Kredite gefragt wie nie? Im Interview mit einem Kreditanbieter

Kreditvergabe Interview

Die letzten Wochen waren weltweit von großen Veränderungen geprägt. Viele Medienhäuser titeln mit „Wirtschaftskrise“ und „Pleitewelle“. Die Bundesregierung hat Rettungspakete und Kredite in beispiellosem Ausmaß bereitgestellt. Doch wie bewertet die Fachwelt die neue Situation? Als Vertreter der Plattform Kredit.de hat uns Herr Carsten Meux Rede und Antwort gestanden.

Bild C.MeuxZur Person: Carsten Meux arbeitet seit 2 Jahren für KREDIT.DE. Als Ansprechpartner in Hameln kümmert er sich mit Leidenschaft um bankenunabhängige Beratungen, um für jede Lebenssituation den passenden Kredit zu finden.

KREDIT.DE GmbH / Deisterstraße 20 / 31785 Hameln / Tel.: 05151 9818634

Seniorenbedarf.info: Sehr geehrter Herr Meux, Sie sind „vom Fach“. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung lautet unsere erste Frage: Wie wirken sich die gegenwärtigen Lockdown-Maßnahmen aufgrund des Corona-Phänomens auf die Kreditvergabewirtschaft aus?

Meux:Es ist bei der Kreditvergabe der Banken im Grunde ähnlich wie in der Politik: So wie Bundesländer über Maßnahmen in der derzeitigen Coronakrise größtenteils selbstständig entscheiden, so erstellt auch jede Bank die Annahmerichtlinien für Kredite selbst. Dabei fällt auf: Je länger die Corona-Pandemie dauert, desto vorsichtiger werden die Banken bei ihren Kreditentscheidungen. Die Annahmekriterien scheinen sich täglich zu ändern. Das bezieht sich inzwischen nicht nur auf die Konsumentenkredite, sondern auch auf die Baufinanzierungen.
Der Bereich Gewerbekredite scheint unterdessen fast stillzustehen. Extrem lange Bearbeitungszeiten, strenge Annahmevoraussetzungen und die Besicherungen lähmen zurzeit das gewerbliche Kreditgeschäft.

Seniorenbedarf.info: Welche Rahmenbedingungen und Faktoren spielen bei einer Kreditvergabe grundsätzlich eine entscheidende Rolle? Immer wieder bekommen wir Leserbriefe, die monieren, dass insbesondere Senioren schlechte Chancen haben, wenn es um die Aufnahme eines Kredites geht.

Meux: Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen und Faktoren bleiben in der Regel konstant und werden nur bei wesentlichen Änderungen volkswirtschaftlicher Umstände geändert bzw. angepasst. Aufgrund der Covid-19-Pandemie hat sich jedoch nicht nur in Deutschland vieles geändert. Aktuell werden fast wöchentlich die Spielregeln auf dem Kreditmarkt neu geschrieben. Insofern wäre es zu diesem Zeitpunkt unseriös, eine vermeintlich allgemeingültige Aussage zu treffen. Eines steht jedoch nach wie vor fest: Alle Bürger in Deutschland, die ein konstantes, sicheres Einkommen beziehen – sei es ein Gehalt, Lohn, Beamtenbezüge oder Rente/Pension – und womöglich sogar in einer eigenen Immobilie wohnen, sind nach wie vor die erste Wahl für Kreditinstitute.

Seniorenbedarf.info: In welchen Fällen würden Sie von einer Kreditaufnahme grundsätzlich abraten?

Meux: Wenn der Kundenwunsch die Aufnahme eines Kredites ist, dann betrachte ich es als meine Aufgabe, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Unsere Kunden sind mündige Bürger. Sofern alle formalen Kriterien erfüllt werden, überlasse ich die Entscheidung über die Sinnhaftigkeit der Kreditaufnahme also grundsätzlich dem Antragsteller. Bedenken habe ich lediglich bei Anfragen, wie sie vermehrt in letzter Zeit auftreten: Aufgrund der Corona-Pandemie werden Kredite teils sozusagen auf Vorrat beantragt, ohne dass ein akuter Bedarf ersichtlich ist. Doch auch hier gilt: Unterm Strich liegt die Entscheidung in Kundenhand.

Seniorenbedarf.info: Wer in bestehenden Kreditverbindlichkeiten steckt, kann „umschulden“. Könnten Sie unseren Leserinnen und Lesern dieses Verfahren einmal genauer erläutern?

Meux: Bei einer Umschuldung bittet ein Kunde seinen Kreditberater um Prüfung des Marktes hinsichtlich der Konditionen für seinen aktuellen Kredit. Sind günstigere Konditionen, also zum Beispiel niedrigere Zinsen, verfügbar, wird eine Anfrage bei der neuen Bank eingeleitet. Diese prüft dann, ob sie den alten Kredit zu den genannten besseren Konditionen ablöst. Stimmt sie zu, werden die Ablösedaten des alten Kredites einfach in den neuen Kreditvertrag eingetragen. Die neue Bank löst somit automatisch den alten Kredit ab. Der Kunde behält also seine gewohnte Verbindlichkeit, allerdings zu für ihn günstigeren Konditionen. Meine Empfehlung ist daher, jedes Jahr prüfen zu lassen, ob sich durch eine Umschuldung finanzielle Vorteile ergeben.

Seniorenbedarf.info: Wie bewerten Sie das aktuelle Zinsniveau und welche Prognose würden Sie bezüglich der Entwicklung in den nächsten Monaten abgeben?

Meux: Paradoxerweise erweist sich die Covid-19 Pandemie in gewisser Weise als vorteilhaft für viele Banken. Die Zinsen sind in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Einige Analysten rechnen zwar bereits damit, dass die eine oder andere Bank die Zinsen auf Sicht wieder senken wird. Stand heute ist die Ablehnungsquote der Banken aber nach wie vor steigend.

Seniorenbedarf.info: Viele Anbieter werben mit Negativzinsen. Auf den ersten Blick scheint man hier weniger Geld zurückzahlen zu müssen, als man als Kreditsumme aufnimmt. Hier drängt sich die Frage auf: Wie kann ein Kreditanbieter damit überhaupt noch Geld verdienen?

Meux: Dieses Thema wird momentan übermäßig aufgebauscht. Es gibt noch nicht einmal eine Handvoll Banken, die das anbieten. Dennoch ist wissenswert: Angebote wie diese gelten zwar grundsätzlich für jeden potenziellen Kreditnehmer, bewilligt wird ein solcher Kredit in der Regel aber nur bei Premiumkunden. Vielmehr fungieren derlei Produkte meist als Lockangebote für die Kreditvergleichsplattformen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Der Supermarktkunde kauft schließlich nicht nur die Angebote aus dem Prospekt. Der Einkaufswagen ist auch mit anderen Produkten befüllt. Genauso ist es mit den Minuszinskrediten: Zwar gehen auch diese Kredite hin und wieder über den Ladentisch, in der Mehrzahl werden in den Beratungsgesprächen jedoch reguläre Kredite verkauft.

Seniorenbedarf.info: Die Fachpresse schrieb kürzlich von einem „spektakulären Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH , Az.: C-66/19) zum Widerruf von privaten Krediten“. Was hat es damit auf sich?

Meux: Ich möchte vorausschicken: Ich bin kein Jurist. Dieses Urteil allgemeinverständlich zu erklären, ist sehr schwer. Vereinfacht formuliert wurde versucht, alle Kreditgesetze, alle allgemeingültigen Gesetze sowie sämtliche europäischen Gesetze sauber rechtlich miteinander in den Verbraucherinformationen zu verknüpfen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass der deutsche Gesetzgeber die Verbraucherkreditrichtlinie nicht optimal umgesetzt hat und beanstanden jetzt, dass Darlehensverträge von Banken in der Folge fehlerhaft sind. Bei Widerruf kann dies Darlehensnehmern unter Umständen zum Nachteil gereichen.

Dank meiner über 30-jährigen Berufserfahrung kann ich jedoch feststellen: Dieses Urteil spielt im Alltag einer seriösen Kreditberatung kaum eine Rolle, es liest ohnehin kaum jemand das Kleingedruckte. Wichtig ist schließlich, dass man als Kunde seinem Berater vertrauen kann.

Seniorenbedarf.info: Haben Sie noch einen abschließenden Kredit-Tipp für unsere Leserinnen und Leser?

Meux: Ich habe gleich zwei: Erstens, vergleichen Sie stets unterschiedliche Kreditangebote, um die für Sie optimalen Konditionen zu bekommen. Ihr Kreditberater wird Ihnen dabei gern behilflich sein. Löchern Sie ihn mit Fragen, dafür ist er ja da! Sie werden sehen, dass es gar nicht so schwer ist, attraktive Kreditangebote zu bekommen – das gilt übrigens auch dann, wenn Ihr Kreditantrag in der Vergangenheit bereits abgelehnt wurde: Es lohnt sich, es immer wieder zu versuchen. Zweitens, für diejenigen, die bereits einen Kredit abbezahlen: Sprechen Sie Ihren Kreditberater auf eine mögliche Umschuldung an, so können Sie mit etwas Glück bares Geld sparen.

Seniorenbedarf.info: Herr Meux, wir bedanken uns für den Dialog!


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