Warum das Internet nicht immer das bessere Ladengeschäft ist

Online ShoppingVon Gewürztütchen bis zu Hauseinrichtungen hält die Shopping-Welt des Internets eine Menge Vorteile bereit, die sich auch bei älteren Semestern auswirken. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn manchmal – und gerade unter Senioren-Gesichtspunkten – ist das Web auch gar kein guter „stummer Verkäufer“.

Es steht außer Frage, dass das Internet die Art, in der wir einkaufen, absolut revolutioniert hat [1]. Von der Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses kann man heute alles im Internet erwerben, was es in irgendeiner Form zu erwerben gibt – ausnahmslos. Und es bezieht sich mittlerweile nicht nur auf typische Gebrauchsgüter, sondern geht auch bis ganz nach oben. Selbst einen Neuwagen könnte man sich hier konfigurieren und vor die Haustür liefern lassen. Natürlich sind das starke Argumente, die für den Onlinekauf sprechen. Vor allem für Senioren, die sich deshalb nicht mehr „von Pontius zu Pilatus“ bewegen müssen. Doch, und das verschweigen viele, diese Glitzerwelt hat auch deutliche Negativaspekte, die sowohl aus der Art dieses Kaufens an sich resultieren wie den besonderen Problemstellungen für Senioren. Welche das sind, zeigen wir im Folgenden.

1. Die große Warenflut

Um diesen Punkt zu beweisen, braucht der Leser nur die Bezeichnung irgendeines Produkts in die Leiste der Suchmaschine Google einzugeben. „Herrenschuhe“ beispielsweise. Drückt man nun auf „Google-Suche“ bricht eine regelrechte Geschäfte-Flut über einen herein. Unzählige Shopseiten werden einem angezeigt, die „Herrenschuhe“ verkaufen. Das wäre in etwa so, als stünde man in einem gigantischen Einkaufscenter, das ausschließlich mit Läden gefüllt ist, die Herrenschuhe offerieren. Und das Angebot jedes Online-Geschäfts ist unterschiedlich. Wo man normalerweise vielleicht in ein Ladengeschäft ginge, ein paar Minuten nach dem richtigen Modell suchte und damit zur Kasse ginge, kann man im Netz Stunden verbringen – ohne etwas Gefälliges zu finden. Hier zeigen sich deutlich die Schattenseiten der Angebots-Vielfalt. Es ist, gerade bei Massenwaren, sehr schwer, etwas zu finden, wenn man aus buchstäblich hunderttausenden Optionen wählen kann.

2. Das Aussuchen-Problem

Schon die reine Masse an Internet-Geschäften macht es schwierig, sich für ein einzelnes Produkt zu entscheiden. Doch es kommt noch ein Faktor hinzu, der dem Internet selbst angelastet werden kann. Denn egal was man dort kaufen will, man sieht es nur auf dem Bildschirm. Wo man im normalen Laden etwas anprobieren, es anfassen, von allen Seiten betrachten kann, ist man im Netz auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert, was der Verkäufer an Informationen zur Verfügung stellt.

Im besten Fall sind das sehr gute Fotos, vielleicht sogar ein Video und ein umfangreicher Erklär-Text, die das Einkaufserlebnis fast so real machen wie in einem normalen Ladengeschäft. Sehr viel häufiger sind es jedoch schlechte Fotos, ein wenig aussagekräftiger Werbetext und sonst nichts. Fällt die Bluse zu groß oder zu klein aus? Wie fühlt sich der Stoff an? Die Antworten darauf bleiben einige Onlinehändler ziemlich schuldig. Man bestellt quasi blind – und gibt es deshalb Probleme, treten manche Verkäufer auch übel nach.

3. Die Zahlung-Vielfalt

Man steht im Elektrogeschäft an der Kasse, nachdem man sich für einen neuen Kaffee-Aufbrüher entschieden hat. Die Kassiererin verlangt 69,99 Euro. Was macht man nun? Man zieht entweder Euroscheine hervor und übergibt sie, oder zückt Kredit- bzw. EC-Karte. Drei Möglichkeiten, vollkommen ausreichend und zudem bei nahezu jedem Geschäft gleichermaßen vorhanden.

Dagegen das Internet. Selbst kleine Shops stellen einen hier vor ungleich mehr Wahlmöglichkeiten:

  • Vorkasse per Überweisung
  • Nachnahme
  • Kreditkarte
  • Lastschrift (also Abbuchung vom Konto)
  • Rechnung
  • Internet-Bezahlsysteme, bei denen ein Drittunternehmen als Mittelsmann zwischen dem Verkäufer und dem eigenen Bankkonto fungiert [2]

Insgesamt gibt es allein in Deutschland gut zwei Dutzend Internet-Zahlungsvarianten – und es bleibt jedem Verkäufer überlassen, was er davon anbietet. Das ist schon für sich alleine unübersichtlich. Verschärft wird es dadurch, dass die wenigsten Systeme in Sachen Sicherheit „seniorentauglich“ sind. Will man wirklich einem vollkommen Unbekannten, nichts anderes ist ja der Betreiber eines Internetgeschäfts, so diffizile Daten wie die Bankverbindung oder Kreditkartennummer nennen? Eher nicht. Und egal wie schnell man bezahlt, es bleibt naturgemäß eine mehrtägige Zeitverzögerung, bis die Ware eintrifft.

4. Umtauschchaos

Nehmen wir an, man hat sich das in Punkt 1 genannte Paar Herrenschuhe gekauft. Als sie endlich eintrudeln, stellt man fest, dass nicht nur die Farbe ganz anders ist, als auf den Bildern angegeben. Die Schuhe fallen auch noch zu klein aus, der Linke ist größer als der Rechte und bei einem ist die Sohle nicht richtig angenäht.

Einkaufen onlineIm Laden hätte man das direkt gesehen und die Schuhe gar nicht erst gekauft. Im Internet steht man jetzt jedoch vor Problemen. Natürlich, wenn es sich um einen Schadensfall handelt, stehen einem als Käufer auch online die beiden Säulen des Käuferschutzes [3] zur Verfügung, also Garantie und Gewährleistung. Für das Beispiel mit den Schuhen käme beides infrage, weil hier offensichtliche Mängel vorliegen. Und weil in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf die Beweislast beim Verkäufer liegt, hat man ohne Wenn und Aber Anspruch auf Nachbesserung. Doch schon dabei fängt es an: diese Rechte gelten unbegrenzt so erst einmal nur, wenn sowohl Käufer wie Verkäufer in Deutschland bzw. der EU ansässig sind. Sitzt der Verkäufer außerhalb davon, sieht es schon wesentlich schlechter aus.

Und selbst wenn: Zunächst muss man das fehlerhafte Produkt wieder einpacken, muss einen Rücksendeschein anfordern, muss es zur Post bringen und dann heißt es wieder warten – bis sich der Verkäufer mit einem in Verbindung setzt, er sich bequemt, einem die bezahlte Summe (abzüglich Versandkosten) zurückzuerstatten oder ein neues Produkt zuzusenden.

Unabhängig vom individuellen Aspekt machen aktuelle Schlagzeilen darauf aufmerksam, dass große Versandhandelsunternehmen zurückgesendete Ware i. d. R. sofort zerstören, da die Kosten für die Unternehmen geringer sind, als würden die Produkte überprüft und ggfs. neu angeboten werden. Die Schattenseiten des kapitalistischen Wirtschaftssystems macht sich hier wieder einmal bemerkbar.

5. Mindestbestellwert und andere Forderungen

Die bislang genannten Punkte galten so für praktisch die gesamte Internet-Einkaufswelt. Dieser hingegen kommt nicht bei jedem Shop vor, ist dafür aber umso nerviger und stellenweise dreist. Denn es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, was ein Versand kosten darf – nur Berechnungs-Grundlagen [4], an die sich der Verkäufer halten kann, oder auch nicht.

Natürlich muss klar sein, dass es Geld kostet, eine Ware zu versenden. Das Problem resultiert jedoch daraus, dass hier jeder Verkäufer seine eigene Suppe kochen darf:

  • Der eine setzt einen mehr oder minder hohen Mindestbestellwert fest, der einen zwingt, auf jeden Fall Waren in diesem Wert dort zu kaufen, bevor überhaupt etwas ausgeliefert wird.
  • Der andere offeriert Lieferkostenfreiheit – aber erst, wenn die Bestellsumme einen bestimmten Betrag überschreitet.
  • Der nächste legt immer die gleichen Versandkosten fest, egal was man kauft. Gerade bei Einzelkäufen von kleinen, leichten Dingen führt das dazu, dass dieser Kostenpunkt nicht nur unverhältnismäßig hoch ist, sondern teilweise bei Kleinwaren im Euro-Bereich den Warenwert übersteigt.
  • Wieder andere locken mit unglaublich niedrigen Warenpreisen, nur um dann am Ende des Bestellvorgangs einen dreist hohen Versand aufzuschlagen.

Und davor schützen kann man sich nur, indem man aufpasst wie ein Luchs, immer auf die Summen unter dem Strich achtet und vergleicht, vergleicht, vergleicht. Und es sollte klar sein: Über diesen zusätzlichen Aufwand kann auch jeder Zeit- und Gemütlichkeitsvorteil verlorengehen, den das Onlineshopping für sich in Anspruch nimmt. Wer drei Stunden auf diversen Shopseiten zwangsweise verbringt, hat dadurch mitunter mehr Lebenszeit vergeudet, als wenn er einfach in der nächsten Stadt in ein Ladengeschäft spaziert wäre.

Fazit: Wo Licht ist, ist auch Schatten

Das Internet hat als Einkaufswelt durchaus Meriten vorzuweisen. Doch sollte man nicht blind darauf setzen. Gerade für Senioren kann es in vielen Fällen die sicherere und deutlich stressfreiere Lösung sein, bestimmte Waren einfach wie gehabt im Laden zu kaufen, sich zu beraten lassen und vor Ort auszuprobieren – wo man im Schadensfall auch einen direkten Ansprechpartner hat, statt einen, den man abermals nur übers Internet erreicht.

Recherchequellen

[1] http://www.spiegel.de/spiegel/wie-amazon-und-co-unser-leben-revolutionieren-a-1182751.html
[2] https://wize.life/themen/kategorie/wissen/artikel/39274/wie-funktioniert-paypal
[3] https://www.ersatzteile-24.com/Garantie_und_gewaehrleistung.html
[4] https://www.ecommerce.jetzt/versandkosten-kalkulation/


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