Interview mit Benjamin Rudolph, Geschäftsführer bei eMovements: „Wir rollen einen Markt auf, der von Trägheit und Intransparenz beherrscht wird“

Interview

Der Rollator ist für viele Menschen zu einem unerlässlichen Alltagshelfer geworden. Dabei hat sich an der Grundfunktionalität bis heute wenig geändert. Das möchte ein junges Technologieunternehmen aus Stuttgart jetzt ändern. Ein E-Rollator namens „ello“ soll durch Elektrisierung noch komfortabler für den Benutzer werden. Wir wollten es genauer wissen und haben ein Interview mit Benjamin Rudolph, dem Geschäftsführer von „eMovements“ geführt.

Benjamin RudolpheMovementsZur Person:
Der examinierte Fachinformatiker Benjamin Rudolph war vor der Gründung von eMovements bereits in Unternehmensberatungen als Projektleiter tätig. Inzwischen führt der Wirtschaftsinformatiker, der 2014 seine universitäre Laufbahn mit einem Abschluss in Entrepreneuership an der US-amerikanischen Louisville-Universität abgerundet hat, das Unternehmen als CEO.

Infomagazin Seniorenbedarf: Sehr geehrter Herr Rudolph, Sie haben mit einem „E-Rollator“ in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt. Was hat es damit auf sich?

Rudolph: Der E-Rollator, wir nennen ihn ello, ist die Erweiterung bewährter Rollatoren um einen elektrischen Antrieb und eine intelligente Steuerung zur wesentlichen Steigerung von Mobilität und Sicherheit älterer Menschen. Heutige Rollator-Nutzer haben laut einer Studie des Robert-Bosch-Krankenhauses erhebliche Probleme beim Bergaufschieben (77 %), Bergabbremsen (83 %) und beim Überwinden von Hindernissen (77 %). ello unterstützt beim Bergaufschieben, auf unebenen Untergrund und bei Beladung. Er bremst selbstständig beim Bergabgehen, erleichtert das Überwinden von Hindernissen, verhindert das plötzliche Weggrollen und sorgt mit der Beleuchtung auch nachts für eine erhöhte Sicherheit. Ein eingebautes Notrufsystem sowie die sehr intuitive Bedienung sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Infomagazin Seniorenbedarf: Ist so derartig moderne Technologie nicht unbezahlbar für Normalverdiener bzw. Rentner?

Rudolph: ello wird für etwa 2.490 Euro in Sanitätshäusern angeboten. E-Bikes kosten z.B. i.d.R. bis 3.500 Euro. Von den jährlich allein in Deutschland über 650.000 verkauften Rollatoren, führen laut einer Studie des Robert Bosch Krankenhausen über 80 % zu erheblichen Problemen, z.B. an Steigungen und Hindernissen wie Bordsteinkanten. Da die Mobilität aber wesentlicher Faktor für die Lebensqualität ist, wollen wir das Gehen so lange wie möglich erhalten. Wer öfter das Haus verlassen kann bleibt i.d.R. auch fitter. Für das Investment in Höhe von 2.490 Euro arbeiten wir mit einer Partnerbank zusammen und können somit auch eine monatliche Rate anbieten.

Infomagazin Seniorenbedarf: Wie kommt es dazu, dass ein paar junge Universitätsabsolventen Produkte für ältere Menschen konzipieren?

Rudolph: Leider machen das zu Wenige. Ein Rollator ist nicht hip und nicht jung. Aber wir alle haben Eltern und Großeltern oder kennen zumindest die Probleme im zunehmenden Alter. So auch bei unseren Omas. Initiator war eine Oma, die auf der Schwäbischen Alb wohnt und ihre Einkäufe nicht mehr nach Hause transportieren konnte. Meine eigene Oma, wohnhaft in Berlin, stürzte bereits im Bus weil sie die mechanische Bremse nicht mehr rechtzeitig aktivieren konnte Aus solchen Situationen entstand diese Idee.

Infomagazin Seniorenbedarf: Sie haben eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Was ist das denn?

Rudolph: Mit einer Crowdinvesting-Kampagne ermöglicht man es Jedem am Erfolg eines Unternehmens mit zu profitieren. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase können Anleger hier noch auf eine schöne Rendite hoffen. I.d.R. beteiligen sich kommerzielle Investoren an neuen Unternehmen um diesem Startkapital zur Verfügung zu stellen. Beim Crowdinvesting erfolgt diese Beteiligung durch die „Crowd“ also im Wesentlichen durch Kleinanleger und Produktinteressierte. Für die „Crowd“ bedeutet das eine alternative Geldanlage und das Unternehmen freut sich über eine große Zahl an Unterstützern. Über diese Kampagne (www.aescuvest.de/ello) konnten wir von 129 Investoren insgesamt fast 250.000 Euro einsammeln. Genug für den erfolgreichen Marktstart bis Jahresende.

Infomagazin Seniorenbedarf: Zukunftsforscher zeichnen ein extrem futuristisches Bild für die nächsten Jahrzehnte. Roboter als Alltagshelfer, selbstfahrende Autos, virtuelle Realität. Was für Zukunftstechnologien sind speziell für ältere Mitglieder unserer Gesellschaft denkbar?

Rudolph: Auch Senioren werden zunehmend technikaffin und wollen am technologischen Fortschritt teilhaben. Es gibt heute schon viele interessante Konzepte. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt dabei neben medizinischen Aspekten im Besonderen das soziale Umfeld in den Vordergrund. Wer das Haus nicht verlassen kann vereinsamt. Ich denke daher, dass die meisten Fortschritte im Bereich der Mobilität erfolgen werden. Rollatoren haben sich die letzten Jahre im Wesentlichen nicht verändert. Es ist also viel Luft nach oben.

Infomagazin Seniorenbedarf: Nicht jeder Deutsche würde sich als Freund der um sich greifenden Technokratie bezeichnen. Bergen Digitalisierung & Co nicht auch Gefahren? Oder sind die Warnungen nur Ausdruck der Ängste technophober Hinterwäldler?

Rudolph: Veränderung wird immer kritisch betrachtet und ist ein Prozess. Das ist auch gut so. Aufhalten lässt sich der Fortschritt damit aber nicht. Der Alltag vieler wird sich verbessern. Ich versuche daher immer positives in Veränderungen zu finden. Aber in zunehmend Alter fällt sogar mir das schwerer.

Infomagazin Seniorenbedarf: Hand aufs Herz, würden Sie nicht lieber schicke Sportwagen bauen als e-Rollatoren?

Rudolph: Ja, manchmal schon. Andererseits springen viele auf solche „Trend-Züge“ auf und entwickeln mit 100 anderen etwas das die Welt nicht unbedingt braucht. Hiermit kann ich einen echten Mehrwert schaffen.

Infomagazin Seniorenbedarf: Warum wird „eMovements“ in den nächsten Jahren ein aufstrebendes Unternehmen mit wachsendem Kundenkreis sein?

Rudolph: Weil wir einen Markt aufrollen, der von Trägheit und Intransparenz beherrscht wird. Wir bringen ein Produkt auf den Markt, mit dem wir uns ganz klar abgrenzen. Und wenn Andere es nachentwickelt haben, sind wir schon mit dem nächsten Produkt am Markt.

Infomagazin Seniorenbedarf: Sehr geehrter Herr Rudolph, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.


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