Schlaganfall: Anzeichen, Symptome und die Versorgung von Patienten

SchlaganfallDer Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Zwischen 160.000 und 280.000 Deutsche sind jährlich von einem Schlaganfall betroffen. Alle drei Minuten ereignete sich ein Schlaganfall, alle neun Minuten kommt ein Mensch in Deutschland aufgrund dessen ums Leben. Weltweit ist dies der häufigste Grund für lebenslange körperliche Einschränkungen. Was sind die Ursachen, was die Behandlungsmöglichkeiten bei einem Schlaganfall und wie kann das Risiko von Langzeitschäden minimiert werden?

Ursachen und Symptome eines Schlaganfalls

Durch den Verschluss oder das Platzen eines Blutgefäßes im Gehirn kommt es zu einer lebensbedrohlichen Einschränkung der Blutversorgung. Dies führt zu einem Schlaganfall, auch Hirninfarkt, Gehirnschlag oder Apoplex genannt. Viele Patienten beschreiben das Gefühl bei einem Schlaganfall, wie ein Gewitter im Kopf. Es kommt innerhalb von wenigen Minuten zu Lähmungen der Arme und Beine, das Sprechen wird erschwert und das Bewusstsein trübt sich. Die vom Schlaganfall betroffenen Hirngebiete erhalten plötzlich weder genug Sauerstoff noch andere Nährstoffe. Ihre Funktion ist beeinträchtigt und im schlimmsten Fall drohen die Nervenzellen abzusterben. Welche Fähigkeiten nach einem Schlaganfall verloren gehen, hängt von den betroffenen Arealen im Gehirn ab.

Schlaganfall BlutgefäßOft müssen Betroffene und ihre Angehörigen sich nach einem Schlaganfall mit Themen wie Behinderung und Pflege auseinandersetzen und das vom einen auf den anderen Tag. Ein Schlaganfall verändert das Leben der Betroffenen also im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig. In acht von zehn Fällen ist ein Gerinnsel. Ein plötzlicher Riss eines Blutgefäßes ist der andere Grund, warum es zu einem Schlaganfall kommt. Ein hoher Blutdruck, kann ein Grund dafür sein, dass Gefäße reißen. Alltägliche Tätigkeiten, wie essen, sich ankleiden oder sprechen müssen nach einem Schlaganfall häufig neu erlernt werden. Nicht betroffene Hirnregionen übernehmen in der Folgezeit diese Aufgabe.

Häufige Symptome und Anzeichen eines Schlaganfalls auf einen Blick

Meist tut ein Schlaganfall nicht weh, deshalb merken viele Menschen gar nicht, wenn sie einen erleiden. Dabei kann bei sofortiger Behandlung im Krankenhaus Schlimmeres verhindert werden. In so einem Fall zählt jede Minute. Wenn folgende Symptome auftreten, ist Vorsicht geboten:

  • Lähmungserscheinungen einer Körperhälfte, eines Beines, eines Armes, einer Gesichtshälfte sowie Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Gliedern
  • Probleme beim Sprechen und beim Verstehen von Gesprochenem, undeutliche Sprache oder völliger Verlust der Fähigkeit zu sprechen
  • Blindheit oder Sehschwäche auf einem Auge oder auf einer Seite des Gesichtsfeldes
  • Verschwommenes Sehen und das Sehen von Doppelbildern
  • Übelkeit, Erbrechen und Schwindel, Schwierigkeiten die eigenen Bewegungen zu koordinieren und Gleichgewichtsprobleme
  • Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
  • Heftige und abrupt einsetzende Kopfschmerzen

Zahlen und Fakten rund um den Schlaganfall

  • Ein Schlaganfall kommt vor allem bei älteren Menschen vor. Bei rund 80 Prozent aller Schlaganfälle sind Personen über 60 betroffen
  • Fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle treten bei unter 50jährigen auf
  • Sogar Kinder und Neugeborene können einen Schlaganfall erleiden
  • Bis zum Jahr 2025 werden sich die Kosten zur stationären und ambulanten medizinischen Behandlung und für Rehabilitations- und Pflegeaufwand für Schlaganfall-Patienten auf circa 109 Milliarden Euro belaufen
  • Rund 70 Prozent der Menschen, die aufgrund eines Schlaganfalls pflegebedürftig wurden, werden unentgeltlich von ihren Angehörigen Zuhause gepflegt
  • Spezialisten sind der Meinung, dass circa 70 Prozent der Schlaganfälle durch präventive Therapien verhindert werden könnten

Folgen eines Schlaganfalls

Um die Folgen eines Schlaganfalls zu minimieren, ist ein möglichst schneller Behandlungsbeginn entscheidend. Mehr als die Hälfte der Schlaganfallspatienten haben ein halbes Jahr nach danach noch mit Behinderungen zu kämpfen.

Laut den Ergebnissen einer Nachbefragung des Schlaganfallregisters Nordwest-Deutschland leben circa 70 Prozent aller überlebenden Schlaganfall- und TIA-Patienten drei Monate nach dem Ereignis recht unabhängig im eigenen Zuhause. Wer diese Möglichkeit nicht hat, muss die Folgejahre in einem Pflegeheim verbringen.

Da es manchmal vorkommt, dass sich die betroffene Person nicht mehr mitteilen kann, ist es notwendig, bereits im Vorfeld eine Patientenverfügung zu veranlassen. Ärzte, Pflegepersonal sowie die Angehörigen müssen sich laut dem Versicherer Ergodirekt an diese Verfügung halten. Auf diese Weise ist es möglich, die eigenen Behandlungswünsche festzulegen.

Kritische Fragen, wie etwa lebenserhaltende Maßnahmen oder ähnliches, sind so bereits vor dem Eintritt des Schlaganfalls festgelegt. Ferner wird empfohlen auch eine zusätzliche Vertrauensperson zu ernennen. Diese kann, sofern sie über eine Vorsorgevollmacht verfügt, nach bestem Wissen und Gewissen über die gesundheitliche Situation des betroffenen agieren und entscheiden. Diese Pflegesituation ist jedoch nicht nur bei Schlaganfällen von Bedeutung, sondern grundsätzlich bei Menschen, die sich bereits in einem hohen Alter befinden.

Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung von Schlaganfallpatienten

Schlaganfall VerdachtBei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. In der Notfalltherapie geht es in erster Linie darum, den Patienten am Leben zu erhalten und das Gehirn zu schützen. Im Anschluss findet meist eine Rehabilitation statt, die darauf abzielt, die durch den Schlaganfall beschädigten Hirnareale wiederherzustellen. Unterschieden wird hierbei zwischen der Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls und eines hämorrhagischen Schlaganfalls.

Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls

Die Durchblutung des betroffenen Gehirnareals muss bei einem ischämischen Schlaganfall so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Lyse kommt dabei zum Einsatz. Entweder wird das blutgerinnselauflösende Mittel durch die Vene in den gesamten Körper oder durch einen Katheter direkt in das betroffene Gehirngefäß gespritzt. Die Therapie mittels systemischen Thrombolyse mit rt-PA sollte möglichst in einem Zeitfenster von vier bis fünf Stunden nach dem Einsetzen der ersten Symptome begonnen werden.

Eine schnelle Behandlung mit Lyse trägt dazu bei, die Behinderungen die durch den Schlaganfall entstehen können, zu minimieren und Todesfälle zu reduzieren. Allerdings birgt diese Therapie das Risiko der Entstehung von Hirnblutungen und kann außerdem bei bestimmten Vorerkrankungen von Patienten nicht angewandt werden. Unter aerztezeitung.de (siehe Quellen) werden Alternativen zur Lyse beschrieben. Spezielle Formen des ischämischen Schlaganfalls können auch mit der sogenannten Thrombektomie behandelt werden. Dabei wird das Blutgerinnsel durch sehr dünner Katheter mechanisch entfernt und abgesaugt. Diese Behandlung kommt allerdings nur für Gerinnsel an den großen Hirngefäßen in Frage. Das Zeitfenster für diese Behandlungsmethode beträgt circa acht Stunden.

Behandlungsmöglichkeiten eines hämorrhagischen Schlaganfalls

hämorrhagischer SchlaganfallDie Blutung schnellstmöglich zu stoppen und Folgeschäden der Blutung zu minimieren, steht bei dieser Behandlung im Vordergrund. Das auftretende Blut verursacht ein Blutgerinnsel, welches umliegendes Gewebe verdrängt. Der dadurch entstehende Druck kann gesunde Hirnareale schädigen, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Die im Blut enthaltenen Stoffe schädigen darüber hinaus die Gehirnzellen. Bei stärkeren Blutungen muss das Blut deshalb operativ beseitigt werden. Eine Öffnung des Schädels kann dafür sorgen, dass der Druck abgebaut wird. In manchen Fällen kann der Riss im Gefäß auch wieder verschlossen werden.

Spezielle Schlaganfallstationen und ihre Aufgaben

Eine Station speziell für akute Schlaganfallpatienten gewährleistet eine besonders intensive Betreuung. Bei einem akuten Schlaganfall ist der Verlauf der Krankheit meist sehr instabil. Dies macht eine intensive Betreuung und Versorgung der Patienten nötig. Es wird alles getan, um die Symptome der ersten Krankheitsphase zu minimieren, beziehungsweise ihre Zunahme zu vermeiden. Ärzte und Pflegepersonal arbeiten auf einer Schlaganfallstation mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeitern zusammen.

Die Aufgaben der Schlaganfallstation auf einen Blick:

  • Diagnostik des Schlaganfalls
  • Blutdruck, Herzaktion, Sauerstoffgehalt des Blutes, Blutzucker, Körpertemperatur und Blutfluss der zum Gehirn führenden Blutgefäße werden überwacht
  • schneller Beginn einer gezielten medikamentösen Therapie sowie der Überwachung der Nebenwirkungen
  • Frührehabilitation mit Hilfe des Pflegeteams (Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie)

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Physiotherapie SchlaganfallDie akute Behandlung des Schlaganfalls ist nur der erste Schritt. Anschließend muss das Risiko weiterer Schlaganfälle minimiert werden. Risikofaktoren des Patienten werden analysiert und bei Bedarf werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Neben der Änderung des Lebensstils, können das auch des Senken des Bluthochdrucks oder die Reduzierung der Blutfettwerte sein.

Um Patienten wieder ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, kann eine Rehabilitation begonnen werden. Dazu gehören Physio-, Ergo- und Logopädie. Im besten Fall gelingt es alle Fähigkeiten wiederherzustellen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Therapiemöglichkeiten, die allerding nicht immer von allen Ärzten anerkennt werden. Dazu gehört das neuropsychologische Training, die Forced Use Therapie, das Biofeedback-Training sowohl Formen der künstlerischen Therapie und der Gesprächs- und Verhaltenstherapie.

In eigener Sache: unser Autor hat diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung.

Recherchequellen:

Bildquellen/Fotografen: Photographee.eu, Christian Müller, Kalinovsky Dmitry und lightwavemedia (alle Fotolia)


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