Rente mit 69: der aktuelle Diskurs

Rente mit 69Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit erscheint unvermeidlich, um das Rentenniveau langfristig zu sichern. Denn schon das erklärte Ziel der Bundesregierung, zumindest bis zum Jahre 2025 die Rente auf einem Niveau von 48 Prozent des Durchschnittslohns zu halten und gleichzeitig die Beitragssätze bei rund 20 Prozent des Bruttoeinkommens zu stabilisieren, ist nach Ansicht vieler Fachleuten kaum erreichbar. Dabei gilt ab dem Jahr 2030 gilt ein Regeleintrittsalter von 67 Jahren für die Rente, in den Jahren davor steigt es sukzessive an.

Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters

Kaum haben sich die Babyboomer halbwegs an den Gedanken gewöhnt, bis 67 Jahre arbeiten zu müssen, führen Fachleute eine Diskussion über eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters: Einige Experten sehen es als unvermeidlich an, den Rentenbeginn auf das 69. oder sogar das 70. Lebensjahr zu verschieben. Die Vertreter des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sprachen sich kürzlich, wohl nicht ganz uneigennützig, für eine derartige Erhöhung aus. Anlass ihrer Forderung war die Konstituierung der Rentenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung ein nachhaltiges Konzept für eine grundlegende Reform der deutschen gesetzlichen Altersvorsorge erstellen soll.

Rente mit 69Die Begründung für diese bei der Bevölkerung ausgesprochen unpopuläre Maßnahmen liefert wie schon bei der Heraufsetzung des Rentenerstbezugs hin zu einer Rente mit 67 Jahren die demographische Entwicklung: In Zukunft steht einer immer geringer werdenden Anzahl an Beitragszahlern eine stark wachsende Anzahl an Rentenbeziehern gegenüber. Zwar zeigt sich die Kassenlage der gesetzlichen Rente aufgrund des nun schon seit vielen Jahren anhaltenden Aufschwungs gegenwärtig entspannt, doch das wird sich nach Erwartung von Rentenexperten bald ändern: Sobald die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter erreichen, wird es knapp. Von Kritikern als unnötigerweise gemachte Wahlgeschenke bezeichnete Maßnahmen wie die Einführung der Mütterrente oder der Rente ab 63 für langjährig Beschäftigte werden dieses Problem verschärfen.

Allerdings ist die Forderung der Rente erst ab 69 nicht wirklich neu, bereits im Jahre 2011 wurde sie von den fünf Wirtschaftsweisen und zwei Jahre später vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung gestellt. Die Wissenschaftler sahen schon vor damals die zunehmende Beteiligung älterer Arbeitnehmer am Erwerbsleben als wichtige Voraussetzung für ein stabiles Beitragsniveau an. Sie hat gleich zwei positive Effekte auf die Rentenkassen: Zum einen verringert sie die Anzahl der Rentenbezieher, zum anderen erhöht sie das Beitragsvolumen.

Kritik und Alternativen

Gegen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters spricht allerdings die Tatsache, dass mehr als ein Viertel aller Beitragszahler dann überhaupt keine Rente erhält: Rund 22 Prozent versterben bereits vor dem Erreichen dieser Altersgrenze.

In dieser Hinsicht stellt sich die Frage, ob es tatsächlich gerecht und zumutbar ist, ein Erwerbsleben lang in die Rentenkasse einzuzahlen, um am Ende keinerlei Leistungen zu erhalten. Besonders bemerkenswert ist es dabei, dass insbesondere Geringverdiener früh versterben, sodass viele linksorientierte Politiker eine Erhöhung des Renteneintrittsalters als sozial ungerecht bezeichnen

Denkbar wäre auch eine nachhaltige Lösung des demographischen Rentenproblems in Form einer Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Die Einführung eines derartigen Modells hätte vor allem den Vorteil, dass es aufgrund dieses installierten Automatismus nicht vor jeder geplanten Anhebung des Renteneintrittsalters zu erbitterten politische Diskussionen käme.

Unter anderem hat sich der ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine derartige Verbindung von Lebenserwartung und Beginn des Rentenbezugs ausgesprochen, die ohne Zweifel einen Beitrag zur Generationengerechtigkeit leisten könnte.

Einen anderen Vorschlag macht der Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU – „Die Rente ist sicher“): Er befürwortet den Abschied von einem starren Renteneintrittsalter. Stattdessen plädiert er dafür, dass die Arbeitnehmer selbst entscheiden, wann sie sich aus dem Erwerbsleben verabschieden. Dieses Modell dürfte allerdings nur die gewünschten Effekte auf die Entwicklung von Renten- und Beitragsniveau haben, wenn ein Großteil der Älteren freiwillig länger arbeiten wird. Der überwältigende Erfolg der Rente mit 63 stimmt in dieser Hinsicht nicht optimistisch.

Wenige Politiker sehen in einer drastischen Erhöhung des Steuerzuschusses für die Rentenkasse eine Lösung. Allerdings bedeutet dieses Vorhaben eine weitere Belastung der jungen Generation: Sie müsste in erheblichem Umfang höhere Steuern auf ihr Einkommen zahlen, um die Rentenzahlungen zu finanzieren.

Fazit: Rente mit 69 unwahrscheinlich

Rente mit 69Es erscheint gegenwärtig als wahrscheinlich, dass die Rentenkommission eine deutliche Erhöhung des Renteneintrittsalters vorschlagen wird. Angesichts der zu erwartenden demographischen Entwicklung der deutschen Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten existiert keine vernünftige Alternative zu dieser Maßnahme. Allerdings ist zu erwarten, dass dies nur mit einer Vielzahl von Sonderregelungen politisch durchsetzbar ist, die zum Beispiel Angehörigen von körperlich besonders anstrengenden Berufen ein früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben ermöglicht.

Die Rente bleibt die große Achillesferse des Sozialstaates Deutschland.

Bildquellen: JiSign, Thomas Reimer & beeboys – Fotolia


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