismus ist einer der größten Arbeitgeber im südlichen Afrika, daher unterstützt jeder Reisende indirekt auch die lokalen Arbeitsplätze. Von den angestellten in den Gästehäusern über Reiseleiter und Restaurants bis hin zu lokalen Reiseveranstaltern, die im Hintergrund den Ablauf der gesamten Reise übernehmen, profitiert eine große Anzahl von Menschen vom Tourismus. Grundsätzlich würde ich sagen, jeder Urlauber mehr, ist ein Zugewinn für das Land, allerdings bleibt die Frage wie viel Tourismus kann eine Region oder ein ganzes Land vertragen. Erste Auswüchse machen sich beim Umgang mit Tieren bemerkbar. Es entstehen immer mehr Farmen, die Wildtiere züchten und eine Art Massentierhaltung betreiben, um die Tiere dann in sog. „Streichelzoos“ als Attraktion anbieten. Hier wäre ein stärkeres Engagement westlicher Unternehmen vor allem auch der größeren Reiseveranstalter wünschenswert, jeden Gast zu informieren bzw. solche Aktivitäten komplett aus dem Angebot zu streichen.

Herbsterwachen: Sicher werden Sie keine Namen nennen können, aber gibt es schon Portale oder Informationsstellen, wo man einsehen kann, welche Reiseveranstalter ihr Programm nicht gerade nachhaltig gestalten?

Daniel Löffler: Portale mit Negativlisten von Reiseveranstaltern sind mir nicht bekannt. Eine Tierschutzorganisation hat eine Befragung größerer Reiseveranstalter zum Elefantenschutz öffentlich gemacht (https://www.prowildlife.de/themen/tierschutz-auf-reisen/elefantenfreundliche-reiseanbieter/). Zudem legt eine private Facebook Gruppe Verstöße lokaler Anbieter sehr transparent offen (https://de-de.facebook.com/volunteersbeware/), allerdings handelt es sich hierbei ausschließlich um lokale Anbieter und keine internationalen Reiseveranstalter. Welcher Reiseveranstalter dennoch Gäste in diese Projekte schickt, lässt sich nicht so einfach herausfinden.

Herbsterwachen: Sie sind mit Ihrem Unternehmen ja erwähnenswerter Weise auch sozial engagiert. Was machen Sie da genau?

Daniel Löffler: Seit vielen Jahren unterstützen wir in Kapstadt die Organisation „Uthando SA“ mit jährlichen Spendengeldern. Uthando ist eine Art übergeordnete Wohltätigkeitsorganisation, die in und um Kapstadt aktuell um die 40 Projekte betreut. Angefangen von Kindergärten für Aidswaisen über Tanz- Sing- oder Sportprojekte bis hin zu Altersheimen in den Townships. Von den Unternehmenspenden aber auch Privatspenden werden dann z.B. die Gebäude saniert oder Schulausrüstung gekauft oder auch Betreuer bezahlt, die dadurch wieder ein Einkommen für Ihre Familien erarbeiten können. Neben den Spendeneinnahmen werden zusätzlich geführte Township-Touren zu den Projekten für Touristen angeboten. Die Tourkosten gehen zu 100% an die besuchten Projekte und bieten so eine weitere Einnahmequelle zur Finanzierung der laufenden Kosten. Ein Besuch in den Townships und den Optimismus und die Lebensfreude der Menschen zu erleben, die praktisch keine materiellen Werte besitzen ist für mich eines der bleibendsten Erlebnisse neben alle den traumhaft schönen Landschaften und Urlaubsmöglichkeiten.

Herbsterwachen: Abschließend würde uns Ihr Argument interessieren, den nächsten Urlaub nicht auf Mallorca, sondern in Namibia zu verbringen.

Daniel Löffler: Die Frage ist etwas gemein. Ich frage ja auch nicht, ob Döner oder 3-Gang-Menü. Dennoch versuche ich es mit einer objektiven Antwort:

Die schönen kleinen Buchten und ruhigen Ecken von Mallorca sind auf jeden Fall immer einen Badeurlaub wert. Wer jedoch mehr Abwechslung wünscht – z.B. die höchsten Sanddünen & den zweitgrößten Canyon der Welt, Löwen, Elefanten und Co. in freier Wildbahn erleben, Wüsten & unberührte Landschaften oder das Volk der Himba, eines der letzten Urvölker Afrikas besuchen – für den könnte ein Urlaub in Namibia durchaus eine interessante Alternative sein.

Herbsterwachen: Sehr geehrter Herr Löffler, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.


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