Selbermachen Ü70: Was noch geht – und was besser nicht mehr

Selbermachen Senioren

Wer lebenslang heimwerkte und/oder gärtnerte, will natürlich auch im Alter nicht davon ablassen. Dabei sollten jedoch bei aller Routine ab einem gewissen Punkt nicht mehr alle Arbeiten wie bisher angegangen werden – auch wenn der Kopf etwas anderes diktieren mag.

Zugegeben, Senioren der beginnenden 2020er sind im Durchschnitt fitter [1], vitaler, geistig und körperlich reger als ihre Vorgänger in vergangenen Jahrzehnten – hier zeigt sich eindrucksvoll, was körperlich erleichterte Arbeitsbedingungen und eine bessere medizinische Versorgung leisten. Viele 60er von heute sind ähnlich leistungsfähig wie es Mitte des vergangenen Jahrhunderts eher bei 40ern und frühen 50ern zu finden war.

Wenn allerdings die 70 überschritten wurden, beginnen auch heutige Seniorenkörper, an vielen Stellen nachzulassen – Ausnahmen bestätigen eher diese Regel. Das ist auch für Hobbygärtner und Heimwerker ein Problem (neudeutsch DIY für „do it yourself“, also „mach es selbst“). Hier gibt es vieles, das mit Körperkraft, guter Sensorik und Motorik verknüpft ist und vielfach auch hohe Sicherheitsrelevanz hat – denn selbst der fitteste Seniorenkörper heilt nach Verletzungen langsamer.

Ü70er sollten deshalb, auch wenn sie sich vielleicht nicht so fühlen, bei manchem etwas kürzertreten – allein der eigenen Gesundheit wegen. Doch was geht dann noch – und wovon sollte man eher Abstand nehmen?

Geht noch – aber anders: Gärtnern

Einen leichten Rasenmäher schieben, erst recht, wenn er angetrieben wird, ist natürlich auch Ü70 kein Problem. Ein wenig anders verhält es sich aber beim zentralen Kern der Gartenarbeit, der im Beet.

Hier sollten Senioren bedenken, dass es für die Gelenke belastend ist, lange zu knien, Erde zu schaufeln, Gießkannen zu schleppen. Gärtnern geht zwar nach wie vor, ist sogar gut für das Allgemeinbefinden. Dennoch sollte es so einfach wie möglich werden. Die Beete können und sollten gegen gelenkschonende Hochbeete ersetzt werden [2], statt der Leiter sollte ein Obstpflücker genutzt werden – und statt der Gießkanne kann das Regenfass per Pumpe und eventuell Solarmodul nonchalant an einen Schlauch angeschlossen werden.

Kurzum: Es geht noch alles, solange die leichtere Lösung genutzt wird – und die existiert mittlerweile für wirklich jede denkbare Gartenanwendung.

Besser nicht mehr: Holz hacken

Ein schönes knisterndes Feuerchen im Wohnzimmerofen. Nicht nur Gemütlichkeit, sondern für den häufig schneller fröstelnden Seniorenkörper und vielleicht schmerzende Gelenke ein wahrer Genuss. Allerdings sollte bei allem Hang zum Selbermachen dafür jenseits der 70 wirklich nicht mehr die Axt geschwungen werden. Erstens weil es Rücken und Schultergelenke stark belastet. Und zweitens, weil hier die geringste Unsicherheit von Augen, Motorik oder der Koordination beider Sinne rasch in schlimmsten Verletzungen resultieren kann.

Hier gibt es zwei Alternativen:

  1. Das Brennholz schlicht ofenfertig kaufen. Viele Lieferanten setzen es einem sogar noch auf.
  2. Einen motorisierten Holzspalter kaufen. Der wird mit auf Ofenlänge gesägten Abschnitten bestückt und macht dank Hydraulikkraft binnen Sekunden das, wofür der Mensch mehrere Hiebe benötigt.

Allerdings sei hier auch dazu geraten, eine eventuell vorhandene Motorsäge höchstens nach Freigabe durch den Hausarzt zu verwenden. Dieses Werkzeug ist schlicht zu gefährlich, wenn der Bediener nicht hundertprozentig auf Höhe ist.

Geht noch: Schweißen

Egal ob dahinter Kunst mit Metall steckt oder bastlerische Notwendigkeit: Ein Elektroschweißgerät findet sich in so mancher Heimwerkstatt. Und sofern Ü70er dabei die gleiche Vorsicht walten lassen wie in früheren Jahren, gibt es nichts, was dagegenspräche, das Gerät auch weiterhin zu verwenden – da allerdings viele Senioren im Alter auch ohne schwere Krankheiten etwas zittrigere Hände bekommen, sollten selbst Routiniers ihre Erwartung an schnurgerade Nähte etwas zurückschrauben.

Eine Ausnahme gibt es jedoch: Sofern das meist recht schwere Gerät keine Rollen hat (oder zumindest auf ein Rollbrett gestellt werden kann), sollte es an Ort und Stelle verbleiben.

Besser nicht mehr: Dach- und andere Höhenarbeiten

Dach und Höhenarbeiten SeniorenDie Leiter auspacken, Eimer, Handschaufel oder auch eine Reserveschindel greifen und dann hoch hinaus – bei vielen Eigenheimbesitzern eine Routine-Selbermacherarbeit, da das Dach mit vielen verschiedenen „Baustellen“ und Wartungsanforderungen [3] aufwartet. Allerdings sollten Ü70er keine davon mehr selbst ausführen:

  1. Im Alter geht das Balancevermögen langsam verloren. Das ist schon auf Treppen schwierig, auf Leitern hingegen extrem gefährlich.
  2. Viele Menschen in dem Alter haben Probleme, so lange auf einem Punkt zu stehen, wie es auf einer Leiter nötig ist.
  3. Alte Knochen brechen nicht nur schneller, sondern heilen sehr viel schlechter zusammen [4].

Zweifelsohne, Dach und Dachrinne benötigen regelmäßige Pflege – die sollte aber entweder von fitteren Enkeln sichergestellt werden oder am besten dem Dachdecker; viele bieten dafür auch Wartungsvereinbarungen an.

Geht noch – aber anders: Möbelbastelei

Ein Unterschrank für den Fernseher, ein Schaukelpferd für den Enkel, ein Bistrotisch für die Terrasse… Möbel zu erschaffen ist eines der beliebtesten Heimwerkerfelder überhaupt, weil es unglaublich vielfältig ist.

Und so lange es dabei nicht darum geht, schwere Einzelteile oder fertige Werke allein zu bewegen, gibt es abermals kaum etwas, das dagegenspräche, sich nicht auch nach seinem 70. Geburtstag als fleißiger Möbelbauer zu betätigen. Doch auch hier sollte ein Umdenken der eigenen Sicherheit wegen stattfinden. Im Einzelnen:

  1. Vor allem was elektrische Sägen anbelangt, insbesondere solche, die nicht stoppen, sobald der Schalter losgelassen wird (beispielsweise Tischkreissägen) ist höchste Vorsicht angebracht. Viele Baumärkte bieten einen oft kostenlosen, meist zumindest günstigen Sägeservice an, der ist die bessere Alternative.
  2. Wer mit Rheumatismus Probleme hat, sollte auch bei vibrierenden Geräten (etwa Schleifmaschinen oder elektrische Hobel) vorsichtig sein. Besser sind dann handbetriebene Werkzeuge.
  3. Bohrmaschinen SeniorenBei Bohrmaschinen kann jetzt eine gute Gelegenheit gekommen sein, Neues zu erwerben – moderne Akkubohrer sind bei gleicher Kraft um ein Vielfaches leichter und kompakter geworden und lassen sich so wesentlich komfortabler und präziser führen.

Besser nicht mehr: Arbeiten an der Elektrik

Eigentlich ist es in keinem Alter ratsam, an der häuslichen Elektrik mehr zu tun als Leuchtmittel zu wechseln – denn eigentlich besagen die Vorschriften, dass nur ausgebildete Elektrofachkräfte mit den spannungsführenden Teilen hantieren dürfen [5]. Regularien, die in der Praxis unglaublich oft übergangen werden, wenn es darum geht, Lampen anzuschließen, Schalter und dergleichen auszutauschen.

Dabei sind es nicht einmal körperliche Unzulänglichkeiten, die jenseits der 70 wirklich vollumfänglich dieser Tätigkeit ein Ende bereiten sollten – es sind zwei andere Dinge:

  1. Wenn bei der Arbeit irgendetwas schiefgeht und es einen Stromschlag gibt, sind alte Herzen noch viel gefährdeter als junge. Das gilt doppelt bei Trägern von Schrittmachern und Co.
  2. Sollte es dereinst im Haus ein Feuer geben und auch nur der Verdacht bestehen, dass dahinter eine nicht ordnungsgemäß ausgeführte Elektroarbeit steckt, beteiligt oder auch bloß vorhanden war, wird es höchstwahrscheinlich enorme Versicherungsprobleme bis zu Regressforderungen geben.

Beides sollte einem diese Form des DIY nun buchstäblich nicht mehr „wert“ sein. Allerdings sollten nicht Kinder oder Enkel herangezogen werden, sondern tatsächlich der örtliche Elektriker.

Geht noch: Anstreichen, Malen, Lackieren

Egal ob es im Haus darum geht, frische Farbe per Rolle an die Wände zu bringen, ob eifrige Möbelbauer mit Pinsel, Sprühdose oder gar Lackierpistole ihrem Werk den letzten farblichen Schliff verleihen möchten oder ob schlicht Künstler sich verwirklichen wollen: Was Arbeiten mit Farbe anbelangt, gibt es keine Einschränkungen.

Kleiner Tipp: Besser noch mehr Sorgfalt in das vorherige Abkleben investieren, als durch vielleicht etwas schlechtere Augen und Feinmotorik Farbe aufzutragen, wo eigentlich keine hingehört. Und natürlich gilt das alles nur, wenn dazu keine Leitern, Tritte usw. erklommen werden müssen.

Einige gute Ratschläge

Natürlich kann dieser Artikel aus Platzgründen längst nicht alle möglichen Heimwerkertätigkeiten abdecken; dazu ist dieses wunderbare Hobby schlicht zu vielfältig. Allerdings gibt es jenseits der genannten Tipps noch weitere Ratschläge für Ü70er, die tatsächlich auf praktisch jede Selbermacherarbeit anwendbar sind:

  • Grundsätzlich alles vermeiden, was irgendwelche Zwangshaltungen benötigt – nicht nur beim gärtnernden Knien.
  • Wissen weitergeben. Junge Generationen profitieren im höchsten Maße von einem buchstäblichen Heimwerkerleben.
  • Auch bei bekannten Arbeiten in der vielleicht seit Jahrzehnten bestehenden Heimwerkstatt auf viel mehr Licht setzen als gewohnt – die Akkuratesse wird es danken.
  • Bei Arbeit mit motorisierten Werkzeugen immer jemanden in Rufreichweite haben.
  • Projekte langfristiger anlegen, damit sie mit mehr Pausen dazwischen getätigt werden können – wer sein Arbeitsleben gelebt hat, muss sich wirklich nicht mehr zur Eile antreiben (lassen).
  • Auch bei eigentlich schnellen Routinearbeiten in besonderem Maße Sicherheit vor Tempo setzen.
  • Lieber zweimal messen als einmal falsch schneiden – Zollstöcke und Co. sind nicht eben augenfreundliche Messwerkzeuge. Vielleicht eine gute Gelegenheit, sich digitale Helfer mit großen Leuchtziffern schenken zu lassen.

Und natürlich gilt nach wie vor: Konzentration ist nicht nur der Schlüssel zu einem guten Arbeitsergebnis, sondern auch für die Sicherheit. Heimwerken sollten auch Senioren nur, wenn ihnen wirklich der Sinn danach steht, nicht weil eine vermeintliche Pflicht ruft.

Recherchequellen

[1] https://www.psychologie.hu-berlin.de/de/prof/devped/medien/2015_03%20-%20secular%20change/2015_03_27-gesundheitsstadtberlinonline.pdf
[2] https://www.selbst.de/hochbeet-bauen-29329.html
[3] https://www.o-metall.com/de/service/wartung-dach.htm
[4] https://www.allgemeinarzt-online.de/1588246/a/im-alter-gelten-andere-regeln-1563561
[5] https://www.bghm.de/fileadmin/user_upload/Arbeitsschuetzer/Gesetze_Vorschriften/Informationen/203_002.pdf

Bildmaterial (stock.adobe.com):
1) © jackfrog, 2) © Peter Maszlen, 3) © Jacob Lund


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