Kostenfalle Kreditkarte: Warum vom Kauf „auf Pump“ dringend abzuraten ist

Kauf auf Pump KreditkarteMenschen geben oft mehr aus, als Ihnen zur Verfügung steht. Dieser kapitalistische Zeitgeist hat nicht immer etwas mit mangelnder Selbstkontrolle zu tun. Manchmal sind es Sachzwänge, die Menschen dazu bringen, Schulden zu machen – beispielsweise, weil die Waschmaschine kaputt gegangen ist. Häufig hat es jedoch damit zu tun, dass es weniger schmerzt, wenn bargeldlose Zahlungsmittel im Einsatz sind.

Konsum auf Pump – Gefahr durch Kreditkarten

In der öffentlichen Meinung stehen Kreditkarten nicht so gut da. Sie verleiten zu Konsum und so auch dazu, mehr auszugeben, als verfügbar ist. Gerade ältere Menschen verlieren sehr leicht den Überblick, wenn sie vieles mit der Kreditkarte bezahlen. Die Folge ist Überschuldung. Nach Expertenangaben im Schuldneratlas 2018 steigt die Zahl der überschuldeten Senioren stetig an. Im Jahr 2018 lag der Anteil der überschuldeten Senioren im Alter von 70 Jahren bei 35 Prozent, was rund 263.000 Senioren entspricht. Dabei gibt es ein ganz einfaches Rezept, um bargeldlos zu bezahlen und dennoch nicht in die Schuldenfalle zu tappen, die Prepaid-Kreditkarte. Sie hat gegenüber der normalen Kreditkarte einen entscheidenden Vorteil: Keiner kann sich damit verschulden. Verbraucher, die eine Prepaid-Kreditkarte nutzen, müssen diese mit Guthaben aufladen, beispielsweise mit Geld vom Girokonto.

Barzahlung tut weh – mit der Kreditkarte erfolgt die Konfrontation später

Ganz rational betrachtet ist es zunächst nicht nachvollziehbar, warum viele Menschen eine so schlechte Meinung von der Kreditkarte haben. Neben Zinsvorteilen offerieren viele Anbieter Bonusprogramme oder Zusatzangebote. Dennoch verzichten Verbraucher zurecht auf die Verwendung der Kreditkarte als Zahlungsmittel. So kommen sie gar nicht erst in Versuchung, mehr auszugeben, als vorhanden ist.

Psychologischer Effekt: Der Erfolg der Kreditkarte liegt in ihrer Psychologie. Der „Kreditkarteneffekt“ hat etwas mit dem Schmerz des Barzahlens zu tun. So schmerzt Barzahlung am meisten, da das Geld physisch vorhanden und dann weg ist. Bei Kreditkartenzahlung erfolgt die Konfrontation mit dem ausgegebenen Geld erst mit der nächsten Kreditkartenabrechnung. Konsumenten können sich nicht nur schlechter an die Ausgaben erinnern als an die Barausgaben, sie tun auch nicht so weh.

Die Schuldnerberatung weiß Hilfe

Schuldnerberatung KreditkarteDie „Kaufe-heute-zahle-später“-Mentalität verursacht sehr leicht Geldprobleme. Gerade bei größeren Anschaffungen verleiten Kredite und Kreditkarten zum Einkaufen. Allerdings lauert genau dort die Schuldenfalle, spätestens wenn nicht bezahlte Kreditraten über einen längeren Zeitraum zum Risiko werden. Viele Angebote erscheinen zunächst langfristig finanzierbar. Häufig stellt sich allerdings heraus, dass die Rate zu groß ist, und die Schuldenfalle schnappt zu. Dann kann oft nur noch eine professionelle Beratung helfen, wie sie die Schuldnerberatungsstellen in ganz Deutschland anbieten. Immer mehr Menschen setzen auf die Hilfe der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt. Die Altersarmut ist bei den Beratungen ein häufiges Gesprächsthema. Dabei macht eine spärliche Rente hinzukommend das Leben immer schwieriger. Gerade ältere Menschen wollen sich nicht eingestehen, dass sie Hilfe brauchen und verzichten darauf, zu einer Schuldnerberatung zu gehen. Dann kann oft nur noch eine Privatinsolvenz helfen.

„Falsche“ Berater erkennen

Die Zahl der Senioren mit finanziellen Problemen steigt beständig. Die Betroffenen suchen häufig nicht nur Rat bei Verbraucherzentralen, der Arbeiterwohlfahrt oder anwaltlichen Beratern. Auch immer mehr private Berater bieten ihre Dienste an. Dabei ist es nicht immer einfach, falsche Berater oder Beratungsstellen auf Anhieb zu erkennen. Schuldnerberatung ist gemäß den „Ausführungsgesetzen der Länder zur Insolvenzordnung“ und gemäß dem Rechtsdienstleistungsgesetz genehmigungspflichtig. Spezialisierte Anwälte bieten dabei kompetente Hilfe an, genauso wie öffentliche oder karitative Beratungsstellen. Allerdings sind bei diesen Beratungsstellen die Wartelisten oft sehr lang. Private Berater bieten viel kurzfristiger Hilfe an, sodass die Betroffenen nicht so lange auf einen Termin warten müssen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, da sich gerade unter den privaten Beratern und Beratungsstellen viele schwarze Schafe tummeln.

Unheilvolle Spirale – um keinem zur Last zu fallen

Schulde Kauf auf Pump

Für viele ist der Gang zur Schuldnerberatung wie der sprichwörtliche Gang nach Canossa – eine hochnotpeinliche Angelegenheit. Lieber sparen insbesondere Senioren das Geld an anderer Stelle. Sie lassen wichtige Medikament weg und bezahlen von dem „gesparten“ Geld die Stromrechnung. Viele essen nur noch trockenes Brot, um nicht das Dach über dem Kopf zu verlieren. Sie wollen einfach niemandem zur Last fallen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Rentner sparen bzw. Grundsicherung und Sozialhilfe in Anspruch nehmen können. Besonders schlimm ist die Überschuldung für sozial isolierte Menschen. Zu dem zermürbenden Gefühl, Schuld an der Misere zu haben, kommt die Scham hinzu – ein Gefühl, gescheitert zu sein. Lassen Sie diese Gefühle als Betroffener hinter sich und handeln Sie – als Akteur in unserem hochkomplexen Kapitalismus werden einem fälschlicherweise Verhaltensweisen nahegelegt, die in solche Situation führen können. Gewinnen Sie wieder die Deutungshoheit über Ihr Leben und nutzen Sie die Hilfsangebote des „karikativen Widerstands“.

Recherchequellen

[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/schuldneratlas-109.html
[2] https://bankenverband.de/blog/wie-plastikgeld-die-welt-erobert-hat/
[3] https://www.zentraler-kreditausschuss.de/prepaid-kreditkarte/
[4] https://www.awo.org/themen/schuldnerberatung
[5] https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Schulden-Unserioese-Berater-erkennen,schuldnerberatung121.html

Bildquellen: Arcaion, steinchen & Tumisu (Pixabay, CC0 Creative Commons)


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