Gefahr von Altersarmut – Wie können Menschen mit kleinen bis mittleren Einkommen vorsorgen

Altersarmut vorbeugen

Viele junge Menschen folgen heute dem Prinzip “Leben im Hier und Jetzt”, aber was ist in 40 Jahren? Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir irgendwann das Rentenalter erreichen und den meisten Menschen zwischen 18 und 35 Jahren ist zwar die Bedeutung der Altersvorsorge bewusst, dennoch sorgt nur ein kleiner Teil der Generation Y tatsächlich für das Alter vor. Um den bisherigen Lebensstandard auch im Alter halten zu können, ist es notwendig, frühzeitig vorzusorgen. Sonst droht vielen im Alter finanzielle Not.

In diesem Artikel gehen wir darauf ein, warum Altersarmut ein Thema ist, was uns alle angeht und gleichzeitig wollen wir praktische Tipps und Strategien aufzeigen, wie Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen effektiv für ihr Alter vorsorgen können.

Wie ist der Status Quo?

Die Gründe für den Anstieg der Altersarmut sind vielfältig. In beiden Ländern spielen die demografische Entwicklung und die Alterung der Gesellschaft eine wesentliche Rolle [1]. Die Alterung der Bevölkerung erhöht den Druck auf die Rentensysteme. Hinzu kommen Veränderungen in der Arbeitswelt wie die Zunahme von Teilzeitbeschäftigung und befristeten Arbeitsverträgen, die sich negativ auf die Rentenansprüche auswirken können.

In der Schweiz als Nachbarland der Bundesrepublik basiert die Altersvorsorge auf dem Drei-Säulen-Prinzip, das eine Kombination aus staatlicher, betrieblicher und privater Vorsorge darstellt. Bei Invalidität, Todesfall oder Pensionierung erhält man aus diesen Säulen Geld [2]. In Deutschland setzt sich die Altersvorsorge aus der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Vorsorge zusammen. Trotz dieser unterschiedlichen Systeme stehen Rentner in beiden Ländern vor ähnlichen Herausforderungen, wie z.B. unzureichende Rentenansprüche aufgrund niedriger Löhne oder Erwerbsunterbrechungen. Die Situation zeigt, dass Altersarmut ein grenzüberschreitendes Problem ist, das individuelle und kollektive Lösungsansätze erfordert.

Was sind die Risikofaktoren für Altersarmut?

Um Altersarmut wirksam bekämpfen zu können, ist es wichtig, die verschiedenen Risikofaktoren zu verstehen, die zu finanziellen Schwierigkeiten im Alter führen können. Diese Faktoren sind sowohl individueller als auch ökonomischer Natur und können in der Schweiz und in Deutschland ähnliche Auswirkungen haben.

Individuelle Risikofaktoren

  • Geringes Einkommen: Personen mit niedrigem Einkommen zahlen weniger in die Rentenversicherung ein, was zu geringeren Rentenansprüchen führt.
  • Teilzeitarbeit: Häufige Teilzeitarbeit, insbesondere bei Frauen, führt zu geringeren Einzahlungen in die Rentenversicherung.
  • Unzureichende private Vorsorge: Viele Menschen unterschätzen den Bedarf an privater Altersvorsorge oder beginnen zu spät damit.

Wirtschaftliche Risikofaktoren

  • Inflation: Die Geldentwertung kann die Kaufkraft der Renten deutlich verringern.
  • Wirtschaftliche Schwankungen: Wirtschaftskrisen können die Rentensysteme belasten und die Rendite privater Altersvorsorgeprodukte beeinträchtigen.

  • Änderungen des Rentensystems: Reformen des Rentensystems können zu Unsicherheiten und Änderungen der Rentenansprüche führen.

Es ist wichtig, über diese Risikofaktoren Bescheid zu wissen, um gezielte Strategien zur Vermeidung von Altersarmut entwickeln zu können. Dabei sind sowohl die individuellen Lebensumstände als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Strategien zur Altersvorsorge für Menschen mit kleinen bis mittleren Einkommen

Für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen stellt die Altersvorsorge eine besondere Herausforderung dar. Mit den richtigen Strategien lässt sich jedoch auch mit begrenztem Budget eine wirksame Altersvorsorge aufbauen.

1. Frühzeitig planen und regelmäßig sparen

Der Grundstein für eine effektive Altersvorsorge ist ein frühzeitiger Beginn und regelmäßiges Sparen. Wer so früh wie möglich beginnt, kann den Zinseszinseffekt [3] optimal nutzen. Auch kleine regelmäßige Sparbeträge können sich langfristig zu einem ansehnlichen Betrag summieren.

Wichtig ist eine sorgfältige Budgetplanung. Legen Sie fest, wie viel Sie monatlich sparen können und richten Sie einen Dauerauftrag ein, damit dieser Betrag automatisch auf ein Sparkonto oder in eine Vorsorgeanlage überwiesen wird. So wird das Sparen zu einem festen Bestandteil Ihres Finanzmanagements.

2. Staatliche Förderungen nutzen

Bei der Planung Ihrer Altersvorsorge sollten Sie unbedingt die staatlichen Förderungen berücksichtigen, die in Deutschland und in der Schweiz speziell für diesen Zweck eingerichtet wurden. Diese Förderungen sollen die private Altersvorsorge attraktiver machen und Ihnen helfen, ein finanziell abgesichertes Alter zu erreichen.

In Deutschland gibt es beispielsweise die Riester-Rente und die Rürup-Rente, die beide das Ziel verfolgen, die private Altersvorsorge durch Steuervorteile und staatliche Zulagen zu unterstützen. Die Riester-Rente ist vor allem für Arbeitnehmer attraktiv, da sie neben den Steuervorteilen auch direkte Zulagen vom Staat erhalten, während die Rürup-Rente vor allem für Selbstständige interessant ist, da sie hohe steuerliche Absetzbarkeit bietet. Beide Modelle sollen die Versorgungslücke schließen, die allein durch die gesetzliche Rente entstehen kann.

In der Schweiz ist die Säule 3a ein wichtiges Instrument zur Ergänzung der staatlichen und beruflichen Vorsorge. Sie ermöglicht es Privatpersonen, mit steuerbegünstigten Beiträgen für das Alter zu sparen. Diese Beiträge können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden, was zu erheblichen Steuerersparnissen führt. Die Säule 3a ist ein flexibles Instrument, das sowohl Spar- als auch Versicherungslösungen bietet und damit eine wichtige Rolle in der individuellen Altersvorsorge spielt.

3. Anlageformen diversifizieren

Ein wichtiges Element einer ausgewogenen Altersvorsorge ist die Diversifikation Ihres Portfolios durch Investitionen in verschiedene Anlageklassen. Mit dieser Strategie können Sie Risiken streuen und gleichzeitig von unterschiedlichen Renditechancen profitieren.

Zu den sicheren Anlageformen gehören beispielsweise Festgelder, die für einen bestimmten Zeitraum einen festen Zinssatz garantieren. Sie bieten Sicherheit und Planbarkeit, allerdings sind die Zinsen in der Regel relativ niedrig, vor allem in Niedrigzinsphasen.

Eine weitere wichtige Anlageklasse sind Rentenfonds, die in festverzinsliche Wertpapiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen investieren. Sie können etwas höhere Renditen als Festgeld bieten und sind in der Regel stabiler als Aktien, bergen aber auch ein gewisses Zinsänderungsrisiko.

Aktienfonds, die in eine breite Palette von Unternehmensanteilen investieren, bieten die Chance auf höhere Renditen, sind aber auch mit einem höheren Risiko verbunden. Die Wertentwicklung von Aktien ist oft volatil und kann stark schwanken. Sie eignen sich daher eher für langfristige Anlagen, bei denen kurzfristige Schwankungen ausgeglichen werden können.

4. Betriebliche Altersvorsorge nutzen

Die betriebliche Altersvorsorge ist neben der privaten Vorsorge ein wichtiger Baustein Ihrer Alterssicherung. Nutzen Sie die Angebote Ihres Arbeitgebers und informieren Sie sich über Ihre Möglichkeiten. Oft bieten Arbeitgeber attraktive Konditionen, die Ihre Altersvorsorge deutlich verbessern können. Zusätzlich empfiehlt es sich, freiwillige Beiträge in eine betriebliche oder gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, um Ihre Rentenansprüche zu erhöhen.

Diese Kombination aus betrieblicher und privater Vorsorge, ergänzt durch freiwillige Beiträge, bietet auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen die Chance, eine solide Basis für das Alter zu schaffen und das Risiko der Altersarmut zu minimieren.

Fazit

Altersarmut ist eine Herausforderung, die uns alle betrifft und besondere Aufmerksamkeit erfordert. Wie unser Beitrag zeigt, ist es für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen entscheidend, frühzeitig und strategisch für das Alter vorzusorgen. Mit einer Kombination aus regelmäßigem Sparen, der Nutzung staatlicher Förderungen, der Diversifizierung von Anlageformen und der Nutzung betrieblicher Altersvorsorge können Risiken minimiert und ein finanziell abgesicherter Ruhestand erreicht werden. Altersvorsorge ist keine Frage des “Ob”, sondern des “Wie”, und jeder Schritt in diese Richtung zählt, um Altersarmut wirksam zu begegnen.

Recherchequellen

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/_inhalt.html
[2] https://www.helveticcare.ch/themen/pensionierung
[3] https://boersenlexikon.faz.net/definition/zinseszins-effekt/


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