Eltern­unterhalt – wenn Kinder finanziell für Ihre Eltern aufkommen

Wenn Kinder für Eltern aufkommen müssen kommt Elternunterhalt zum TragenMancher Senior muss mit einer geringen Rente zurechtkommen: Laut Deutscher Rentenversicherung hat 2013 etwa jeder zweite Rentner weniger als 700 Euro für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung. Dieses Armutsproblem verschärft sich dann, wenn plötzlich noch Pflegebedürftigkeit eintritt. Nun sind die eigenen Kinder in der Pflicht.

Rechtliche Grundlagen des Elternunterhalts

In Deutschland gilt eine wechselseitige Unterhaltspflicht, das heißt, Eltern müssen für ihre Kinder, Kinder für ihre Eltern bezahlen. Zunächst ist jedoch der Ehepartner gefordert, ist dieser bereits verstorben oder lebt der Senior allein, werden die leiblichen Kinder herangezogen.

Ist das Einkommen der leiblichen Kinder nicht hoch genug, können auch die Schwiegerkinder zur Unterhaltszahlung verpflichtet werden. Generell nicht unterhaltpflichtig sind Geschwister, Tanten, Cousinen und Enkel. Wie hoch die Unterhaltspflicht tatsächlich ist, ergibt sich aus der (finanziellen) Leistungsfähigkeit der Kinder, bei mehreren Kindern wird der Unterhalt prozentual auf diese aufgeteilt. Nur in Härtefällen entfällt die Unterhaltspflicht.

Heimkosten – Kinder müssen Unterhalt bezahlen

Besonders im Fall der Pflegebedürftigkeit und Heimunterbringung wird der Unterhalt interessant, denn die Heimkosten können kaum von den Senioren allein getragen werden. Diese betragen je nach Heim und Pflegestufe zwischen 2.500 und 4.000 Euro im Monat. Zunächst werden das eigene Einkommen des Bewohners, Zahlungen der Pflegeversicherung sowie Pflegewohngeld herangezogen, um diese Kosten decken zu können.

Während die Pflegeversicherung jedoch ausschließlich die Kosten für pflegerische und medizinische Maßnahmen leistet, müssen die eigentlichen Unterbringungskosten selbst bezahlt werden. Oft entsteht eine Deckungslücke, die zunächst vom Sozialamt übernommen wird. In diesem Fall geht der Unterhaltsanspruch auf die Behörde über.

Verfahren des Sozialhilfeträgers

Im Rahmen des Nachrangprinzips (zur Erklärung siehe blaue Box) geht der Sozialhilfeträger in Vorleistung und bezahlt die übrig gebliebenen Heimkosten. Haben die Senioren jedoch Sozialhilfe oder Grundsicherung beantragt, kommt der Träger auf die leiblichen Kinder zu. Die Behörde informiert die Kinder, dass sie Unterhalt zahlt (Rechtswahrungsanzeige) und fordert die Kinder auf, Auskünfte über ihr Einkommen zu machen.

Das Nachrangprinzip (Subsidiarität), politische/gesellschaftliche Maxime, stellt Selbstverantwortung vor staatliches Handeln. Wenn der Staat eine Aufgabe nach diesem Prinzip lösen möchte, so sind im Zweifel die untergeordneten Glieder wie z. B. die „Stadt“ oder die „Kommune“ für die Umsetzung zuständig. Das Nachrangprinzip ist eine tragende Säule in der Europäischen Union.

Die Kinder sind laut §1605 BGB verpflichtet, der Behörde Auskunft zu erteilen. Dies kann mit einem Formular oder einem frei formulierten Text geschehen. In einem komplexen Berechnungsverfahren prüft die Behörde nun, ob eine Leistungsfähigkeit gegeben ist, also genug Einkommen vorhanden ist, um den Eltern Unterhalt und somit auch die Heimkosten bezahlen zu können.

Unterhaltshöhe: Rechtliche Beratung in Anspruch nehmen

Wie viel Unterhalt die Kinder bezahlen müssen, ergibt sich aus der Höhe des Einkommens sowie des Vermögens.

Es gelten jedoch Freigrenzen, der sogenannte „Selbstbehalt Elternunterhalt“, der in der Düsseldorfer Tabelle nachgelesen werden kann. Wichtig ist, dass der Lebensstandard der unterhaltspflichtigen Kinder erhalten bleibt, so werden verschiedene finanzielle Belastungen mit einkalkuliert, etwa Kreditraten, Versicherungen oder Zahlungen für die eigene Altersvorsorge.

So dürfen bis zu fünf Prozent des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zurückgelegt werden, daneben werden bestimmte Vermögensinhalte als „Schonvermögen“ gewertet. So darf beispielsweise das Eigenheim, in dem die Kinder selbst wohnen, nicht zur Berechnung der Unterhaltshöhe herangezogen werden.

Wenn der Zahlungsbescheid eintrifft, können nicht nur die unterhaltspflichtigen Kinder eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, auch Senioren sollten dies nutzen, denn die Unterhaltshöhe kann auch zu Ungunsten der Älteren ausfallen.

Wie Vorsorge betreiben?

Nach einer grundlegenden Rentenberechnung sollten die finanziellen Aussichten abgewogen werden. Oft haben alle Parteien bereits ausreichend vorgesorgt, zumindest aber wird die Private Pflegeversicherung in Anspruch genommen, die im Ernstfall überdimensionale Kosten abfedern. Sehr verbreitet ist – verständlicherweise – auch der Fall, dass Eltern ihren Kindern nicht mit Unterhaltsklagen zur Last fallen möchten und auf ihren Anspruch verzichten.

Bildquelle: Alexander Raths – Fotolia


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
3,75 von 5 Punkten, basierend auf 4 abgegebenen Stimmen.


Bewerten Sie diesen Artikel - Hinterlassen Sie gerne auch ein Kommentar!
Loading...

Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Lars kommentierte am 24. Oktober 2019 at 8:29

    Sehr interessant, dass selbst die Schwiegerkinder zur Zahlung von Unterhaltskosten verpflichtet werden können. Ich wusste nicht einmal, dass Kinder verpflichtet sind ihren Eltern Unterhalt zu zahlen, wenn diese pflegebedürftig sind. Generell macht es aber Sinn, schließlich zahlen die Eltern ja auch lange genug für die Kinder.

Kommentar schreiben

(auch anonym möglich)

Hier haben Sie die Möglichkeit den Beitrag (wenn Sie mögen anonym) zu kommentieren und Ihre Erfahrungen und Meinungen zu schildern. Wir freuen uns über jeden Kommentar! Bitte beachten Sie jedoch, dass wir politische Hetze gegenüber Minderheiten und Aufrufe zu Gewalt nicht veröffentlichen werden.

Rentner, Senioren, ältere Menschen, goldene Jahre, Herbst des Lebens, Silver Surfer - Bezeichnungen für die Leser dieses Magazins gibt es viele. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir in unseren Publikationen so weit wie möglich mit neutralen und wertfreien Bezeichnungen arbeiten bzw. allgemein an "den Leser" adressieren.
Seniorenbedarf.info