Das Alter überlisten: Gut vorbereitet in den Ruhestand

Lebensfreude im Alter

Die Menschen werden aktuell so alt wie niemals zuvor. Das liegt unter anderem an einem bewussten Lebensstil und einem gut ausgebauten Gesundheitssystem. Mit dieser Entwicklung stellt sich verstärkt die Frage, wie wir im Alter leben möchten. Welche Maßnahmen führen dazu, dass sich Menschen selbst in hohem Alter noch ihre Selbstständigkeit und Lebensfreude bewahren? Mit ein wenig Planung und einigen gezielten Maßnahmen im Wohnumfeld lässt sich hier viel erreichen.

Einen neuen Tagesrhythmus etablieren

Wer in den Ruhestand geht, muss sich an die ungewohnt viele Freizeit zunächst einmal gewöhnen. Gerade morgens besteht jetzt scheinbar kein Grund mehr, zu einer bestimmten Uhrzeit wach zu sein. Dennoch ist es ratsam, nicht einfach in den Tag hineinzuleben, sondern sich einen festen Tagesrhythmus anzutrainieren. Es ist wichtig, konkrete Aufgaben und Pläne zu haben, die dann im Laufe des Tages abgearbeitet werden. So behält der Körper und auch der Geist einen gleichmäßigen Biorhythmus, was seiner Gesundheit zugute kommt. Natürlich ist es völlig in Ordnung, sich ein bisschen Luxus zu gönnen. Wer gerne lange schläft, dafür aber nachts länger wach bleibt, hat im Alter die Möglichkeit, das zu tun. Wichtig ist, dass der Tagesablauf möglichst konstant ist und die Freizeit sinnvoll gestaltet wird, um zu starke Schwankungen zu vermeiden. Wer rastet, rostet – eine Feststellung, die auch die Philosophie seit tausenden von Jahren beschäftigt.

Barrierefreies Wohnen ermöglichen

Im Alter gewinnt die Barrierefreiheit rasant an Bedeutung. Häufig wird es immer schwieriger, Treppen zu steigen oder körperliche Anstrengungen zu verrichten. Da ist es nützlich, wenn die Mietwohnung per Fahrstuhl zu erreichen ist oder in den eigenen vier Wänden ein Treppenlift eingebaut wurde. Das gilt insbesondere dann, wenn ältere Menschen auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Ebenso gibt es Küchen, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. Diese besitzen beispielsweise sehr viele ausziehbare Küchenfronten und große Schubladen, die weit unten angebracht sind, damit ältere Menschen mühelos an alle wichtigen Dinge herankommen.

Außerdem ist es wichtig, Kabel im Wohnraum zu vermeiden. Das lässt sich unter anderem über kabellose Telefone, Laptops statt Stand-PCs und WLAN erreichen.

Wer sich für barrierefreies bzw. altersgerechtes Wohnen [1] entscheidet, hat somit viele Möglichkeiten, das eigene Zuhause individuell einzurichten und auf die persönlichen Wünsche und Vorlieben Rücksicht zu nehmen.

Der Umbau des Badezimmers

Für einen entspannten Herbst des Lebens ist es häufig nötig, das Badezimmer neu zu gestalten beziehungsweise umzubauen. So ist es für ältere Menschen beispielsweise schwer, in eine Badewanne zu steigen und wieder herauszukommen. Deswegen ist es sinnvoll, in einer seniorengerechten Wohnung lieber auf eine Dusche zu setzen. Ebenfalls wichtig ist der Umbau der Toilette. Menschen in hohem Alter können sich nicht mehr so tief hinunterbeugen und haben gelegentlich Schwierigkeiten beim Aufstehen. Hier ist es eine gute Idee, einen möglichst hohen Toilettensitz einzubauen, der das Hinsetzen und Aufstehen erleichtert. In diesem Zusammenhang spielen zudem Griffe eine große Rolle [2]. Wenn sich an gut erreichbaren Stellen Haltegriffe befinden, erleichtert das das Aufstehen enorm und unterstützt die Mobilität. Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist zusätzlich wichtig, dass das Badezimmer möglichst groß ist und einen geeigneten Bewegungsspielraum bietet.

Elektronische Geräte und Home-Entertainment nutzen

Lebensabend digitalHeutzutage gehören elektronische Geräte zu unserem Lebensalltag dazu. Da ist es klar, dass auch im Alter niemand auf den Komfort verzichten möchte, den solche Tools zu bieten haben. Hierdurch behalten ältere Menschen Kontakt zu ihrer Umwelt und bewahren sich möglichst lange ihre Eigenständigkeit und Freiheit. Ebenfalls wichtig ist es, dass Geräte wie Handys auf die Bedürfnisse der älteren Generation angepasst sind und beispielsweise über große Tasten und Bildschirme verfügen.

Des Weiteren spielt das Home-Entertainment im Alter eine wichtige Rolle. Denn im Ruhestand ist meist viel Zeit vorhanden, um zum Beispiel Musik zu hören oder die Lieblingsfernsehsendung anzusehen. Hier ist es entscheidend Rücksicht auf die Anforderungen des Alters zu nehmen. Sehr nützlich sind zum Beispiel Kopfhörer für ältere Menschen. Mit diesen können sie in der von ihnen gewünschten Lautstärke fernsehen, ohne den Partner oder die Nachbarn zu stören. Ebenfalls hilfreich sind Musikanlagen, die per Spracherkennung oder über eine Fernbedienung mit großen Tasten gesteuert werden können. Nicht zuletzt erleichtern E-Book-Reader das Lesen, da die Größe der Texte ebenso anpassbar ist wie die Helligkeit des Geräts.

Bei allen Endgeräten gilt: Konsum alleine macht nicht (langfristig) glücklich. Werden Sie also nicht bloss stumpfer Konsument, sondern überlegen Sie, wie Sie kreativ zum Schaffenden werden.

Kreativ werden

Studien zeigen, dass Kreativität bis ins hohe Alter den Geist wach hält und für Lebensfreude sorgt. Deswegen ist es wichtig, sich selbst im hohen Alter noch Ziele zu setzen und Projekte zu realisieren. Das ist zum Beispiel durch den Umbau der Garage in einen Hobbyraum oder eine Werkstatt möglich. Viele ältere Menschen verzichten auf das Auto, weil sie merken, dass ihre Konzentration und Reaktionsfähigkeit nachlassen. In diesem Fall wird eine Garage nicht mehr gebraucht und kann einem neuen Verwendungszweck zugeführt werden. Ebenso ist es aber möglich, einen vorhandenen Keller aus- beziehungsweise umzubauen.

Je nach Wunsch kann hier eine Töpferwerkstatt eingerichtet, ein Musikzimmer eingebaut oder ein Hobbyraum mit Billardtisch [3], Dartscheibe und Flipper verwirklicht werden. Hier können ältere Menschen dann ihrem Hobby nachgehen und aktiv sein. Das macht einerseits Spaß und sorgt andererseits dafür, dass der Verstand gefordert ist und rege bleibt. Wichtig ist es, bei der Einrichtung großen Wert auf Sicherheit zu legen und darauf zu achten, dass der neue Kreativbereich möglichst barrierefrei ist.

Hilfe annehmen

Hilfe annehmenEine vermeintlich einfache Regel, die aber viele ältere Menschen nicht einhalten, lautet: Sei bereit, Hilfe anzunehmen. Mit zunehmendem Alter lassen die körperlichen Fähigkeiten nach und es ist einfach nicht mehr möglich, einen Getränkekasten bis in den dritten Stock zu tragen. Um den Lebensabend möglichst entspannt genießen zu können, ist es daher wichtig, sich bei solchen Dingen helfen zu lassen. Das ist einerseits möglich, indem ein Lieferservice oder ein anderer Dienstleister beauftragt wird. Häufig sind aber auch Familienmitglieder und Freunde gerne bereit, zu helfen und schwierige Aufgaben zu übernehmen. Hier ist es wichtig, nicht zu stolz zu sein, solche Hilfsangebote anzunehmen.

Mobilität im Alter erreichen

Je länger sich ältere Menschen ihre Mobilität und Eigenständigkeit bewahren können, desto besser. In diesem Zusammenhang spielen Gehhilfen eine wichtige Rolle. Wenn die Beweglichkeit nachlässt, reicht häufig zunächst ein Stock aus. Dieser bietet auf allen Wegen Halt und dient als nützliche Stütze. Später ist ein Rollator eine gute Möglichkeit, um sich auch ohne fremde Hilfe möglichst frei bewegen zu können. Das ist besonders wichtig, da Senioren in der Regel viele kurze Wege zurückzulegen haben. Sie brauchen für den Gang zum Bäcker, zum Arzt oder zu Freunden meist kein eigenes Auto mehr (zumindeset aus rationaler Sicht, wie die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel unterstreicht [4]), weil diese sich alle in der unmittelbaren Nähe befinden und gut zu erreichen sind. Sollte dies nicht der Fall sein, lässt sich Mobilität beispielsweise durch einen elektrischen Rollstuhl erreichen. Sollte auch dieser nicht mehr ausreichen, ist es sinnvoll, einen privaten oder kommerziellen Fahrdienst zu nutzen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das ist besonders bequem und sicher, kostet allerdings Zeit (für Verwandte und Freunde) beziehungsweise Geld. Das lohnt sich jedoch zumeist, da Mobilität im Alter und Freizeitaktivitäten außerhalb der eigenen Wohnung nachweislich zur Lebensfreude im Alter beitragen.

Fazit: Glück im Alter lässt sich planen

Wer im hohen Alter glücklich und weitestgehend selbstbestimmt leben möchte, sollte bereits in jungen Jahren etwas dafür tun. Neben einer finanziellen Absicherung und dem Aufbau guter sozialer Kontakte spielt der Umbau der eigenen Wohnung hier eine große Rolle. Je weniger Schwellen und Hindernisse im Alltag zu überwinden sind desto besser. Eine größtmögliche Mobilität bei kleinstmöglichem Kraftaufwand muss das Ziel sein. Ebenso wichtig ist es, sich einen konstanten Tagesrhythmus zuzulegen und sich durch Aktivitäten und Hobbys körperlich und geistig fit zu halten. Hierbei leisten technische Geräte wie Sprachassistenten eine große Hilfe, aber auch die Unterstützung von Freunden und Verwandten ist viel wert. Wer sich frühzeitig mit dem Älterwerden beschäftigt und geeignete Maßnahmen für einen glücklichen Lebensabend ergreift, kommt im Alter meist gut zurecht.

Recherchequellen

[1] https://www.bauratgeber-deutschland.de/hausbau-ratgeber/ausbau-renovierung/altersgerecht-wohnen-diese-umbaumassnahmen-koennen-heimwerker-leisten/
[2] https://www.online-wohn-beratung.de/wohnungsanpassung-barrierefrei-(um-)-bauen/ratgeber-wohnungsanpassung-barrierefrei-(um-)-bauen-tipps-loesungsbeispiele/bad-und-wc/halte-und-stuetzgriffe-am-wc/
[3] http://billardtisch-ratgeber.de/billardtisch-masse-ueberblick/
[4] https://www.sueddeutsche.de/auto/autofahren-im-alter-verzicht-bedeutet-kapitulation-1.1613185

Bildquellen: Bild 1: fotolia.com © Kzenon #175855231 | Bild 2: fotolia.com © Robert Kneschke #272817556 | Bild 3: fotolia.com © Mediteraneo #195386711


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