„Es bedarf einer kompletten Überarbeitung der Altersvorsorge und nicht nur eines Pflasters“ – Interview mit dem Finanzexperten Arthur Brünings

Rente und AltersvorsorgeKaum ein Thema bewegt die Deutschen so sehr wie ihre Altersvorsorge. Immer wieder erhalten wir Zuschriften besorgter und empörter baldiger Rentner. Grund genug einen Fachmann mit den bekannten Problemen zu konfrontieren.

Arthur BrüningsArthur Brünings beschäftigt sich als unabhängiger Makler täglich mit dem Thema Altersvorsorge. Der Berliner hat sich unseren kritischen Fragen rund um Rente und soziale Gerechtigkeit gestellt. Und teils überraschende Antworten gegeben.

Lieber Arthur, du bist Fachmann für Finanzen und berätst Kunden bezüglich bestmöglicher Anlagen und Vorsorgepläne, richtig? Einige Leser beäugen Versicherungsvertreter bekanntlich skeptisch, weil nur das Produkt mit der höchsten Provision vom jeweiligen Vertreter empfohlen wird. Wie reagierst Du auf diese Skepsis?

Die Skepsis ist berechtigt, weil eine Gefahr der Falschberatung vorhanden ist. Um dem entgegenzuwirken, setze ich auf Transparenz und eine Kostenaufstellung vor der Kaufentscheidung des Kunden, um Ihr/ Ihm einen klaren Einblick zu ermöglichen. Außerdem hat der Kunde Wahlmöglichkeiten in der Bezahlung (Abschlussprovision oder Betreuungsgebühr/Servicegebühr).

Insbesondere im Bereich Rente gibt es Mitmenschen, die Ihre Altersvorsorge vernachlässigt haben und nun im fortgeschrittenen Alter überlegen, wie Sie die zu erwartende Rente aufstocken können. Hast du da Ratschläge, Tipps und Erfahrungswerte?

Ja, jedoch lässt sich dort keine pauschale Aussage treffen, da es von Kunde zu Kunde Unterschiede gibt. Allgemeine Punkte die es zu beachten gilt sind:

  • Flexibilität in Einzahl- und Auszahlphase,
  • der Sachwert soll inflations- und zinsunabhängig sein,
  • die Renditebetrachtung nach Kosten- und Steuerabzug sollte vorliegen,
  • sowie die Pflegeproblematik ist zu berücksichtigen.

Nagut, nehmen wir einen 55-jährigen angestellten Mechaniker, der bis heute lediglich in die gesetzliche Rente eingezahlt hat. Wie kann er sein Renten-Portfolio noch sinnvoll ergänzen, um monatlich noch 200 – 300 EUR mehr Rente zu erhalten?

Es gibt drei verschiedene Ansatzpunkte um das Rentenziel zu erreichen:

  1. Zum einen kann der Kunde Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung leisten. Dies sollte konkret von einem staatlichen Rentenberater geprüft werden.
  2. Zum anderen nutzt der Kunde seine zur Verfügung stehenden Mittel um am freien Kapitalmarkt zu investieren. Dies kann als Sparplan oder als Einmalanlage getan werden.
  3. Die dritte Möglichkeit ist eine Kombination aus den beiden oben genannten Anlageoptionen.

Riester-Rente und Rürup-Rente gelten als die Antwort des Staates auf die „Vorsorgelücke“. Sind diese Produkte Jahre nach ihrer Einführung überhaupt noch attraktiv für den Sparer?

Nein, diese Form der Rente würde ich nicht empfehlen, aufgrund von systemimmanenten Fehlern die oftmals zu einem Verlustgeschäft führen.

AltersvorsorgeformenIn diesem Zusammenhang werden die Befürworter nicht müde die staatliche Förderung als Pro-Argument zu nennen. Ist das denn kein schlagkräftiges Argument?

Was hilft dem Kunden die maximale Förderung, wenn nach Kosten und Steuern der Ertrag nicht konkurrenzfähig ist. Hier hilft als Entscheidungsgrundlage ausschließlich eine konkrete und detaillierte Gegenüberstellung aller Altersvorsorgemöglichkeiten während der Einzahl- und Auszahlphase.

Mit der „Flexi-Rente“ gibt es seit einigen Wochen ein neues Konzept am Altersvorsorgemarkt. Wie beurteilst Du die „Flexi-Rente“?

Die Flexi-Rente ist der Versuch einen kleinen Teil der aktuellen Problematik zu lösen, nur glaube ich ist dies im Gesamtkontext betrachtet nur Flickwerk. Es bedarf einer kompletten Überarbeitung der Altersvorsorge in Deutschland und nicht nur eines Pflasters. Jedoch ist dies Aufgabe der Politik und wir können als Berater nur abwarten, welche Rahmenbedingungen uns gegeben werden.

Beobachtet ihr denn konstruktive Konzepte der Bundesregierung? Viele unserer Leser äußern sich eher pessimistisch in Bezug auf den politischen Handlungswillen, das Rentensystem grundsätzlich zu reformieren.

Ja, das beobachten wir und sind positiv, im Bezug auf die Handlungsbereitschaft der politischen Instanzen, gestimmt. Nur leider dauern notwendige Veränderungen oft länger, da in einem demokratischen System dafür Mehrheiten benötigt werden.

Viele Geldanlagen setzen auf Aktien und Fonds. Sind diese Aktienanlagen nicht immer auch mit gewissen Risiken verbunden? Und findet der Sparer sich im Zweifelsfall als Eigner „ethisch bedenklicher“ Anteile wieder (Stichwort: Rohstoffhandel)? Worauf ist zu achten?

Teilfrage 1: Jede Anlage ist mit Chancen und Risiken verbunden, ob ich nun eine Bankaktie kaufe oder mein Girokonto bei einer Bank ist, ich bin in beiden Fällen von der Pleite betroffen und werde mein Geld nicht zu 100% wieder sehen, deswegen ist die einzige Lösung für dieses Problem ordentliche Recherche und eine vernünftige Streuung meiner Kapitalanlagen.

Teilfrage 2: Jeder Kunde der Geld bei einer Bank, Versicherung oder Bausparkasse liegen hat wird indirekt und unbewusst zum Investor unter Anderem von ethisch fragwürdigen Projekten, weil der Geldfluss nicht steuerbar ist. Alternativ dazu kann der Kunde als Fondsinvestor einen Treuhänder (Fondsmanager) der ausschließlich in ökologisch, ethisch und sozial korrekten Projekten investiert aussuchen.

Wie sieht die ideale Ausstattung mit Finanzprodukten für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer in deinen Augen aus?

  1. Für die Absicherung existenzieller Risiken gilt, der Kunde sollte so viel wie nötig und so wenig wie möglich Absicherung haben. Denn der Versicherungsbeitrag ist ein konkreter, dauerhafter Vermögensverlust.
  2. Im Bereich der Geldanlage hat Liquidität immer den Vorrang, dann kommt die Sicherheit als wichtiges Kriterium und die Rendite ist nachrangig. Was natürlich bedeutet, dass nach Kosten, Inflation und Steuern immer noch ein Plus raus kommt.

Nach der Finanzkrise hat die gesamte Branche einen Vertrauensverlust erlitten. Wie argumentierst Du hier gegenüber deinen Kunden?

Die Branche hatte und hat zumeist auf den D-Zug mit Zinsanlagen gesetzt, welcher schon vor der Finanzkrise auf dem Abstellgleis stand. Nur ist es mit alten Gewohnheiten nicht nur bei der Kapitalanlage schwierig sie loszulassen. Wir müssen neue, besser gesagt alte Wege gehen und den Sachwert in den Mittelpunkt der Vermögensgestaltung schieben.

Portrait des Interviewpartners

Arthur BrüningsArthur Brünings ist ein Unternehmer im Bereich des Finanzwesens. Er setzt auf eine persönliche, individuelle und auf den Kunden zugeschnittene Beratung und hat dabei Zugriff auf den gesamten Markt. Im Interesse des Kundens zu handeln charakterisiert seinen Status als unabhängigen Makler. Seine Ambition ist es, dass sich seine Kunden intensiv mit den Möglichkeiten, Chancen, aber auch den Risiken rund um das Thema Geld auseinandersetzen, um sich über den potenziellen Mehrwert der passenden Produkte bewusst zu werden.

Kontaktdaten:

Arthur Brünings
Sadowastr. 10
10318 Berlin
Tel.: 0151/57002255
a_bruenings@taures.de

Bildquelle: Zitze & Dessauer – Fotolia


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