Rentenbescheidprüfung: Warum es sich lohnen kann, den Rentenbescheid auf Fehler zu überprüfen

RentenbescheidprüfungAuf dem Rentenbescheid steht schwarz auf weiß, wie hoch Ihre monatlichen Bezüge als Rentner ausfallen, die Ihnen die gesetzliche Rentenkasse bald schon überweisen wird. Die Beantragung dieses wichtigen Dokuments erfolgt üblicherweise wenige Monate vor dem geplanten Rentenbeginn. Viele angehende Rentner sind erleichtert und glücklich, wenn sie den Rentenbescheid endlich in Händen halten. Vielleicht sind Sie aber auch enttäuscht, weil die Höhe Ihrer Altersbezüge um einiges niedriger als erwartet ausfällt. In jedem Fall ist es empfehlenswert, den Rentenbescheid einer genauen Überprüfung zu überziehen – schließlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass sich darin Fehler verstecken, die sich in Form von zu niedrigen Rentenzahlungen auswirken werden. Alleine im Jahr 2016 hatten rund 40.000 Widersprüche gegen fehlerhafte Rentenbescheide Erfolg, sodass es zu einer nachträglichen Änderung derselben kam.

Hinweis: Viele Verbraucher halten die (unverbindlichen) Renteninformationen, die sie jedes Jahr ihrer aktiven Berufstätigkeit von der Deutschen Rentenversicherung bekommen, irrtümlicherweise für Rentenbescheide.

Selbst ist der angehende Rentner – oder doch besser mit professioneller Unterstützung?

Aufgrund der hohen Anzahl von fehlerhaften Rentenbescheiden ist das Honorar für einen spezialisierten Anwalt oder einen anderen Experten beziehungsweise Institution, die Ihren Bescheid überprüfen, in der Regel gut angelegtes Geld. Sie müssen dabei mit Kosten von mehreren hundert Euro rechnen und sollten sich vor der Auswahl eines Beraters genau erkundigen, ob er einschlägige Referenzen nachweisen kann.

Tipp: Sogar wenn Ihnen alle Angaben und Berechnungen in Ihrem Rentenbescheid richtig und plausibel erscheinen, macht eine Überprüfung durch den Profi Sinn. Dessen Bestätigung, dass alles seine Ordnung hat, schenkt Ihnen das gute Gefühl, bei der Rente nicht übervorteilt zu werden.

Doch es ist durchaus auch möglich, den Rentenbescheid ohne professionelle Hilfe zu überprüfen. Allerdings sollten Sie dann die Bereitschaft mitbringen, sich gründlich zu informieren und gegebenenfalls in eine komplizierte Materie einzuarbeiten.

Die zu überprüfenden Punkte

Auf der ersten Seite Ihres Rentenbescheides finden Sie vor allem die folgenden Angaben, deren Richtigkeit Sie ohne Schwierigkeiten selbst kontrollieren können:

  • Art der Rente (zum Beispiel Alters- oder Erwerbsminderungsrente)
  • Rentenabzüge für Ihre Kranken- und Pflegeversicherung, die explizit bezeichnet ist, wie zum Beispiel Techniker Krankenkasse oder AOK Rheinland/Hamburg.
  • Achten Sie insbesondere darauf, dass Ihre Elterneigenschaft berücksichtigt ist, die sich beitragsmindernd bei der Pflegeversicherung auswirkt.

Auf den übrigen Seiten Ihres Rentenbescheides ist dargelegt, welche Faktoren sich auf die Höhe Ihrer Rente auswirken. Besonders fehleranfällig sind dabei die Beitragszeiten, die Sie anhand Ihrer eigenen Unterlagen und Dokumente, wie zum Beispiel Kopien von Lohnsteuerbescheinigungen oder Jahresabrechnungen, überprüfen sollten. Darüber hinaus spielen auch die folgenden Zeiten eine wichtig Rolle bei der Bemessung von Renten:

  • Ausbildungszeiten, während derer Sie eine Schule oder Universität besucht haben
  • Kindererziehungszeiten
  • Pflegezeiten
  • Monate, in denen Sie arbeitslos waren

Außerdem kann sich auch eine Ehescheidung auf die Höhe Ihrer Rentenbezüge auswirken.

Rentenbescheidprüfung: Rechtzeitige Kontenklärung bewährt sich

RentenbescheidprüfungJeder Versicherte ab einem Alter von 43 Jahren hat das Recht, von der Deutschen Rentenversicherung einen Versicherungsverlauf anzufordern. Anhand dieses Dokuments lassen sich bereits wichtige Überprüfungen lange vor dem Renteneintrittsalter vornehmen. Außerdem können Sie bei jeder Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung eine sogenannte Kontenklärung vornehmen lassen. Dabei erfolgt nicht nur die Berichtigung von möglicherweise falsch erfassten Beitragszeiten, sondern auch das Nachtragen von Erziehungs- und Ausbildungszeiten, sowie sonstigen für die Rente relevanten Daten.

Fristen beachten

Sie haben nach dem Erhalt Ihres Rentenbescheides einen Monat Zeit, Widerspruch in schriftlicher Form einzulegen. Dabei können Sie bei Bedarf die Begründung zu einem späteren Zeitpunkt nachliefern. Doch die Überprüfung eines Rentenbescheides lohnt sich auch, wenn Ihnen erst Jahre später Zweifel kommen, ob die Berechnung korrekt ist. Dann haben Sie Anspruch darauf, dass bei Fehlern der Deutschen Rentenversicherung die Rentenzahlungen bis zu vier Jahren rückwirkend angepasst werden.

Bildquelle: Bjoern Wylezich & Ralf Kleemann – Fotolia


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