Warum die Unfälle mit E-Bikes steigen: Tipps zum sicheren E-Bike-Fahren

Fahrradunfall eBike

EIn Gastbeitrag von Rainer Nahrendorf, Ex-Chefredakteur Handelsblatt

Die Coronakrise hat zu einem E-Bike-Boom geführt. Aber leider steigen damit auch die Unfälle mit E-Bikes. Es trifft vor allem die Älteren. Gründe nennt der Dekra-Verkehrssicherheitsreport 2020.

Radfahren ist in Coronazeiten zum beliebten Freizeitvergnügen avanciert. Das hat der Zweiradindustrie eine Superkonjunktur beschert. Der Zwei-Rad-Industrieverband schätzt, dass der gesamte Fahrradbestand in Deutschland 2020 auf 79,1 Millionen gestiegen ist. Darin enthalten sind 7,1 Millionen E-Bikes. Das sind meistens Pedelecs, die das eigene Treten der Pedalen durch einen E-Motor unterstützen, aber nicht ersetzen. Fast 2 Millionen der 2020 neu abgesetzten 5 Millionen Räder in Deutschland (knapp 39 Prozent) waren E-Bikes.

Zwar wächst die Modellgruppe der vor allem von Jüngeren gefahrenen elektrifizierten Mountainbikes mit einem Anteil von 30 Prozent besonders stark, aber es dominieren nach wie vor E-Trekking- und E-City-Modelle. Sie werden von Älteren gefahren. Der zuschaltbare E-Motor mit seinen Leistungsstufen erleichtert Mobilität bis ins hohe Alter, macht die E-Bikes zu den idealen Fahrrädern für die Höhen der Eifel, aber auch für das Radeln bei starkem Gegenwind. Der E-Motor sorgt dafür, dass Sie immer mit Rückenwind radeln, auch dann, wenn Ihnen der Wind ins Gesicht bläst.

Mit dem Boom der E-Bikes steigt leider auch die Zahl der E-Bike-Unfälle. E-Bike-Fahrer kollidieren weniger häufig mit PKWs, sondern mit anderen Radlern und mit Fußgängern oder stürzen. Bei den Radfahrern ging die Zahl der Verunglückten im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr zwar um etwa ein Prozent von 88 880 auf 87 342 zurück. Unverändert blieb dagegen die Zahl der Getöteten mit 445 ums Leben gekommenen Radfahrern. Hiervon waren 118 mit einem Pedelec unterwegs, 2018 waren es lediglich 89. Das bedeutet bei den getöteten Pedelec-Fahrern eine Zunahme von 32 Prozent.

ADFC Bundesgeschäftsführer Burkhard Stark hat im Dekra-Verkehrssicherheitsreport 2020 die Gründe für die steigende Zahl der Pedelec-Unfälle genannt. Ein grundsätzliches Problem bestehe darin, dass die Geschwindigkeit eines Pedelec von anderen Verkehrsteilnehmern deutlich unterschätzt werde. Hinzu komme, dass ältere Menschen häufig ungeübtere Fahrer seien, da sie lange nicht mit einem konventionellen Fahrrad unterwegs gewesen seien und nun den Wiedereinstieg mit dem Pedelec wagten. Stark: „Oftmals werden deshalb die ungewohnt starke Beschleunigung und die großen Bremsleistungen unterschätzt“. Im Alter nähmen zudem die Reaktionsfähigkeit (Sehstärke, Gleichgewichtssinn) und die allgemeinen körperlichen Voraussetzungen zum Fahren eines Zweirads ab. Auch die Widerstandsfähigkeit des Körpers bei Stürzen lasse bei älteren Menschen deutlich nach. Sie verletzten sich bei Stürzen schneller und vor allem gravierender als junge Radfahrer.

Worauf kommt es an, wenn das E-Bike die Gelenke, Muskeln, Herz und Hirn gesund und fit halten soll?

Erstens: Auf die Wahl eines sicheren Pedelecs. Die Stiftung Warentest hat nur 4 von 12 Pedelecs 2020 mit gut bewertet. Die Freischaltung des Tests kostet 5 Euro. Das Geld ist gut angelegt. (Stiftung Warentest: Zwölf E-Bikes im Test – nur vier mit Gesamtnote „Gut“ (t-online.de)). Das E-Bike sollte robust sein und ein stabiles sicheres Fahren ohne Schlenker ermöglichen. Es sollte einen niedrigen Einstieg, einen bequemen Sattel ( nicht zu hoch stellen), einen leistungsstarken Motor, vor allem aber gute Bremsen haben. Ein Rückspiegel verleiht zusätzliche Sicherheit, denn überholende Rennradfahrer haben häufig keine Klingel oder ältere Menschen überhören das Klingeln.

Zweitens: Auf Radwege mit geringen Steigungen, gleich ob Bahntrassen-Radwege oder die meistens schöneren Flussradwege. Im Idealfall werden die Wege begleitet durch eine parallel laufende Bahnlinie wie auf Streckenabschnitten des Ahrradweges, des Rurradweges, Kyllradweges, Moselradweges oder öffentliche Fahrradbusse für Hinfahrt oder Rückfahrt wie beim Maare-Mosel-Radweg. Wenn eine Tour zu sehr an den Kräften zehrt, kann man dann mit dem Rad auf diese öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.

Drittens: Auf eine realistische Selbsteinschätzung. Falls Sie mit dem E-Bike-Fahren erst beginnen, lassen Sie es langsam angehen. Viele Unfälle ereignen sich dadurch, dass Ältere mit E-Bikes zu schnell fahren. Langsamer ist sicherer. Machen Sie auf längeren Touren häufiger Ruhe – und Trinkpausen. Meiden Sie rutschige, glatte Beläge. Beachten Sie unbedingt Warnhinweise wie „Bitte Absteigen“. Tragen Sie
Schutzkleidung: Fahren Sie niemals ohne Warnweste (selbst auf engen Radwegen), ohne Helm und ohne Erste-Hilfe-Set. Die Bekleidung sollte Verletzungen bei Stürzen abmildern. Stelllen Sie den Sattel nicht zu hoch. Fahren Sie mit langen Hosen und mit guten stabilen Schuhen (keine Latschen, Sandalen oder rutschenden Turnschuhen).

Viertens: Fahren Sie immer am rechten Rand der Straßen, denn Autofahrer und Motorradfahrer halten zuweilen den Mindestabstand nicht ein. Fahren Sie auch auf Radwegen ganz rechts, das erleichtert nicht nur das Überholen, sondern mindert auch eine Kollision mit entgegenkommenden Radfahrern. Achtsam zu fahren allein genügt nicht. Haben Sie immer ein Smartphone für Notrufe dabei und fahren Sie besser nicht allein, sondern mit einer Begleitung, die bei einem Sturz helfen und Hilfe rufen kann.

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nahrendorf2Diese Tipps stammen von Sigrid und Rainer Nahrendorf. Sie sind 77 und 83 Jahre alt, fahren Pedelecs, sind an fast allen deutschen Flüssen entlang geradelt und haben die Eifel mit ihren Höhen und Tiefen durchquert. Die 24 schönsten Touren der Eifel haben Rainer Nahrendorf und Heinz-Günter Boßmann in zwei multimedialen Büchern beschrieben (mit Musik, Videos, Service und Hintergrundinformationen).

nahrendorf1Die Bücher sind bei epubli und tredition in verschiedenen Ausstattungen erschienen. Sie sind in allen stationären und online-Buchhandlungen wie Amazon erhältlich. Die Autoren versprechen Augenschmaus und Kunstgenuss.

Nützliche Links:

12 Tipps zum Radfahren lernen – ADFC-Radfahrschule (adfc-radfahrschule.de)
Mehr Sicherheit für Senioren: Tipps für ältere Radfahrer – n-tv.de (n-tv.de)
https://www.mobil-bleiben.de/mobil-unterwegs/mobil-mit-dem-fahrrad/tipps-fuer-radfahrer/
https://www.dekra.de/media/dekra-evs-report-2020-de.pdf

Video-Empfehlung:

https://www.youtube.com/watch?v=M5PBRLi1sQY


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