Flexi-Rente: So wird sie bisher bewertet

Flexi-RenteÜberwiegend positiv – so lässt sich die Kommentierung der von der Bundesregierung geplanten Flexi-Rente durch die Medien und Experten zusammenfassen. Ab dem nächsten Jahr sollen Arbeitnehmer in wesentlich größerem Umfang entscheiden können, wie lange sie je nach Neigung, Gesundheitszustand und Finanzlage weiterarbeiten möchten: Zwischen 63 und 70 können Arbeitnehmer bei der Flexi-Rente individuell festlegen, wann sie aufhören zu arbeiten. Kritiker bemängeln, dass die Reform nur die ohnehin gut aufgestellten Rentner in spe betrifft.

Flexi-Rente zur Bekämpfung des drohenden Mangels an Arbeitskräften

Die Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in das Rentnerdasein durch die Flexi-Rente bringe nicht nur Arbeitnehmern Vorteile. Zahlreiche Pressekommentare heben hervor, dass auch Unternehmen in erheblichem Umfang von dieser Reform profitieren. Sie sind sich einig in der Auffassung, dass die Flexi-Rente eine wichtige Aufgabe bei der Bewältigung der durch den demographischen Wandel verursachten Probleme erfüllen kann. Arbeitgeber dürfen ihre Meinung nach darauf hoffen, dass viele qualifizierte Arbeitnehmer Ihnen wesentlich länger als bisher erhalten bleiben.

Flexi Rente 2017Einige Zeitungskommentatoren weisen allerdings darauf hin, dass die Flexi-Rente diesen erwünschten Effekt nur haben wird, wenn sich die Arbeitsbedingungen ändern. Sie sollten so umgestaltet werden, dass es älteren Arbeitnehmern leicht fällt, gesund zu bleiben und ihre Leistungen auch jenseits der 60 zu bringen. In diesem Zusammenhang werden als vorbildliche Beispiele Fertigungsunternehmen angeführt, die Montagebänder betreiben, deren Höhe und Neigung sich individuell auf den Mitarbeiter einstellt.

Andere Pressestimmen befürchten, dass Arbeitnehmer die Flexi-Rente vor allem für ein noch früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben nutzen werden. Sie erwarten, dass die finanziellen Anreize nicht ausreichen, um die Vorzüge eines möglichst frühen Rentenbeginns zu kompensieren. Ihrer Auffassung nach ist ein großer Teil der Arbeitnehmer sogar bereit, erhebliche finanzielle Einbußen bei der Rentenhöhe hinzunehmen, um früher in den Ruhestand gehen zu können.

Weitere Aspekte der Flexi-Rente

Die Neuregelungen zum Hinzuverdienst, der für Rentner ohne Kürzung ihrer Rentenbezüge möglich ist, werden ebenfalls begrüßt. Statt wie bisher maximal 450 Euro pro Monat oder 5.400 Euro pro Jahr, sollen jetzt immerhin 6.300 Euro jährlich hinzuverdient werden können, ohne dass die Rente gekürzt wird.

Frührentner können ab 2017 damit rechnen, dass sie von jedem Euro, den sie über der Grenze von 450 Euro verdienen, immerhin 60 Prozent behalten dürfen. Allerdings scheinen die neuen gesetzlichen Vorschriften vielen Kommentatoren zu komplex und dementsprechend unpraktisch zu sein. Arbeitnehmern, die planen, in ein paar Jahren in Rente zu gehen, dürften ohne professionelle Unterstützung kaum in der Lage sein, wichtige Details zum Hinzuverdienst zu ermitteln.

Andere Kommentatoren sind optimistisch, dass die angekündigte Erweiterung der jährlich übermittelten Renteninformationen hier Klarheit schaffen wird, sodass jeder Bürger den Überblick über seine Rente und die Möglichkeiten des vorzeitigen Ausstieges beziehungsweise der Verlängerung des Erwerbslebens behalten wird.

Zusätzliche Rentenpunkte schon ab 50 Jahren erwerben

Die Möglichkeit, freiwillig bereits ab einem Alter von 50 Jahren und nicht mehr 55 wie bislang zusätzliche Rentenbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen, bildet ebenfalls einen Bestandteil der Rentenreform.

Flexi-Rente ab 63Dies wird einerseits als bürgerfreundlich gewertet. Andererseits fördert die Chance, die Rentenansprüche durch freiwillige Beiträge, zu erhöhen mit Sicherheit nicht die Bereitschaft, länger zu arbeiten. In dieser Hinsicht konterkariert die Regelung die Absicht, die wirtschaftlichen Folgen der Veränderung der Altersstruktur der Arbeitnehmer abzufedern.

Auch die hohen Kosten, die die geplante Flexibilisierung des Renteneintrittsalters nach Einschätzung von Experten mit sich bringen wird, stehen in der Kritik. Die voraussichtlichen Zusatzausgaben von 380 Millionen Euro pro Jahr werden wahrscheinlich nicht nur die Rentenkasse, sondern auch den Steuerzahler belasten.

Rentner als „billige Arbeitskräfte“?

Gewerkschaftsnahe Kreise bemängeln außerdem, den Wegfall des bisher auch für Arbeitnehmer jenseits des Rentenalters zu leistenden Beitrags zur Arbeitslosenversicherung. Sie befürchten, dass Arbeitgeber dies ausnutzen könnten, um Rentner als besonders billige Arbeitskräfte zu beschäftigen.

Nicht zuletzt weisen einige Fachleute daraufhin, dass die Flexi-Rente ebenso wie andere kleinere Reformen lediglich Stückwerk darstellt. Statt durch Modifikationen das bestehende Rentensystem mehr schlecht als recht fortzuführen, sei vielmehr eine grundlegende Reform erforderlich.

Die wirklich Bedürftigen profitieren laut VdK-Präsidentin Mascher nicht, die von NachDenkSeiten.de folgendermaßen zitiert wird: „Menschen, die bis ins hohe Alter gutbezahlte Jobs ausüben können, werden mit der Flexirente bevorteilt, während man diejenigen, die aufgrund ihres körperlichen oder psychischen Verschleißes z.B. eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen müssen, weiter im Regen stehen lässt.“

Fazit: Die geplante Flexibilisierung des Renteneintrittsalters stößt bisher hauptsächlich auf Zustimmung in der deutschen Medienlandschaft. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich die vorgesehenen Änderungen in der Praxis bewähren. Sollten sie dazu führen, dass der Renteneintritt im Durchschnitt früher erfolgt, weil die meisten Arbeitnehmer nicht länger im Berufsleben bleiben möchten, hätte sie ihr Ziel nicht erreicht.

Verwendete Recherchequellen:

Bildquellen: Cevahir, Fotomek & Blende40 – Fotolia


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Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Elisabeth kommentierte am 24. Oktober 2016 at 18:24

    Ich bin im Mai 15 in Frührente mit 5% Abzug gegangen. Kann ich mit Flexirente wieder arbeiten? Ansonsten erst ab Regelalter, das wäre ab März 17 dann unbegrenzt dazu verdienen. Stimmt das so?
    Vielen Dank.

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