Studium im Alter – geistige Ertüchtigung lockt

In einem Seniorenstudium können interessante Studiengänge nachgeholt werdenNeben Ehrenamt, Hobby oder einen Nebenjob reizt es immer mehr Menschen im gehobenen Alter den geistigen Horizont durch ein Seniorenstudium zu erweitern. Sei es als Zweitstudium oder als erster Berührungspunkt mit Universität oder Fachhochschule: Studiengänge wie Philosophie, Politikwissenschaften oder Kunstgeschichte werden immer begehrter. Denn sie vermitteln Erkenntnisse, nach denen viele ihr Leben lang vergeblich suchen.

Die Gesellschaft wird immer älter, Senioren haben dank einer verbesserten Gesundheitsversorgung und hochwertiger Lebensmittel eine höhere Lebensqualität als noch vor einigen Jahrzehnten. Statistiken gehen von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 77 Jahren für Männer und 82 Jahren für Frauen aus. Mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben bleiben also noch viele Jahre, die mit Aktivität und Sinn gefüllt werden wollen. Neben dem Ehrenamt oder dem Nebenjob nimmt der Trend zum Seniorenstudium stetig zu, die Immatrikulationszahlen an sogenannten Seniorenakademien sprechen eine deutliche Sprache. Immer mehr alte Menschen suchen in ihrer dritten Lebensphase die geistige Herausforderung, selbst Hirnforscher empfehlen das Lernen im Alter, um das Gehirn auf Trab zu halten.

Vielfältige Gründe für ein Studium

Dabei können ganz unterschiedliche Gründe für ein Studium im Alter sprechen. Da sind die Senioren, die nach der „Pflicht“ der Kindererziehung und dem Job nun endlich Zeit und Muße finden, das lange gepflegte Hobby auf wissenschaftlicher Grundlage neu zu entdecken. Nicht der Arbeitsmarkt entscheidet über die Wahl des Studienfachs, sondern allein das Interesse an Neuem. Exotische Fächer und Sprachen, aber auch Philosophie oder Politikwissenschaften im Rahmen des Studium generale sind bei Senioren besonders beliebt. Zudem wird der Austausch mit Gleichgesinnten angestrebt. Besonders, wenn der Lebenspartner und die Freunde verstorben sind und keine Kinder und Enkel da sind, droht die Einsamkeit. Ein Seniorenstudium bietet in der schwierigen Zeit nach der Berentung auch einen festen Anker, strukturierte Lehr- und Zeitpläne, anstehende Leistungstests, interessierte Kommilitonen und eine aktive Lebensgestaltung helfen dabei mit den Veränderungen umzugehen.

Dank spezieller Angebote für die ältere Zielgruppe können nun auch jene studieren, die kein Abitur gemacht haben. In Bad Meinberg existiert mittlerweile sogar die erste deutsche Seniorenuni, Studierende im besten Alter bleiben hier unter sich. Wer die Kommunikation mit Jüngeren hingegen nicht scheut, ist an den klassischen Hochschulen genau richtig; hier studieren Alt und Jung neben- und miteinander. Und wenn es mit dem Gedächtnis oder der Konzentrationsfähigkeit im Hörsaal mal hakt, helfen die Jüngeren sicher gern weiter. Umgekehrt kann man den Jungen lebensweise Ratschläge erteilen und ist bei manch einem Problem genau der richtige Ansprechpartner.

Der Weg zum Seniorenstudium: Diese Formen gibt es

Ältere Menschen, die den Neuanfang in Sachen Bildung noch mal wagen möchten, können aus drei verschiedenen Varianten wählen. Ohne Hochschulberechtigung können Senioren als Gasthörer studieren, nur in Bayern ist auch für Gasthörer das Abitur vorgeschrieben. Aus dem breiten Kurs- und Vorlesungsangebot kann sich jeder seinen individuellen Plan zusammenstellen, das Studium ist in diesem Modell eher als eine Art Fortbildung zu sehen, Prüfungen finden nicht statt, der Leistungsdruck entfällt, nur der Spaß am Lernen bleibt. Für besonders ehrgeizige und ambitionierte Studenten steht das klassische Hochschulstudium inklusive aller Zulassungsbeschränkungen und akademischer Voraussetzungen offen. Wer durchhält, wird mit einem regulären Abschluss belohnt. Außerdem bieten immer mehr Unis die Seniorenakademie an, diese ist durch zusätzliche Beratungs- und Betreuungsangebote charakterisiert, das Studienangebot ist speziell auf die Interessen und Bedürfnisse von Älteren abgestimmt.

Ältere Menschen, die in Nordrhein-Westfalen wohnen, können zudem das Angebot der Seniorenuniversität wahrnehmen, Träger dieses Bildungsangebotes ist die EZUS (Europäisches Zentrum für universitäre Studien der Senioren). Für einen Studienbeitrag von 1200 Euro im Jahr kann hier ein „Studium Universale“ absolviert werden, dieses besteht aus den unterschiedlichsten Fächern wie Medizin, Philosophie oder Kommunikation. Wer mag, kann den Abschluss als „Senior Consultant“ erwerben, mit diesem können ältere Menschen wieder ins Berufsleben zurückkehren und mit ihrer Erfahrung Unternehmen beraten. Doch vor einem möglichen Abschluss sollten sich auch ältere Studierende ausführlich informieren, dies ist etwa mit Einführungsveranstaltungen der Uni, Angeboten der Studienberatung oder der Hilfe bereits eingeschriebener Kommilitonen möglich. Schüchternheit oder Hemmnisse, fremde Menschen anzusprechen, sollten angesichts der immensen Lebens- und Berufserfahrung wirklich kein Problem mehr darstellen.

Bildnachweise: ‘Independent Study ’ wurde vom unter dem Pseudonym ‘Alex’ tätigen Fotografen erstellt. Das Bild unterliegt der CC-Lizenz (BY 2.0) | http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen.


Bewerten Sie diesen Artikel - Hinterlassen Sie gerne auch ein Kommentar!
Loading...

Die Kommentare und Meinungen unserer Leser (Leserbriefe)

  1. Alexander Paesch kommentierte am 20. August 2018 at 9:42

    Nur sechs, der sechzehn Bundesländer, darunter eben auch Niedersachsen, verlangen von Studierenden ab dem 60. Lebensjahr eine zusätzliche Studiengebühr. Hier wiederum ist es Niedersachsen, das mit 800,- Euro je Semester (!) den mit Abstand überhaupt höchsten Satz hierzu erhebt (vgl. §13/4 NHG). Zuzüglich der fälligen Semestergebühren sind damit rund 200,- Euro je Monat und je Ü60-Student in Niedersachsen aufzubringen.

    In dessen 2016 im Nomos-Verlag erschienenen Buch ‚Kommentar zum Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG)‘ liefert der Jurist und aktuelle Präsident der Hannoverschen Leibniz Universität (LUH), Prof. Dr. Volker Epping, eine gegenüber dem föderalen und europäischen Recht sehr zweifelhafte Daseinsberechtigung für die aktuelle Fassung vom §13/4 NHG.

    Im Hinblick auf ein späteres Erwerbsleben wird diese Gebühr unisono mit der Ressourcenschonung zur Priorisierung des Erststudiums begründet. Gleichwohl standen im WS 2017/18 am Beispiel der LUH den dortigen 28.500 Studenten nur 45 sogenannte Ü60 Studenten gegenüber; gleichzeitig aber mehr als 600 Gasthörer allein diesen Alters, welchen für eine Gebühr von 125,- Euro je Semester alle Hörsaaltüren zur Teilnahme offen stehen.

    Was den allgemeinen Zugang zu einer universitären Bildung anbetrifft, ist und bleibt für mich Niedersachsen damit ein Bildungs-Ungleichheits-Bundesland.

Kommentar schreiben

(auch anonym möglich)

Hier haben Sie die Möglichkeit den Beitrag (wenn Sie mögen anonym) zu kommentieren und Ihre Erfahrungen und Meinungen zu schildern. Wir freuen uns über jeden Kommentar! Bitte beachten Sie jedoch, dass wir politische Hetze gegenüber Minderheiten und Aufrufe zu Gewalt nicht veröffentlichen werden.

Rentner, Senioren, ältere Menschen, goldene Jahre, Herbst des Lebens, Silver Surfer - Bezeichnungen für die Leser dieses Magazins gibt es viele. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir in unseren Publikationen so weit wie möglich mit neutralen und wertfreien Bezeichnungen arbeiten bzw. allgemein an "den Leser" adressieren.
Seniorenbedarf.info